Pedersen gegen Philipsen: Kampf um Grünes Trikot wird zum Krimi
Mads Pedersen streifte das Grüne Trikot und die Eisweste ab. Dann musste er tatsächlich noch einmal hinaus auf das Podium der Tour de France, um sich im Teamtrikot seiner Mannschaft Lidl-Trek als kämpferischster Fahrer der 17. Etappe ehren zu lassen. Und das, obwohl der Däne "einen richtigen Scheißtag" erlebt hatte, wie er später zu Protkoll gab. Denn natürlich war Pedersen an diesem Tag nicht angetreten, um am Ende in Voiron als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet zu werden. Er wollte den Deckel drauf machen auf den Kampf ums Grüne Trikot des Punktbesten. Dafür hatten er und sein Team alles auf die Straße geschmissen. Der Plan, war den Zwischensprint zu gewinnen und danach mit einem komfortablen Vorsprung in der Punktewertung auch im Ziel noch ordentlich Zähler draufzulegen - vielleicht sogar mit einem Etappensieg. Ein teurer Tag für Pedersen Der erste Teil des Plans ging auf. Pedersen sicherte sich die 25 Punkte beim Zwischensprint. Und das nach einem beeindruckenden Kraftakt, mit dem er eine sechsköpfige Ausreißergruppe initiiert hatte. "Es reicht nicht beeindruckend zu sein, wenn man am Ende den Job nicht erledigt", ärgerte sich Pedersen im Ziel. "Das war ein teurer Tag mit Blick auf die Punkte." Mit 31 Zählern Vorsprung auf seinen größten Konkurrenten Jasper Philipsen war Pedersen in den Tag gestartet. Nach der Etappe war dieser auf sieben Punkte geschrumpft. Definitiv nicht Teil des Plans von Lidl-Trek war es gewesen, dass Philipsen am Ende den Etappensieg feiern würde. Dafür bekam der Belgier 50 Punkte gut geschrieben, während Pedersen als Achter lediglich zehn Zähler einsammelte. "Im Sprint hat ihm dann einfach die Kraft gefehlt", sagte Teammanager Andy Schleck angesichts des Aufwands, den sein Fahrer betrieben hatte. Ob er es hätte anders machen sollen, die Taktik, der Plan der richtige war? Auf solche Gedankenspiele wollte sich Pedersen danach nicht einlassen. "Ich könnte hier stehen und von hier bis zum Mond und wieder zurück analysieren", sagte er und betonte noch einmal: "Es war ein beschissener Tag." Pedersen jetzt sogar in der Defensive Das neutrale Publikum wird das möglicherweise anders sehen. Denn der Kampf um das Maillot Vert, der weitgehend entschieden schien, ist damit zu einem echten Krimi geworden, der nun aller Voraussicht nach erst am letzten Tag der Tour in Paris entschieden werden wird. Dort wird es für Pedersen und Philipsen um jeden Punkt im Zwischensprint und im Ziel ankommen. "Der Kampf wird Paris weiter gehen und erst auf den Champs Élysées weitergehen", vermutete Pedersen. Der Däne hätte das gerne vermieden und ist jetzt sogar ein wenig in der Defensive - trotz seines Vorsprungs. Denn Philipsen ist im direkten Sprint, wenn es Mann gegen Mann geht, der Schnellere der beiden. Und er nimmt das Momentum eines Etappensieges mit, der ihn von einem großen Druck befreit hat. "Es war eine Achterbahnfahrt der Emotionen", sagte Philipsen in Voiron über seinen bisherigen Tourverlauf. Bei den Massensprints sei er nicht er selbst gewesen, was seine Laune dementsprechend in den Keller zog, weshalb er abends beim Essen "der Stinkstiefel am Tisch" gewesen sei. Philipsen nutzt die goldene Gelegenheit Dass Philipsen den ersehnten Etappensieg nun ausgerechnet auf einem Terrain am Fuße der Alpen errang, das nicht zwingend sprinterfreundlich ist und eher dem Klassikerspezialisten Pedersen liegt, macht die Sache gleich noch spezieller. "Dieser Sieg hat mich wahrscheinlich Jahre meines Lebens gekostet", sagte der Profi vom Team Alpecin-Premier Tech später in der Pressekonferenz. Er habe selbst erst an einen Erfolg geglaubt, als er gemeinsam mit seinem Teamkollegen Mathieu van der Poel zur Gruppe um Pedersen aufgeschlossen hatte, die nach dem Zwischensprint nicht mehr richtig funktionierte und in der der Däne weiter Kraft verschleuderte. "Da wusste ich, das ist eine goldene Gelegenheit und diese Gelegenheit mussten wir nutzen." Das tat er mit einem überzeugenden Sprint, den ihn der ehemalige Weltmeister van der Poel mit letzten Kräften exzellent vorbereitet hatte. Showdown auf den Champs Élysées Damit hat Philipsen nun auch überraschend die Chance, zum zweiten Mal nach 2023 das Grüne Trikot der Tour de France zu gewinnen. Es stehen nun drei schwere Alpenetappen auf dem Programm, bei denen es für beide schwer werden wird Punkte zu sammeln, denn die Zwischensprints kommen bei all diesen Teilstücken erst sehr spät und nach einem oder mehreren Bergen. "Die Chancen, dass ich da nicht dabei sein werde, sind ziemlich hoch" sagte Philipsen in Voiron. "Pedersen ist der bessere Kletterer, so dass er vielleicht noch den ein oder anderen Punkt holen kann." Und dann werde man sehen, was in Paris noch möglich sei. Gäbe es in der französischen Hauptstadt noch den klassischen Massensprint auf den Champs Élysées, wäre die Sache wohl klar. Dann hätte Philipsen die besseren Karten. Doch seit dem vergangenen Jahr führt die Strecke der letzten Touretappe drei Mal hinauf zum Montmartre. 2025 holte sich der Klassikerspezialist Wout van Aert nach einem spektakulären Rennen den Tagessieg. Und Pedersen ist auch ein Mann für die Klassiker, aber Philipsen hat in Voiron bewiesen, dass auch mit ihm dort zu rechnen ist. Der Tour steht deshalb am letzten Tag ein echter Showdown um das Grüne Trikot bevor.