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„Pilzesammeln ist eine sinnliche Erfahrung“

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„Pilzesammeln ist eine sinnliche Erfahrung“

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Eine Pilzsachverständige führte knapp 20 Teilnehmende durch den Florshainer Wald. Sie erklärte, worauf Sammler beim Standort ihrer Pilze achten müssen.

Florshain – Helmling, Hörnling, Parasol, Nebelkappe, Hallimasch, Lorchel - an diesem grauen, wolkenverhangenen Sonntagmorgen im Florshainer Wald, nahe der ehemaligen Bundeswehr-Schießanlage, wird der Unterschied schnell deutlich: Was für Profis alltäglich klingt, ist für Pilz-Neulinge reinstes Fachchinesisch.

Doch schnell springt bei dem Einführungsvortrag der erfahrenen Pilzsachverständigen und Biologin Dr. Verena Wilhelmi aus Frankenau der Pilz-Funke über und knapp 20 Teilnehmende machen sich mit ihren Weidenkörbchen auf den Weg ins Unterholz. Sie wollen das sammeln, was der Unkundige unter dem Oberbegriff Pilze subsumiert. In festen Wanderschuhen und mit wachem Blick streifen sie durch nasses Gras, über knorrige Wurzeln und über von Wildschweinen zerwühlten Waldboden. Wer genau hinsieht, wird reich beschenkt: Der Mikrokosmos Wald präsentiert kleine und große Wunder und nach einer guten Stunde sind die kleinen Körbe gut gefüllt und die Fragen an die Pilzsachverständige reichlich.

Leben an Land ohne Pilze unmöglich

„Pilze sind schön, wissenschaftlich und für die Pfanne“, so Dr. Wilhelmi, „ökologisch gesehen, kann man die Welt nicht ohne Pilze verstehen.“ Sie ernähren sich wie Tiere und wachsen wie Pflanzen: Pilze bilden ein eigenes biologisches Reich unter den Lebewesen, das weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren gehört. Man unterteilt sie in verschiedene Gattungen und Arten. Der größte Teil der Landpflanzen lebt mit Pilzen in einer Symbiose: Sie versorgen etwa die Bäume mit Wasser und Mineralien und erhalten dafür Zucker. Ohne Pilze gäbe es kein Brot und kein Bier. Penicillin wird aus Schimmelpilzen gewonnen. Als Zersetzer gelten sie als die Müllabfuhr der Natur, bauen totes Holz, Laub und Abfälle ab, zersetzen Plastik oder sind an der Herstellung von Baustoffen beteiligt. Gleichzeitig füllen einige von ihnen unsere Teller mit gesunden Pilzgerichten.

Was ist essbar, was giftig?

Aber wie kann ich essbare von giftigen Pilzen unterscheiden? Genau das zu erfahren, war das Ziel dieser sonntäglichen Exkursion. Die Pilzsachverständige empfiehlt die bewährte Methode aus der Kombination Fühlen, Sehen und Riechen. Das Auge liefert die ersten und wichtigsten Daten zur Identifikation: Ein junger Wiesenchampignon hat blassrosa Lamellen, ein älterer braune; niemals aber sind sie reinweiß. Sein Stiel hat eine Manschette. Der Geruch ist angenehm nussig, pilzig oder süßlich nach Anis oder Mandeln: Der giftige Karbol-Champignon ähnelt dem Wiesenchampignon, verströmt aber beim Reiben einen unangenehmen, chemischen Geruch nach Karbol oder Desinfektionsmittel. Schneidet man seine Knolle unten vorsichtig an, wird die Schnittstelle im Nu leuchtend chromgelb. Einer der gesammelten Pilze roch deutlich nach geriebenen Kartoffeln, ein Indiz für Ungenießbarkeit. Der Knoblauchschwindling, dessen Hut sicher auf einem langen, sehr dünnen Stiel gaukelt und intensiv nach Knoblauch duftet, ist getrocknet ein beliebter Würzpilz.

„Wie ist das mit der Qualität der Supermarktpilze?“, erkundigt sich ein Teilnehmer. „Pilzesammeln ist eine sinnliche Erfahrung, die man nicht mit einem Gang durch den Supermarkt ersetzen kann“, entgegnet Dr. Wilhelmi. „Allerdings weisen Zuchtpilze keine Schwermetallbelastungen auf, während Wildpilze oftmals Cadmium durch die Düngemittel, Blei, wenn sie am Straßenrand wachsen, und radioaktives Cäsium durch den Reaktorunfall in Tschernobyl speichern. So solle man stets auch den Standort der Pilze im Auge behalten“, ergänzt die Expertin.

Teil einer gesunden Ernährung

Pilze, erfuhren die fleißigen Sammler, sind die einzige nicht-tierische Quelle, die Vitamin D beinhaltet. Eine kleine Schale Champignons aus dem Supermarkt reicht aus, um den täglichen Bedarf an Vitamin D zu decken. Da Zuchtpilze in Dunkelheit wachsen, sollte man sie vor dem Kochen eine halbe Stunde mit den Lamellen nach oben in die Sonne stellen, um die Vitaminbildung zu aktivieren. Neben Vitaminen enthalten Pilze auch Proteine und Aminosäuren und bilden eine wichtige Eiweißquelle für Vegetarier und Veganer; sie sind reich an Mineralien und Spurenelementen und ihr Chitin-Gehalt fördert die Verdauung. Inzwischen setzt die Longevity-(Langlebigkeits-)Bewegung auf das in Pilzen enthaltene Ergothionein, das als starkes Antioxidans gilt, und bietet es in Kapselform an. Was dabei verloren geht, ist der Zauber des Augenblicks: der Duft von modrigem Holz, der sanfte Morgenregen auf der Haut und das Streifen durch den herbstlich-bunten Wald.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung vom BUND Schwalm-Eder, vertreten durch Guido Hahn. Wer sich bei seinen gesammelten Pilzen unsicher ist, findet bei der DGfM (Gesellschaft für Mykologie) fachkundige Hilfe, dgfm-ev.de.

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