Paukenschlag in der deutschen Immobilienbranche: Vonovia-Rivale überrascht!
Grand City Properties löst Konsolidierungsfantasie aus
Doch am Dienstag beherrscht ein ganz anderes Thema die Schlagzeilen in der deutschen Immobilienbranche. Am Montagabend hat Grand City Properties mitgeteilt, nicht weniger als 20 Prozent an LEG Immobilien erworben zu haben. Damit herrscht plötzlich nicht mehr Vergesellschaftungs-, sondern Übernahmefieber!
Die Mitteilung lässt auch aus zwei weiteren Gründen aufhorchen. Erstens ist Grand City Properties deutlich kleiner als LEG Immobilien – sowohl was den Börsenwert als auch den Immobilienbestand betrifft. Und zweitens ist die Begründung, welche Grand City Properties geliefert hat, aufschlussreich.
Einstieg bei LEG Immobilien – mit Option nach oben
Das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg erklärte in der nachbörslich veröffentlichten Pressemitteilung, dass LEG Immobilien deutlich unter dem Buchwert gehandelt werde und der jüngste Aktienkursverfall die anhaltende Stärke des Geschäfts nicht adäquat widerspiegeln würde. Mit einer Beteiligung an LEG Immobilien will Grand City Properties daher seinen eigenen FFO (Funds from Operations) stärken und das zu einem gegenwärtig attraktiven Preis.
Des Weiteren gaben die Luxemburger bekannt, dass sie ihre Beteiligung nach eigener Maßgabe auf bis zu 29,9 Prozent anheben könnten. Darüber wäre Grand City Properties verpflichtet, ein verbindliches Übernahmeangebot vorzulegen. Davon scheint man gegenwärtig jedoch abzusehen.
Management nimmt die Beteiligung "zur Kenntnis"
Bei LEG Immobilien hat man die Beteiligung schmallippig kommentiert. In der kurzen, am Dienstagmorgen veröffentlichten Mitteilung wird der Einstieg von Grand City Properties "zur Kenntnis genommen". Man teile die Überzeugung, dass "das sowohl die Strategie als auch das Immobilienportfolio der LEG erhebliches Aufwärtspotenzial bieten".
Ein langfristiges Engagement oder gar eine vollständige Übernahme scheint man jedoch nicht zu erwarten. LEG Immobilien beschreibt die Beteiligung von Grand City Properties unter Verweis auf deren eigene Angaben "als Finanzinvestition". Tatsächlich hat sich das Luxemburger Unternehmen in seiner Presseerklärung vorbehalten, die Anteile auch wieder zu veräußern, sollten es die Marktbedingungen nahelegen.
Erholungsrallye bei Immobilienaktien mit überraschendem Gewinner
Am Aktienmarkt zeigt der Einstieg von Grand City Properties bei LEG Immobilien Wirkung. Die Anteile der Düsseldorfer gewinnen rund 3 Prozent, während die Luxemburger sogar fast vier Prozent zulegen können – Anlegerinnen und Anleger begrüßen den Schritt also zu beiden Seiten.
Auch die übrigen deutschen Immobilienwerte profitieren. Die Aktie von Vonovia legt knapp 2 Prozent zu, für TAG Immobilien geht es fast drei Prozent bergauf – die Anteile konnten nach einer Kaufempfehlung durch die US-Investmentbank Goldman Sachs schon am Montag überzeugen.
Der größte Tagesgewinner heißt jedoch Aroundtown, dessen Papier gut 6 Prozent zulegt. Der Grund hierfür ist, dass Grand City Properties zu über 80 Prozent im Besitz von Aroundtown ist, das somit ebenfalls Zugriff auf die hohen Sachwerte von LEG Immobilien erhält.
Fazit: Nachvollziehbarer Schritt, aber die Probleme bleiben
Die stark gefallenen Kurs- und Bewertungsniveaus von deutschen Immobilienwerten wecken Begehrlichkeiten – nicht nur unter Anlegerinnen und Anlegern, sondern auch in der Branche selbst. Ein Kurs deutlich unter Buchwert hat jetzt Grand City Properties dazu veranlasst, beim Vonovia-Mitbewerber LEG Immobilien einzusteigen, um für vergleichsweise wenig Geld den eigenen FFO zu stärken und ein aussichtsreiches Investment zu tätigen.
Aus privatwirtschaftlicher Perspektive ist der Einstieg sinnvoll und schlüssig. Anhaltend niedrige Kurse könnten den Konsolidierungsdruck verschärfen und zu weiteren Beteiligungsmodellen oder gar vollständigen Übernahmen (auch durch Finanzinvestoren) führen. Gesamtwirtschaftlich und vor allem gesellschaftlich wird dadurch jedoch kein einziges Problem gelöst, da Beteiligungen den dringend benötigten Neubauten vorgezogen werden.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion