Pflegebeiträge steigen: Wer ab Oktober draufzahlt
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Linnemann dreht an der Beitragsschraube – wer mehr als 5800 Euro verdient, zahlt bald kräftig drauf
Von: Carmen Mörwald
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Die Pflegeversicherung steckt tief in der Krise – und das Geld könnte schon im Oktober ausgehen. Wer jetzt besonders zur Kasse gebeten wird.
Berlin – Die Pflegeversicherung in Deutschland steckt in einem tiefen Finanzloch – und die Lage droht, sich im Herbst zu verschlimmern. Schon im Oktober 2026 könnte das Geld ausgehen. Um das zu verhindern, will die rot-schwarze Koalition aus CDU, CSU und SPD Gutverdiener zur Kasse bitten. Dafür soll die Einkommensgrenze, bis zu der Pflegebeiträge fällig werden, deutlich angehoben werden. Für Arbeitnehmer mit hohem Einkommen bedeutet das: Netto bleibt weniger übrig.
Betroffen sind alle Arbeitnehmer mit mehr als 5812,50 Euro Monatsbrutto. Bis zu diesem Betrag werden bislang Pflegebeiträge fällig – alles darüber ist beitragsfrei. Nach Berechnungen des Verbandes der privaten Krankenversicherungen (PKV) könnte diese sogenannte Beitragsbemessungsgrenze künftig auf knapp 6950 Euro im Monat steigen. Das wäre ein Anstieg von mehr als 1100 Euro. Auf diesen zusätzlichen Einkommensanteil müssten Gutverdiener dann Pflegebeiträge zahlen.
Pflegereform soll Kasse stopfen: Wer zahlt wie viel mehr?
Das Deutsche Steuerzahlerinstitut (DSi) hat die Folgen konkret berechnet. Ein alleinstehender kinderloser Facharbeiter mit 7000 Euro Bruttoeinkommen pro Monat müsste demnach monatlich 83,25 Euro mehr für Pflege- und Krankenversicherung zahlen, berichtet Bild. Das sind 999 Euro in einem Jahr. Das DSi geht dabei von einem unveränderten Krankenkassen-Beitragssatz aus. Sollten die Kassen ihre Beitragssätze noch einmal erhöhen, wäre die Summe dementsprechend höher.
Für Angestellte mit Kind fallen die Mehrkosten geringer aus; sie teilen sich die Pflegebeiträge mit dem Arbeitgeber hälftig. Laut PKV-Verband müssten sie rund 20 Euro monatlich oder gut 240 Euro im Jahr mehr an Pflegebeiträgen zahlen. Auch für Nichtangestellte hätte eine Reform unmittelbare finanzielle Auswirkungen: Der maximale Pflegebeitrag für Selbstständige mit einem Kind und einem Beitragssatz von 3,6 Prozent würde von 209,25 Euro auf 249,97 Euro steigen.
Kinderlose könnten zudem auch bei geringerem Einkommen mehr zahlen. Ihr Pflegebeitrag soll um 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent steigen. Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland, warnt bei Bild: „Wir sehen, dass gerade die Mittelschicht stark geschröpft wird.“ Er bezeichnet die steigenden Beitragsgrenzen als „verkappte Steuererhöhung“. „Die Einnahmen stimmen! Es sind die Ausgaben, die endlich wieder ins Lot gebracht werden müssen.“
Pflegekasse in der Krise: Gesundheitsminister steht vor einem politischen Dilemma
Der frisch gebackene Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat einen Entwurf seiner Vorgängerin Nina Warken (CDU) auf dem Tisch. Dieser sieht Ausgabenbremsen und Mehreinnahmen vor. Schwarz-Rot will allgemeine Beitragserhöhungen jedoch vermeiden. Linnemann steht nun vor einem schwierigen Abwägungsprozess. Einerseits benötigt er dringend Mehreinnahmen. Andererseits gibt es regierungsintern Kritik: Eine so starke Erhöhung sei „Gift für die Konjunktur“, sagte ein Regierungsvertreter dem Handelsblatt zufolge. Ein solch starker Anstieg mindere die Arbeitsanreize, weil netto immer weniger hängen bleibe.
Hintergrund des Finanzdrucks ist auch eine Entscheidung Linnemanns selbst. Er hat geplante Rentenkürzungen für pflegende Angehörige seiner Vorgängerin zurückgenommen. Das reißt ein neues Finanzloch von 1,9 Milliarden Euro in die Pflegeversicherung. Das Bundesgesundheitsministerium lässt offen, ob die Regelung in dieser Form bestehen bleibt. Der Entwurf befinde sich noch in den finalen Abstimmungen zwischen den Ressorts, teilte eine Sprecherin dem Handelsblatt mit.
Düstere Prognose der GKV: Finanzloch von zehn Milliarden Euro erwartet
Im ersten Halbjahr 2026 häufte die Pflegeversicherung ein Defizit von 770 Millionen Euro an. Die Ausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 39,5 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen wuchsen dagegen nur um 3,9 Prozent. „Wenn die Ausgaben fast dreimal stärker steigen als die Einnahmen, dann ist die Dramatik offensichtlich“, sagte Oliver Blatt, Chef des GKV‑Spitzenverbands, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Die Pflege ist akut in Not.“
Bis Jahresende fehlen schätzungsweise 500 Millionen Euro. Für 2027 erwartet der GKV-Spitzenverband eine Finanzlücke von zehn Milliarden Euro. Der Bund hat den Pflegekassen bereits mit einem Darlehen von 3,2 Milliarden Euro geholfen. Ohne diese Finanzspritze läge das Defizit bei minus 4,4 Milliarden Euro, rechnet der Spitzenverband vor. Nach aktuellem Stand soll die Pflegerreform noch im September 2026 durch das Kabinett. (Quellen: Bild, dpa, Handelsblatt) (cln)