Panzer kehren an die Front zurück - die Ukraine hat Russlands Drohnen-Todeszone durchbrochen
Die Ukraine hat im Norden des Gebiets Donezk ihre Panzer zurück an die Front gebracht. Nach monatelanger Vorbereitung haben Kiews Streitkräfte Gelände im Raum Oleksandriwka zurückerobert, berichtet der britische „Telegraph“.
Schwere Fahrzeuge galten dort lange als fast verloren, sobald sie sich der Front näherten. Russische Drohnen, Artillerie und Systeme der elektronischen Kriegführung hatten einen Bereich geschaffen, in dem Panzer kaum überleben konnten. Die Ukrainer versteckten sie daher sogar in Wäldern und Garagen.
Erst nach rund acht Monaten Vorbereitung rollten ukrainische Fahrzeuge wieder vor. Bei der Gegenoffensive um Oleksandriwka gewann die Ukraine laut dem Bericht knapp 750 Quadratkilometer Gelände zurück. Im Einsatz waren wohl auch britische Challenger-2-Panzer.
Ukraine trifft russischen Drohnen- und Artillerie-Nachschub
Zunächst griff die Ukraine russische Versorgungswege tief hinter der Front an. Ins Visier nahmen sie:
Versorgungsrouten
Konvois
Logistikfahrzeuge
Getroffen wurden Transporte mit Drohnen, Batterien und anderer Ausrüstung in etwa 15 Kilometern Entfernung zur Front, Artillerie-Nachschub in größerer Tiefe und Aufklärungsdrohnen sogar noch deutlich weiter hinten.
Experte: Situation für russische Soldaten „viel elender“
Allein im Mai flog die Ukraine mehr als 200 Angriffe auf russische Logistikfahrzeuge. Einige Ziele lagen mehr als 160 Kilometer hinter der Front. Der Militärforscher Robert Tollast vom Londoner Royal United Services Institute (Rusi) sagte dazu: „Im Kern zerlegt das Russlands Fähigkeit, seine Kampfkraft aufrechtzuerhalten.“ Für die Soldaten an der Front habe das direkte Folgen gehabt. Ohne Wasser, Nahrung und Munition werde das Leben „viel elender“.
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Später griff die Ukraine gezielt russische Drohnenbediener an. Dazu kamen Schläge gegen Radare und Störsysteme. Wie das finnische Nachrichtenportal „Verkkouutiset“ berichtet, hätten sich die Besatzungen nach und nach weiter zurückgezogen. Mit ihnen verschwanden auch wertvolle Geräte zur elektronischen Kriegführung aus Frontnähe.
Russische Handys verrieten Stellungen
Danach nutzten ukrainische Kräfte offenbar auch russische Kommunikation aus. Laut „Telegraph“ lasen sie mit, wie Soldaten auf Artillerietreffer reagierten, und korrigierten damit das Feuer. „Wir können das Artilleriefeuer anhand ihrer Messenger-App anpassen“, sagte ein ukrainischer Offizier dem Bericht zufolge.
Nach Einschätzung von Experten kamen dabei Drohnen mit gefälschten Mobilfunkmasten zum Einsatz. Sie brachten Telefone in der Nähe dazu, sich einzuloggen und Daten preiszugeben. Der Experte Thomas Withington sagte: „In dem Moment, in dem du dein Handy einschaltest, musst du davon ausgehen, dass du leuchtest wie ein Weihnachtsbaum.“
Der Panzerexperte Sam Cranny-Evans erklärte, die gefährliche Zone sei nicht verschwunden. „Aber der Bereich, in dem sie für die Ukrainer ein Problem war, lässt sich jetzt etwas sicherer durchqueren.“
Infanterie räumt den Weg frei
Erst dann gingen kleine Gruppen der ukrainischen Infanterie zu Fuß vor. Sie schlüpften durch Lücken, umgingen stark befestigte Stellungen und drangen bis hinter russische Linien vor. Manche Soldaten legten bis zu 19 Kilometer zu Fuß zurück. Flüsse wie die Wowtscha erschwerten das Vorgehen zusätzlich. An einer Stelle schwammen Soldaten sogar hinüber; Drohnen brachten ihnen trockene Kleidung.
Die Panzer folgten erst, als der Raum bereits genommen war. Ihre Aufgabe war nicht der große Durchbruch. Sie sollten das eroberte Gebiet halten und russische Gegenangriffe abwehren. Russland werfe oft weiter Soldaten in solche Angriffe, auch wenn sie scheiterten, sagte Cranny-Evans.