Philipp Dienstbier: "Trump will keinen Krieg gegen die Huthis"
Die Krise im Nahen Osten weitet sich aus: Die Huthi-Miliz kontrolliert den Norden des Jemen und ist jetzt entlang der Küste am Roten Meer gegen Regierungstruppen vorgerückt. Philipp Dienstbier, Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Amman in Jordanien, erklärt die Bedrohungslage.
DIE ZEIT: Herr Dienstbier, zum Irankonflikt am Persischen Golf ist eine Krise am Roten Meer hinzugetreten: Die Huthi-Miliz im Jemen hat eine Offensive gegen die Regierungstruppen des Landes begonnen. Kontrolliert die Miliz jetzt die wichtige Meerenge Bab al-Mandab?
Philipp Dienstbier: Sie haben zumindest ihre Position dafür verbessert. Die jüngst von den Huthis eroberte Hafenstadt Mokka liegt nur wenige Kilometer nördlich vom Nadelöhr, eine der jetzt besetzten Inseln, Perim, liegt direkt an der engsten Stelle des Bab al-Mandab. Diese Punkte müssen zivile Schiffe passieren und laufen nun Gefahr, direkt von der Miliz angegriffen zu werden.
ZEIT: Die Huthis haben in den vergangenen Jahren schon mehrfach Handelsschiffe attackiert.
Dienstbier: Die Bedrohung ist nicht völlig neu. Das hat seit 2023, als die ersten Huthi-Angriffe begannen, den Schiffsverkehr durch Bab al-Mandab immer wieder einbrechen lassen.
ZEIT: Und diese Lage hat sich mit der militärischen Offensive der Huthis verschärft?
Dienstbier: Ja, heute ist Bab al-Mandab auch deshalb so wichtig, weil Saudi-Arabien momentan das Öl, das wegen der iranischen Blockade der Straße von Hormus nicht mehr aus dem Golf verschifft werden kann, über eine Pipeline ans Rote Meer pumpt und von dort per Schiff zu seinen Hauptkunden nach Asien exportiert. Die kürzeste Route dafür führt saudi-arabische Tanker genau durch das Bab al-Mandab.
»Viele Reedereien wählen jetzt die längere Route um Afrika herum«
ZEIT: Welche Bedeutung hat die Meerenge für den internationalen Energiehandel?
Dienstbier: Sie ist traditionell eine wichtige Handelsroute nach Europa und Nordamerika. Bis 2023 passierten etwa zwölf Prozent der verschifften Öltransporte und acht Prozent des weltweit gehandelten Flüssiggases die Meerenge. Dann griffen die Huthis wegen des Krieges im Gazastreifen Schiffe an, die mit Israel in Verbindung stehen, aber auch eine Vielzahl anderer Handelsschiffe. Der Verkehr dort ist seitdem drastisch zurückgegangen, viele Reedereien wählen jetzt die längere Route um Afrika herum.
ZEIT: Die USA waren immer eine Art Schutzmacht Saudi-Arabiens. Warum schicken sie keine Kampfjets?
Dienstbier: Die USA haben 2025 bereits erfolglos versucht, die Huthis mit Luftangriffen entscheidend zu schlagen. Das schlug fehl, die USA konnten lediglich einen Waffenstillstand mit den Huthis aushandeln, der US-Schiffen freies Geleit ermöglichte. Donald Trump will keinen Krieg gegen die Huthis.
ZEIT: Hätte das US-Militär angesichts des Irankrieges dafür überhaupt noch Ressourcen?