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Pilot: „Mir war klar, dass ich all diese Menschen nicht sterben lassen konnte“

Welt

Es ist wohl nur dem Mut des Piloten Smit Machchhar und einiger Passagiere zu verdanken, dass die Insassen des Flydubai-Fluges von Dubai nach Tel Aviv am Mittwoch nicht in den Tod stürzten. Machchhar wird nun weltweit als Held gefeiert. Unter anderem lobten ihn der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und der indische Staatschef Narendra Modi. Netanjahu drückte seine Hochachtung aus „gegenüber den Helden, die außergewöhnliche Geistesgegenwart und Wagemut zeigten“.

Nach Angaben von Netanjahu stach einer der Piloten am Mittwoch mit einem Messer auf seinen Kollegen Machchhar ein, als das Passagierflugzeug sich am Morgen Israel näherte. Machchhar öffnete, als er bereits schwer verletzt im Cockpit lag, noch die Tür – und rettete den 180 Menschen an Bord damit wohl das Leben. Mehrere Passagiere konnten sich dadurch in die Kabine zwängen und den Co-Piloten überwältigen. Der Tatverdächtige sei in dem Moment dabei gewesen, die Fluginstrumente zu zerstören. Eine Reserve-Crew, die sich an Bord des Flugzeuges befand, übernahm daraufhin die Kontrolle über die Boeing 737 MAX 8.

Pilot Machchhar spricht über den Angriff auf ihn

In einem Videotelefonat mit dem indischen Premierminister Modi, das er selbst auf den sozialen Medien teilte, berichtet Machchhar erstmals öffentlich über den Vorfall im Flydubai-Cockpit. „Ich kämpfte in dem Moment um mein eigenes Leben, aber mir war auch klar, dass ich nicht so viele andere Menschen sterben lassen konnte.“

Bereits am Boden liegend sei ihm klar geworden, dass das Flugzeug im Begriff war, abzustürzen. Er habe sich daher trotz mehrerer Wunden und der andauernden Attacke aufgerichtet. „Ich öffnete die Tür und alle kamen herein“, so der indische Pilot.

Flydubai-Pilot Smit Machchhar legt einen starken Fokus auf Sicherheit

Der Angreifer habe offenbar vorgehabt, das Flugzeug samt den fast 180 Insassen zum Absturz zu bringen, sagte der israelische Premierminister. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach vom „Versuch eines dschihadistischen Anschlags“, der nur dank des Mutes israelischer Passagiere vereitelt worden sei. Am Donnerstag erklärte auch ein Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlag handele.

Auf seinem Profil auf der Job-Seite LinkedIn beschreibe sich Machchhar als Pilot, der einen „starken Fokus auf Sicherheit“ lege, so die amerikanische Tageszeitung. Der 38-Jährige, der derzeit in seiner Heimat Indien große öffentliche Unterstützung erfährt, sei in einem mittelständischen Vorort von Mumbai aufgewachsen.

Er habe eher durch Zufall zu seinem Beruf als Pilot gefunden, denn eigentlich sollte er in das familiäre Textilgeschäft einsteigen. Nach der Teilnahme an einem Flugseminar habe ihn die Begeisterung für die Luftfahrt gepackt, berichtet die „New York Times“. Machchhar steuere seit nun rund 13 Jahren Linienflugzeuge.

Pilot Smit Machchhar fliegt seit 13 Jahren Linienflugzeuge

In einem Podcast der indischen Journalistin Zalak Mehta berichtete Machchhar, dass er 18 Monate lang in einer Flugschule in Neuseeland ausgebildet wurde. Für Dhaval Patel, mit dem er gemeinsam mit ihm in der Ausbildung gewesen sei, sei Machchhar zu einer Art Mentor geworden, so die „New York Times“. Machchhar habe zudem leidenschaftlich gerne andere Piloten ausgebildet, so Patel. Es sei dem Flydubai-Piloten besonders wichtig gewesen, dass die angehenden Flieger selbstbewusst seien und dadurch ihren Job gut machen könnten.

In dem einstündigen Podcast von 2025 erklärte Machchhar, dass er „tiefgehende Diskussionen“ mit seinen Co-Piloten im Cockpit vermeide, um nicht abgelenkt zu werden. Er betonte außerdem, dass Piloten ausgeruht sein müssten, um auch in schwierigen Situationen arbeitsfähig zu sein: „Man muss Leistung bringen. Es gibt keine Alternative“, so der heute 38‑Jährige. Auf die Frage der Interviewerin, wie er seine Gefühle dazu, dass er als Pilot arbeite, mit einem Wort beschreiben würde, sagte er: „gesegnet“.

Machchhar und sein Angreifer sind seit Donnerstag wieder zurück in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beide seien nach dem Vorfall in Tabuk, wo die Passagiermaschine notlanden musste, in ein örtliches Krankenhaus gebracht worden. Nachdem beide als reisefähig erklärt worden seien, reisten sie unter Begleitung eines Sicherheitsteams zurück in Richtung Abu Dhabi. Nach Angaben eines indischen Botschafters in den Emiraten gehe es Machchhar besser und er erhole sich gut, berichtet die „New York Times“.

Auch in seiner Heimat Indien ist Machchhar der Mann der Stunde. Vor seinem Wohnort in Mumbai versammelte sich am Donnerstag eine Gruppe Menschen, darunter Freunde und Familienangehörige, wie die Zeitung „The Times of India“ berichtet. „Als gemeinsame Nachbarn und Inder erfüllt uns dieser Moment mit großem Stolz“, zitiert die Nachrichtenagentur ANI einen anwesenden Freund des Kapitäns. Er wünsche ihm eine baldige Genesung. Ein Nachbar sagte: „174 Menschenleben zu retten, ist eine bemerkenswerte Leistung, er verdient die höchste Auszeichnung des Landes.“

Internationaler Aufruhr nach Flydubai-Vorfall

Der gewaltsame Vorfall hatte international hohe Wellen geschlagen. Während Netanjahu und Modi den heldenhaften Piloten lobten, fokussiert sich US-Präsident Donald Trump auf seine eigenen politischen Verwerfungen: den Iran-Krieg. Im Falle einer Beteiligung des Iran an dem mutmaßlichen Anschlag droht Trump mit schwerwiegenden Konsequenzen. „Sie werden hart getroffen werden, keine Sorge“, erklärte er. Trump scheint seine Antwort auf die noch ungeklärte Frage, ob der Iran an dem Vorfall beteiligt war, gefunden zu haben: „Ich würde sagen, die Antwort lautet, nach dem, was ich höre, ja. Aber wir arbeiten gerade daran.“

Die Ermittlungen zu den Motiven des Co-Piloten dauern an. Noch ist offen, ob es sich um einen versuchten terroristischen Anschlag handelt.

Nachdem Flydubai seine Flüge von und nach Israel zunächst eingestellt hat, kündigte das israelische Verkehrsministerium an, dass Rückholflüge für in den Vereinigten Arabischen Emiraten wartende israelische Passagiere gestartet werden sollen. Die israelischen Fluggesellschaften El Al, Arkia und Israir sollen die Israelis ab Donnerstag zurückbringen. Die Maschinen sollen leer in die Emirate fliegen und mit den Passagieren, die ursprünglich mit Flydubai reisen wollten, nach Israel zurückkehren. (mit AFP und dpa)

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