DAX +0,70 % 26.323,88 Pkt 18:00:00 MDAX -0,55 % 32.251,14 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,18 % 6.535,62 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,17 % 53.975,98 Pkt 22:40:36 S&P 500 +0,56 % 7.753,11 Pkt 22:38:36 Nasdaq +0,98 % 26.605,36 Pkt 23:15:59 Nikkei +2,08 % 66.970,22 Pkt 08:45:03 Gold +1,84 % 4.442,00 USD 07:35:07 Silber -0,22 % 64,96 USD 07:35:07 Brent +0,34 % 88,02 USD 07:34:47 WTI +0,39 % 82,45 USD 07:35:06 Bitcoin +0,09 % 63.972,51 USD 07:45:07 EUR/USD -0,09 % 1,15460 USD 07:44:24 EUR/GBP -0,29 % 0,85410 GBP 07:45:08 EUR/CHF +0,13 % 0,93510 CHF 07:45:08 EUR/JPY +0,68 % 183,709 JPY 07:45:08

Panzer statt KI: Kritik von allen Seiten an Minister Pistorius

Technologie

Startseite Politik Panzer statt KI: Kritik von allen Seiten an Minister Pistorius Von: Leonie Hudelmaier Uns auf Google folgen Ganze 700 Milliarden Euro stehen Verteidigungsminister Pistorius zur Verfügung. Doch es regt sich Kritik, wie der SPD-Politiker diese Investitionen tätigt. München – Abkühlung findet Boris Pistorius diesen Sommer an der Atlantikküste in Frankreich. Doch bevor der Verteidigungsminister in den richtigen Urlaub verschwand, machte er im Juli noch einen Sommertrip der besonderen Art: ein zehntägiges Truppen-Hopping. Neun Bundeswehrstandorte in zehn Tagen. Für den hohen Besuch ließ die Armee schwere Geschütze auffahren. Mal posierte Pistorius in einem Hubschrauber, mal in einem Kampfjet, mal vor Panzer-Kollossen mit Tannenzweig-Tarnung. Eindrucksvolle Bilder. Genau genommen aber auch Zündstoff für Kritik, die seit Wochen schwelt und die der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) noch einmal erneuert hat. Moritz Schularick wirft Pistorius in der SZ vor, bei den Rüstungsinvestitionen statt auf Zukunftstechnologien zu setzen, einen Großteil der kreditfinanzierten Gelder für Panzer, Fregatten und schlicht veraltete Technologien auszugeben. 700 Milliarden für die Bundeswehr: Kritik an den geplanten Beschaffungen Grundsätzlich sollen 700 Milliarden Euro in die Bundeswehr fließen, um sie bis 2030 zukunftsfit zu machen. Das IfW hat bereits im März Leitlinien für kluge Verteidigungsausgaben herausgegeben. Darin verweisen die Autoren auf die Erfahrungen auf ukrainischen Schlachtfeldern, die Erfolge von Drohnenangriffen und zugleich auf die Verwundbarkeit klassischer Panzersysteme. „Mehr als 80 Prozent der künftigen Mittel sind für Altsysteme vorgesehen, der Anteil autonomer Systeme verharrt bei unter 1 Prozent“, kritisieren die Autoren. Der starke Fokus auf bemannte Systeme sei vor allem eines: „erklärungsbedürftig“. In Deutschland gebe es Kapital, industrielles Know-how und hochmoderne Technologien. „Was wir nicht haben, sind Hunderttausende Menschen, die in Panzer steigen und an die Front fahren möchten“, erklärt Schularick. „Das heißt: Statt auf mehr Soldaten, mehr bemannte Fahrzeuge und mehr Kasernen müssen wir – wo immer möglich – auf KI, Robotik, Drohnen und Satellitentechnik setzen.“ Vucic: „Am Anfang eines größeren Krieges“ Nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vucic: „Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen.“ Er habe auf Frieden gehofft, doch ein Ende des Ukraine-Kriegs sehe er nicht zeitnah. Ein Kriegsende sei erst möglich, wenn eine Seite gewinne, so der moskautreue Vucic. Und gegen Russland zu gewinnen, wird nicht „leicht geschehen“. Auch aus der Union gibt es Kritik an Pistorius‘ Ausgaben. „Hauptproblem deutscher Beschaffung ist, zu viel Geld in ein veraltetes Beschaffungssystem zu pumpen“, sagt CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter unserer Zeitung. „Das führt zur Beschaffung ,mehr vom Alten‘, enorm überteuert und am Ende womöglich weder innovativ noch bedrohungsgerecht.“ Kiesewetters Forderung: „Im Grunde müssen sämtliche Beschaffungen überprüft werden, solange wir nicht die Forschungs- und Entwicklungspolitik bei Rüstung, die Rüstungsindustriepolitik und vor allem die Beschaffung strukturell an das neue Kriegsbild angepasst haben.“ CDU-Politiker Kieswetter kritisiert Pistorius: Schützenpanzer möglicherweise schon „morgen untauglich“ Für Kiesewetter braucht es KI-gestützte Systeme unter anderem für schnelle Führungsentscheidungen, Lagebild und Zielerfassung sowie die Drohnenabwehr– integriert auch in den alten Systemen. Auch bringe es „nichts, nun zehntausend Drohnen für den zehnfachen Preis zu bestellen, die nicht einsatzerprobt sind“. Gerade bei Drohnen seien die Innovationszyklen extrem kurz. Und der heute bestellte Schützenpanzer sei schon „morgen untauglich, wenn er weder Drohnenschutz hat noch gegen elektronische Kampfführung gehärtet ist“. Das Verteidigungsministerium weist die Kritik zurück. Die Bundeswehr müsse schon 2029 bereit sein, neueste Innovationen seien bis dahin aber noch nicht am Start, erklärt ein Sprecher. Außerdem seien bereits Milliarden für Digitalisierung und Kamikaze-Drohnen verplant. Das Credo der Kritiker lautet aber: Ganze Technologie- und Produktionsketten aufbauen statt nur stur Bestände auffüllen. Aus Schularicks Sicht braucht es einen zentralen Koordinator, der Bundeswehr, Politik und Wirtschaft zusammenbringt. Und dafür hat er sogar schon zwei Namen im Petto: Ex-Telekom-Vorstandschef René Obermann oder Ex-Airbus-Chef Tom Enders.

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