Pilze sammeln: Strahlung bleibt unbedenklich - trotzdem nicht übertreiben
40 Jahre nach Tschornobyl
Nach dem Regen sprießen die Pilze, die Strahlung bleibt meist gering
Stand: 28.08.2026 17:00 Uhr
Nach einem trockenen Sommer hoffen Pilzfreunde auf die Rückkehr von Steinpilz, Pfifferling und Marone. Tatsächlich gilt Regen als wichtiger Auslöser für das Wachstum vieler Pilzarten. Nach längeren Trockenphasen hatten Fachleute zuletzt vor einer schwachen Pilzsaison gewarnt. Die aktuellen Niederschläge könnten nun für bessere Sammelbedingungen sorgen.
von MDR WISSEN
Wer in den kommenden Wochen im Harz, im Thüringer Wald oder in den ausgedehnten Waldgebieten Sachsens unterwegs ist, kann seine selbst gesammelten Pilze nach Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) grundsätzlich bedenkenlos essen. 40 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschornobyl (russ. Tschernobyl) führe ein maßvoller Verzehr von Wildpilzen in Deutschland nur noch zu einer geringen zusätzlichen Strahlenbelastung.
Situation heut ist entspannt
Pilze können radioaktives Cäsium-137 aus dem Boden aufnehmen. Der Stoff gelangte nach dem Unfall im April 1986 mit radioaktiven Wolken über große Teile Europas. Besonders Wildpilze galten lange als belastet. Heute habe sich die Situation deutlich entspannt, sagt BfS-Präsidentin Inge Paulini. Aus Sicht des Strahlenschutzes spreche nichts dagegen, selbst gesammelte Pilze zu essen. Die dadurch entstehende Strahlendosis sei bei einem maßvollen Verzehr gering.
Ganz verschwunden ist das radioaktive Erbe allerdings nicht. Das BfS misst weiterhin erhöhte Cäsium-137-Werte in einzelnen Pilzarten und an bestimmten Standorten. Besonders betroffen sind einige Regionen Süddeutschlands, vor allem im Bayerischen Wald. Dort wurden bei Semmelstoppelpilzen und Rotbraunen Semmelstoppelpilzen Werte von mehr als 2.000 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse gemessen. Auch Maronenröhrlinge und Trompetenpfifferlinge können dort deutlich belastet sein.
Mitteldeutschland wenig belastet
Für Mitteldeutschland sind solche Spitzenwerte bislang nicht typisch. Dennoch hängt die Belastung stark von der Pilzart und den Eigenschaften des Bodens ab. Während manche Arten vergleichsweise viel Cäsium aufnehmen, bleiben andere nahezu unbelastet. Braunschuppige Riesenchampignons, Hasenröhrlinge oder Riesenporlinge lagen in den Messungen des BfS durchweg unter fünf Becquerel pro Kilogramm.
Wie gering das Risiko inzwischen meist ist, zeigt ein Rechenbeispiel der Behörde: Würde eine erwachsene Person ein Jahr lang jede Woche 200 Gramm Maronenröhrlinge mit einer Belastung von rund 1.400 Becquerel pro Kilogramm essen, entspräche die zusätzliche Strahlendosis etwa 0,18 Millisievert pro Jahr. Das ist nach Angaben des BfS etwas mehr als die Strahlendosis von drei Flügen von Frankfurt nach New York.
Im Zweifel nachfragen
Unabhängig von der Radioaktivität empfehlen Fachleute ohnehin Zurückhaltung beim Pilzverzehr. Wildpilze können auch Schwermetalle wie Blei, Quecksilber oder Cadmium anreichern. Deshalb rät das BfS, regelmäßig nicht mehr als 200 bis 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen.
Für Pilzsammler in Mitteldeutschland gilt damit: Wenn der Regen weiter anhält und die Wälder wieder Pilze hervorbringen, steht dem Sammeln und Genießen in der Regel nichts im Weg. Die Angst vor den Folgen von Tschornobyl muss dabei heute kaum noch jemand haben. Vorsicht ist nur geboten, wenn man die Pilze nicht kennt. Dann sollte man einen Pilzsachverständigen fragen. Das geht zum Beispiel am Sonntag in Königsbrück in Sachsen.
gp/bfs