Parkinson-Studie: Wer nahe einer Reinigung wohnt, erkrankt häufiger
Neue Studie zeigt Wer hier wohnt, hat ein höheres Parkinson-Risiko Von Lynn Zimmermann 11.08.2026 - 15:41 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Wer sehr nah an einer chemischen Reinigung wohnt, könnte häufiger an Parkinson erkranken. Eine große US-Studie zeigt einen klaren Zusammenhang mit der Entfernung. Umweltbelastungen am Wohnort könnten beim Parkinson-Risiko eine große Rolle spielen. Denn nur etwa zehn Prozent der Erkrankungen gehen auf die Gene zurück. Forscher aus den USA haben nun untersucht, ob die Nähe zu chemischen Reinigungen mit neu auftretenden Parkinson-Erkrankungen zusammenhängt. Dabei fanden sie heraus, dass ältere Menschen ein höheres Risiko für Parkinson hatten, je näher sie an einer solchen Reinigung wohnten. Die Studie erschien kürzlich in der Nature-Fachzeitschrift "npj Parkinson's Disease". Das steckt hinter der Parkinson-Krankheit Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen geschädigt werden. Warum die Krankheit entsteht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Typische Beschwerden sind verlangsamte oder eingeschränkte Bewegungen, steife Muskeln und Zittern. Parkinson tritt meist nach dem 50. Lebensjahr auf und wird mit zunehmendem Alter häufiger. Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung – gleich nach der Alzheimer-Krankheit. Heilen lässt sich die Krankheit nicht. Medikamente können die Beschwerden besonders im Frühstadium jedoch oft deutlich lindern. Höchstes Risiko in unmittelbarer Nähe Für die Studie werteten die Forscher Daten von 180.982 Menschen mit neu diagnostiziertem Parkinson und mehr als 18,8 Millionen Kontrollpersonen aus. Alle Teilnehmer waren mindestens 67 Jahre alt. Um herauszufinden, ob ein Zusammenhang mit der Entfernung zu chemischen Reinigungen besteht, erfassten die Forscher die Standorte von 32.723 Reinigungen und bestimmten die Entfernung zum Wohnort der Teilnehmer. Das Ergebnis: Wer höchstens 0,1 Meilen, also rund 160 Meter, von einer Reinigung entfernt wohnte, hatte ein um 14 Prozent höheres Risiko für eine Parkinson-Diagnose als Menschen in vier bis fünf Meilen Entfernung. Bei 0,1 bis 0,25 Meilen (160 bis 400 Meter) lag der Unterschied bei elf Prozent, bei 0,25 bis 0,35 Meilen (400 bis 560 Meter) bei acht Prozent. Mit zunehmender Entfernung nahm der Zusammenhang weiter ab. Die Forschenden berücksichtigten dabei unter anderem Alter, Geschlecht, Rauchen, Einkommen, medizinische Versorgung sowie die Belastung durch Feinstaub. Reinigungen könnten Parkinson-Symptome beeinflussen Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Parkinson-Fällen mit bestimmten Merkmalen. Bei zuvor dokumentierten Gangstörungen lag die Wahrscheinlichkeit für eine Parkinson-Diagnose in unmittelbarer Nähe zu einer Reinigung um 23 Prozent höher, bei Demenz oder geistigem Abbau um 25 Prozent und bei vorherigen Stürzen um 19 Prozent. Die Autoren haben dafür eine mögliche Erklärung: Umweltgifte könnten nicht nur das Erkrankungsrisiko beeinflussen, sondern möglicherweise auch, welche Parkinson-Symptome besonders hervortreten. Ähnliche Muster fanden frühere Untersuchungen zu anderen Nervengiften. Beweisen kann die Studie das allerdings nicht. Auch Männer und Frauen unterschieden sich. Bei beiden Geschlechtern trat ein höheres Parkinson-Risiko in der Nähe von Reinigungen auf, bei Männern fiel es jedoch stärker aus und reichte über größere Entfernungen. Bei Frauen zeigten sich statistisch bedeutsame Unterschiede vor allem in den beiden nächstgelegenen Entfernungsgruppen. Warnzeichen beachten: Diese Menschen haben ein erhöhtes Parkinson-Risiko Arm, Bein oder gesamter Körper: Warum zuckt man beim Einschlafen? Lösungsmittel im Fokus Als mögliche Erklärung für den grundsätzlichen Zusammenhang nennen die Wissenschaftler chlorierte Lösungsmittel wie Trichlorethen (TCE) und Perchlorethylen (PCE). Solche Stoffe kamen beziehungsweise kommen teilweise immer noch bei Reinigungs- und Industrieprozessen zum Einsatz. Die Stoffe können Boden und Grundwasser langfristig belasten, finden sich aufgrund ihrer hohen Flüchtigkeit aber kurzfristig auch in der Luft der Einsatzorte wieder. Die Studie verweist zudem auf frühere Forschung: In Tierversuchen schädigte TCE unter anderem dopaminbildende Nervenzellen. Diese Nervenzellen gehen auch bei Parkinson zugrunde. Frühere Untersuchungen fanden außerdem Zusammenhänge zwischen TCE-Belastungen und Parkinson beim Menschen. Die Amerikanische Akademie für Neurologie (AAN) hatte daher bereits von über 15 Jahren vor dem Einsatz von TCE gewarnt. Und auch PCE kann nachweislich das zentrale Nervensystem beim Menschen schädigen, vor allem bei wiederholtem Kontakt. Auch in Deutschland kommt PCE weiterhin als Lösungsmittel in chemischen Textilreinigungen zum Einsatz. TCE benötigt wegen seiner krebserzeugenden Wirkung seit 2016 eine Zulassung, wird aber weiterhin in geschlossenen technischen Systemen eingesetzt. Loading... Embed Das sind die Top-Fragen des Tages: Studie beweist keine Ursache Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass das Wohnen neben einer chemischen Reinigung Parkinson verursacht. Es besteht lediglich ein Zusammenhang. Die Wissenschaftler haben die tatsächliche Belastung der Teilnehmer mit TCE oder PCE nicht gemessen. Die Entfernung zur Reinigung dient aber als Hinweis auf eine mögliche Belastung. Auch andere Einflüsse aus dem Wohnumfeld lassen sich nicht vollständig ausschließen. Da ausschließlich ältere Medicare-Versicherte teilnahmen, gelten die Ergebnisse zudem nicht automatisch für jüngere Menschen. Verwendete Quellen nature.com: "Nationwide association between proximity to dry cleaners and risk of Parkinson's disease". (Stand: August 2026; englisch) gesundheitsinformation.de: "Parkinson" aan.com: "Industrial Cleaner Linked to Increased Risk of Parkinson’s Disease" baua.de: "Verwendung von Trichlorethen in geschlossenen technischen Systemen - Biomonitoring der Systembediener und Bystander" gestis.dguv.de: "Tetrachlorethen" Transparenzhinweis Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden. Quellen anzeigen