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Patriot-System: Die USA liefern keine Raketen - diese Bilder zeigen, warum

Welt

USUS-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat umfangreiche Lieferungen von Patriot-Abfangraketen an die Ukraine bislang nicht freigegeben. Dahinter mag ein politisches Manöver von Präsident Donald Trump stecken, mit dem er die Ukraine für mögliche Friedensverhandlungen mit Russland unter Druck setzen will. Aber neueste Satellitenbilder zeigen auch, dass die USA kurzfristig nicht mit der Produktion der äußerst wichtigen Technik hinterherkommen werden. Zu groß ist aktuell der Bedarf, zu klein nach wie vor die Fertigung.

Hergestellt werden die Patriot-PAC-3-Raketen ausschließlich im kleinen Städtchen Camden im US-Bundesstaat Arkansas. In einem ehemaligen Munitionsdepot der US-Navy betreibt der Hersteller Lockheed Martin mehrere Produktionsanlagen für Raketen. Neben Patriot werden am Standort auch Raketen des etwa am Persischen Golf eingesetzten Luftverteidigungssystems Thaad und des Artilleriesystems Himars produziert.

Der Ukraine- und der Irankrieg haben die Bestände an Patriot-Raketen zuletzt so stark dezimiert, dass die Kapazitäten am Standort massiv ausgebaut werden müssen. Schon Ende 2025 und Anfang 2026 gab es erste Spatenstiche für neue Produktionsgebäude. Doch niedrig aufgelöste Satellitenbilder zeigen, dass die Bauarbeiten zwar vorangehen.

Dennoch dürften Monate, wenn nicht Jahre ins Land gehen, bis die erweiterte Fertigung anläuft. Auch darauf deuten die Bilder hin. Zumal bei den geplanten hohen Stückzahlen Brancheninsidern zufolge eine teilweise automatisierte Fertigung eingerichtet werden muss, was weitere Zeit kostet. Aktuell wird das also weder den Golfstaaten noch der Ukraine helfen.

Laut der Lokalzeitung „Arkansas Democrat-Gazette“ will Lockheed Martin die Produktion der Abfangraketen vor Ort mehr als verdreifachen – von derzeit 600 PAC-3 auf 2000. Das entspricht einem Wert von etwa zehn Milliarden Dollar.

An mehreren Stellen auf dem riesigen Areal sind inzwischen Bauarbeiten zu erkennen. Nicht immer ist klar, ob die dort entstehenden Gebäude direkt zu Lockheed oder aber zu Zulieferern gehören werden. Die genauen Lagepläne sind geheim. Dennoch ist für einige bestehende und zukünftige Gebäude bekannt, welche Unternehmen darin produzieren oder Entwickeln.

Highland Industrial Park, Camden, Arkansas, USA

22.05.2025 (linkes Bild): Noch sind keine Spuren von den Neubauten zu sehen.

19.10.2026 (rechtes Bild): An vielen Orten auf dem Gelände wird jetzt gebaut.

1. Erweiterung an einem Lockheed-Martin Fertigungsgebäude

2. Bauarbeiten, die sich keinem Unternehmen direkt zuordnen lassen

3. Bauarbeiten für die Raketenantriebsfertigung von L3Harris

4. Bauarbeiten, die sich keinem Unternehmen direkt zuordnen lassen

Bilder: LiveEO/Sentinel

So ist es auch bei der flächenmäßig derzeit größten Baustelle auf dem Gelände. Hier baut der Zulieferer L3Harris eine zusätzliche Fertigung auf. Das Unternehmen stellt Raketenmotoren unter anderem für die Patriot-Abfangraketen her, aber auch für Tomahawk-Marschflugkörper. L3Harris investiert dafür dem Medienbericht nach 400 Millionen Dollar in rund 30 neue Gebäude in Camden. Im Juni wurde Unternehmensangaben zufolge hier zudem mit dem Bau zweier zusätzlicher Gebäude speziell für Patriot-PAC-3-Antriebe begonnen.

Andere Fertigungsstandorte neben Camden gibt es weltweit keine – abgesehen von einer Lockheed-Teileproduktion in Grand Prairie, Texas. Die USA haben immer wieder darauf beharrt, die Herstellung ausschließlich in den USA zu halten, erzählt ein Insider aus der deutschen Rüstungsindustrie. Deutsche Unternehmen, die als Zulieferer anfangs im PAC-3-Programm vertreten waren, wurden demnach später durch US-Unternehmen ersetzt.

Unklar ist zurzeit, ob die erweiterten Kapazitäten am Ende überhaupt ausreichen werden, um den erhöhten Bedarf zu decken. Die Expansion der Produktion begann schon vor dem Angriff auf den Iran. Allein der Ukrainekrieg hatte also die derzeitige Produktion überlastet. So verbraucht die Ukraine Schätzungen zufolge etwa 60 Patriot-Raketen pro Monat – 720 im Jahr.

Schon im Mai gab es zudem Berichte, dass die USA im Nahen Osten seit März 1060 bis 1430 PAC-3-Raketen verbraucht hätten. Das entspricht etwa 50 Prozent des US-Bestandes. Ein Schuss kostet etwa fünf Millionen Dollar.

Die unter anderem von Lockheed in Camden gefertigten Patriot- und Thaad-Systeme sind zurzeit wichtige Abwehrwaffen, wenn es darum geht, Anlagen beispielsweise in Saudi-Arabien vor Drohnen und ballistischen Raketen der Huthi und des Iran zu schützen. In der Ukraine kommen Patriot-Systeme zum Schutz von kritischen Anlagen vor Russlands Kampfjets, ballistischen und Hyperschallraketen zum Einsatz. Vor wenigen Tagen berichtete CNN, dass die Ukraine inzwischen ihr komplettes Arsenal an PAC-3 verbraucht habe.

Mehrere europäische Staaten hatten sich bereit erklärt, Patriot-Raketen aus den eigenen, ebenfalls schon dezimierten Beständen an die Ukraine abzugeben. Dieser Schritt wird von den USA zurzeit blockiert. Das Land hat juristisch das letzte Sagen über die Abgabe der Waffen, da Patriot ein US-System ist. Weil die US-Bestände und die in Europa überkritisch niedrig sind, könnte die Abgabe von weiteren Raketen dazu führen, dass die Verteidigungsfähigkeit der Nato in Europa geschwächt wird. Vor einem solchen Szenario hatten US-Militärkreise bereits im August gewarnt.

Während der Patriot PAC-3 einen Radarsuchkopf hat und ausschließlich aerodynamisch gesteuert wird, sind die zweistufigen Thaad-Abfangraketen in deutlich größerer Höhe unterwegs. Dafür besitzt die Oberstufe auch seitliche Steuerdüsen. Zudem ist diese Rakete mit einem Infrarotsuchkopf ausgestattet.

Die US-Navy hatte während des 2. Weltkrieges 68.000 Hektar in Camden, Arkansas, beschlagnahmt, um hier Raketen, Torpedos und Bomben zu produzieren. Das führte sie auch im Koreakrieg fort, bevor sie das Areal 1957 dichtmachte und verkaufte.

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Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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