PlayStation: Erster Tweet nach dem Disc-Aus facht Shitstorm erneut an
Am 1. Juli bestätigte Sony, dass ab 2028 keine physischen Discs mehr für neue PlayStation-Spiele produziert werden sollen. Der Ankündigungs-Tweet wurde inzwischen rund 165 Millionen Mal aufgerufen. Danach herrschte auf dem offiziellen PlayStation-Account Funkstille, zumindest bis zum heutigen 7. Juli. Am Nachmittag meldete sich Sony erstmals wieder zu Wort. Viele Fans hatten auf eine Reaktion zum Disc-Aus gehofft, vielleicht sogar auf einen Rückzieher. Stattdessen bewarb PlayStation den neuen kabellosen Arcade-Fightstick namens FlexStrike samt Video und einem Verweis auf weitere Informationen. Von der Kontroverse kein Wort. Die Kommentarspalte kippt sofort Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Innerhalb einer knappen Stunde sammelte das Fightstick-Video über 12.000 negative Kommentare. Inzwischen sind es über 20.000. Die Zahl der Aufrufe liegt bereits bei 2,4 Millionen. Zuspruch bekam unter anderen der auf Spiele-Erhaltung spezialisierte Account „Does it Play“. Dort hieß es: „Kabelloser Fightstick? Eher ein rückgratloser Konzern. Mir tun alle leid, die an dem Projekt beteiligt waren. Sie sind das Opferlamm für den nächsten Tsunami an Kritik gegen dich, Sony. Uns geht es nur darum, dass ihr die Entscheidung zurücknehmt, allen das Eigentum an ihren Spielen zu nehmen.“ Ist es eine selbstlose Reaktion? Mit dem Disc-Aus wird das Angebot der Webseite in Teilen überflüssig. Ein weiterer Kommentar warf Sony vor, das Thema bewusst aussitzen zu wollen. Der Konzern verhalte sich, als sei nichts geschehen, und hoffe darauf, dass die Spieler die Sache schnell vergessen. Genau das dürfe man nicht zulassen. Andere missbrauchen den Shitstorm für Eigenwerbung. Dominos Pizza UK etwa befeuerte die Kontroverse mit dem Tweet: „Hat jemand eine digitale Pizza bestellt?“ Unbegründet sind die Sorgen der Spieler keinesfalls, wie Sven am Wochenende zusammenfasste: Warum Sony wohl nicht einlenkt Ein Kurswechsel gilt als unwahrscheinlich. Der Aktienkurs von Sony legte nach der Ankündigung zu, was auf Zustimmung an den Märkten hindeutet. Der Grund liegt auf der Hand: Digitale Verkäufe bringen deutlich höhere Margen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wo die vielen Disc-Fans waren, als deren Anteil an den Verkäufen von Spielen immer weiter schrumpfte. Auch der Analyst Robin Zhu von Bernstein sieht die Verantwortung bei den Käufern selbst. Gegenüber der Financial Times erklärte er: „Wenn Gamer und Sammler mehr physische Spiele gekauft hätten, hätte Sony nicht die digitalen Verkaufsverhältnisse gesehen, die diese Entscheidung rechtfertigen.“ Und weiter: „Der Verkauf digitaler Spiele erzielt im Wesentlichen eine zusätzliche Gewinnspanne von 100 Prozent. Die Kosten für die physische Verpackung, den Versand und die Händlermargen können mehr als 20 Prozent des Verkaufspreises ausmachen.“ Dass Teile der Gamingbranche erhebliche Probleme haben und auf Umsätze angewiesen sind, zeigt nicht zuletzt das Xbox-Desaster, auch wenn hier vieles hausgemacht ist. Doch selbst Sony hatte in den vergangenen Jahren mit niedrigen Margen zu kämpfen: Ist der PC die Lösung? Mit dem Aus für Discs wäre die PS6 die erste rein digitale Konsole des Herstellers. Teile der Fangemeinde erwägen, den Wechsel auf die neue Hardware zu überspringen und stattdessen auf den PC zu setzen. Nur spielen Discs dort schon seit vielen Jahren keine Rolle mehr. Allerdings gibt es dort mehr Auswahl und DRM-freie Fassungen vieler Titel. Dass Microsoft bei Xbox Helix auf ein Disc-Laufwerk setzt, darf stark bezweifelt werden. Schon in der laufenden Generation überwiegt der Anteil der Disc-losen Xbox-Konsolen. Die Redmonder werden sich aber schwer hüten, vorerst mit einer Ankündigung um die Ecke zu kommen, sollte sich die Annahme bestätigen. Zurück zu Sony: Eine Petition von PNP-Games-CEO Jade Pearce kam bereits auf über 160.000 Unterschriften. Das ist unter Berücksichtigung der fast 100 Millionen ausgelieferten PS5-Konsolen nichts, was Sony zum Einlenken bringen wird. Zumal die Japaner längst damit begonnen haben, die Produktion anzupassen.