Pawel Durow: Russland erlässt Haftbefehl gegen Telegram-Gründer Durow
Russland hat Haftbefehl gegen Pawel Durow erlassen, den Gründer des Messengerdienstes Telegram. Nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes FSB wird dem Techmilliardär und gebürtigen Russen Beihilfe zu Terrorismus vorgeworfen. Sie bestehe darin, dass er Telegram-Kanäle und Chatbots nicht lösche, die »aktiv von ukrainischen Geheimdiensten, terroristischen und extremistischen Organisationen« dazu genutzt würden, »Sabotage- und Terrorakte« in Russland vorzubereiten, teilte der FSB mit. Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor habe mehr als 150.000 Anfragen an Telegram gestellt, bei denen es um die Löschung »verbotener Inhalte« gehe, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tass. Die Anfragen seien jedoch ignoriert worden. Die russische Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta berichtete bereits im Februar unter Berufung auf den FSB, dass seit 2022 mehr als 153.000 Gesetzesverstöße in Russland verzeichnet seien, bei denen Telegram genutzt worden sei. FSB begründet Vorwurf mit Nutzung von Telegram bei Attentaten Der Terrorvorwurf gegen Durow wird offenbar darauf bezogen, dass mehrere Angriffe, die in Russland als Terrorattacken eingestuft worden sind, teils über Telegram geplant worden seien. Das gelte etwa für den islamistisch motivierten Terrorangriff auf eine Konzerthalle bei Moskau im März 2024, bei dem mehr als 140 Menschen getötet wurden – aber auch für Attentate auf hochrangige Vertreter des russischen Militärs oder prominente antiukrainische Militärblogger und Propagandisten, hinter denen mutmaßlich ukrainische Geheimdienste stehen. Gegen Durow wurde den FSB-Angaben zufolge ein internationaler Haftbefehl erlassen. Der Telegram-Gründer ist unter anderem in Dubai ansässig und ist Staatsbürger Frankreichs sowie der Vereinigten Arabischen Emirate. Durow hatte Russland 2014 verlassen und angegeben, nicht zurückkehren zu wollen, weil das Land »nicht kompatibel mit dem Internetbusiness« sei. Berichten zufolge soll der Telegram-Gründer Russland jedoch bis 2021 Dutzende Male besucht haben. Ermittlungen gegen ihn liefen zuletzt wegen Vorwürfen mangelnder Moderation von Telegram-Inhalten auch in Frankreich. In seinem eigenen Telegram-Kanal reagierte Durow zunächst nicht auf die Vorwürfe. Der 2013 gegründete Messenger hat nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer weltweit und ist sowohl in Russland als auch in der Ukraine stark verbreitet. Durow hatte vor Telegram auch das russische Facebook-Äquivalent Vkontakte gegründet, seine Anteile daran aber 2014 unter staatlichem Druck verkauft. Russland sperrt Telegram- und WhatsApp-Dienste Als die russischen Ermittlungen gegen Durow im Februar bekannt wurden, wies der Milliardär die Anschuldigungen von sich. »Bei ihren Versuchen, das Recht auf Privatsphäre und Redefreiheit zu unterdrücken, erfinden die russischen Behörden jeden Tag neue Vorwände, um den Zugang der Russen zu Telegram einzuschränken. Ein trauriges Spektakel von einem Staat, der sich vor seinem eigenen Volk fürchtet«, schrieb Durow damals. Die russischen Behörden versuchen seit Jahren, Telegram zu blockieren. Seit Anfang 2026 haben sie ihr Vorgehen gegen den Messenger sowie ähnliche westliche Dienste wie WhatsApp verschärft. So wurden die Apps in Russland gedrosselt, was etwa dazu führt, dass Inhalte nur langsam geladen werden. Auch wurden die Videotelefoniedienste von Telegram und WhatsApp in Russland gesperrt.