Pit Beirer äußert sich zu Vinales: "Es ist keine schöne Situation"
(Motorsport-Total.com) - Maverick Vinales hat zuletzt medial seine Enttäuschung über das KTM-Management kundgetan. In Assen hielt er fest, dass es "nur einen Schuldigen" gebe, falls er am Ende der Saison 2026 die MotoGP verlassen müsse. Auf dem Sachsenring meinte der Spanier, dass ihm in Mugello ein neuer Vertrag geschickt worden sei, den er unterschrieben habe, obwohl "er nicht zu seinem Vorteil gewesen sei". Und "zwei Wochen später" soll dieser Vertrag "ungültig" gewesen sein. KTM-Motorsportchef Pit Beirer nahm auf dem Sachsenring Stellung zu Vinales' Aussagen. Am Freitag äußerte er sich während des Nachmittagstrainings ausführlich in der englischen TV-Übertragung von MotoGP.com. "Ich meine, es ist kein Geheimnis, dass wir irgendwie gehofft hatten, dass er in Zukunft einer der Werksfahrer sein wird, und so haben wir das im vergangenen Sommer diskutiert und diese Tür und diese Diskussion geöffnet." Denn Vinales, der im Tech3-Team fährt, überzeugte im vergangenen Jahr in der ersten Saisonhälfte und war die Referenz der vier KTM-Fahrer. Das galt nicht nur für die Performance auf der Strecke, sondern auch beim Feedback für die Ingenieure. Doch dann verletzte sich Vinales im regennassen Qualifying auf dem Sachsenring bei einem Sturz. An den Nachwirkungen dieser Verletzung an der linken Schulter leidet er im Endeffekt bis heute, denn es dauert, die Kraft wieder aufzubauen. "Er hat uns gesagt: 'Macht euch keine Sorgen um meine Gesundheit, ich komme zurück'", erinnert sich Beirer. "Das war im vergangenen Jahr in Spielberg, dort hat er sein erstes Comeback gefeiert." "Seitdem warten wir Woche für Woche darauf, dass er wieder in Topform kommt. Dann gab es einen Moment, in dem wir die Chance hatten, Alex [Marquez] und Fabio [Di Giannantonio] zu bekommen." "Und in diesem Moment war Maverick einfach überhaupt nicht in der Nähe davon, uns zu zeigen, dass er wieder zu seiner alten Form zurückkommen wird." Im Frühjahr 2026 musste sich Vinales einer erneuten Schulteroperation unterziehen. Beirer: "Es ist furchtbar viel schiefgelaufen" Als sich im Winter 2025/26 abzeichnete, dass Pedro Acosta für 2027 zu Ducati wechseln wird, soll Vinales als dessen Nachfolger im KTM-Werksteam gegolten haben, sofern er wieder fit werden und zu seiner Topform zurückfinden würde. "Wir würden keinen besseren Fahrer brauchen als Maverick es war, als er genau hier vor einem Jahr diesen blöden Sturz im Regen hatte", sagt Beirer. "Aber von da an ist irgendwie furchtbar viel schiefgelaufen." "Wir haben ihm später gesagt, es wird einen Platz für dich geben, aber wir können dir nicht sagen, wo. Es sieht so aus, als hätte er unterschätzt, dass dies auch das Team sein könnte, in dem er heute ist, wo er im Vorjahr großartige Leistungen gezeigt hat." Vinales ging also offenbar davon aus, dass er im Werksteam gesetzt sei. "Ich wusste nicht, dass das für ihn so wichtig ist", sagt Beirer. "Ich meine, wir arbeiten daran, dass beide Teams auf ein erstklassiges Niveau kommen." "Besonders jetzt mit Günther [Steiner]. Günther pusht so stark, gemeinsam können wir ein fantastisches Team für die Zukunft schaffen. Und ich meine, der Fahrermarkt wird nicht besser, wenn man wartet." Beirer: Vinales sagt Nein zu Tech3-Platz Bei Tech3 sind noch beide Plätze für das kommende Jahr offen. Einer der beiden Fahrer soll ein Rookie aus der Moto2 werden und wahrscheinlich einer der beiden IntactGP-Fahrer Senna Agius oder Manuel Gonzalez. Der zweite Fahrer soll MotoGP-Erfahrung haben. Vinales war einer der Kandidaten, aber er musste zu seiner körperlichen Form zurückfinden. "Ich musste etwas gezeigt bekommen", hält Beirer fest. "Ich kann auch nicht einfach einen Fahrer nehmen und zu Günther sagen: 'Das ist jetzt dein Fahrer.' Ich meine, wir planen gemeinsam. Wir haben klar entschieden, einer der beiden wird ein junger Fahrer sein, der aus der Moto2 kommt." "Und wir wollen einen erfahrenen Fahrer daneben haben, also tut mir die Situation wirklich leid, weil wir Maverick so sehr mögen, er ist so ein guter Junge. Ich weiß nicht, warum er so klar Nein zu einer Sache sagt und uns so eine harte Abfuhr gibt." "Also müssen wir das klären. Es ist keine schöne Situation, aber es ist definitiv nicht so, dass wir ihm gesagt haben: 'Bitte geh.' Wir haben eine Verhandlung begonnen, und wir haben immer noch einen Platz, den wir als Werksplatz bezeichnen." "Weil wir beide Teams als Werk sehen, also als vier Werksplätze, also ja, das ist das, was ich sagen kann", so Beirer. "Ich möchte jetzt keine Vertragsdetails erzählen und was passiert ist und wann und wo, aber es ist keine lustige Situation." "Wir haben ein sehr normales Vertragsgespräch begonnen. Wir haben schon über Zahlen und solche Dinge gesprochen, wie die Zukunft aussehen könnte, aber dann ist an einem Punkt etwas schiefgelaufen, als er herausgefunden hat, dass es nicht um den Werksplatz geht." Vinales: "Ich sage die Wahrheit" Nach dem Training sprach auch Vinales noch einmal über die Dinge aus seiner Sicht: "Ja, was ich gesagt habe, ist im Grunde die Wahrheit der Situation und was passiert ist. Also das ist die Wahrheit." "Und ich möchte die Wahrheit nicht verstecken, denn genauso wie es bei Yamaha passiert ist, fangen viele Leute an zu sagen, dass ich mentale Probleme habe. Nein, ich habe gar nichts." "Das Problem sind die Teams, die mich bis ans absolute Limit pushen. Mit den Dingen, mit der Entscheidung. Sie wissen sehr genau: Wenn ich das Gefühl habe, dass das Team das Maximum für mich gibt, ich tausend Prozent für das Team gebe." "Aber sobald man mich zur Seite stellt, ist das für mich vorbei. Ich muss das Gefühl haben, dass ich für das Projekt und für das Team von Wert bin. Deshalb habe ich immer gesagt, dass ich mit den Ingenieuren wirklich glücklich bin, weil sie mir den Wert geben, den ich brauche." "Versteht ihr, was ich meine? Das ist es, was ich gesagt habe, dass ich einen Vertrag unterschrieben habe, der wirklich schlecht für mein Selbstvertrauen war, sogar für die Zukunft, versteht ihr?" "Aber ich vertraue den Ingenieuren. Ich vertraue dem Projekt. Ich weiß nicht, ob es noch eine offene Tür gibt oder nicht. Das werden wir sehen. Aber aus meiner Sicht ist es schwer, etwas zu sagen." "Ich meine, nach allem, was passiert ist, ist es schwer, ein Licht zu finden, versteht ihr, um damit weiterzumachen", so Vinales. "Aber was ich wirklich gerne tun würde, ist all das zu vergessen, zu versuchen, positiv zu sein, und nach dem Sommer stark zurückzukommen." "Also für die Zukunft habe ich keine Ahnung. Ich habe wirklich keine Ahnung. Im Moment verstehe ich, dass ich für nächstes Jahr zu Hause bin. Aber auf jeden Fall werde ich für den zweiten Teil der Saison mein Maximum geben." Auch Beirer hofft, dass sich Vinales in der Sommerpause erholt, um in der langen restlichen Saison mit vielen Überseerennen noch einmal richtig angreifen zu können: "Lasst uns die Sommerpause nutzen, um uns zu beruhigen, und vielleicht danach auf positive Weise neu starten."