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PlayStation unter Druck: Klagen in gleich 5 Ländern wegen PS-Store-Monopol und Disc-Aus

Technologie

Am 1. Juli verkündete Sony ganz offiziell: Ab Januar 2028 werden neue PlayStation-Spiele nicht mehr auf Disc gepresst. Doch was der Konsolenhersteller mit steigenden Digitalquoten im Kaufverhalten begründet, löste in Teilen der Community einen ziemlichen Shitstorm aus. Der Unmut der Fans ist aktuell jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Auch juristisch wird es immer enger für Sony, und ausgerechnet das verkündete Disc-Aus könnte das Fass jetzt endgültig zum Überlaufen bringen. Denn schon seit 2019, als Sony den Verkauf von Download-Codes für digitale Spiele im Einzelhandel gestoppt hat, ist der PlayStation-Hersteller in den weltweiten Gerichtssälen fast schon zum Dauergast geworden. Der Kern des Anstoßes: die „Sony-Steuer“ Wie Kotaku jetzt noch einmal in einem aktuellen Bericht zusammenfasst, zerrt bzw. zerrte man Sony in gleich fünf Ländern vor Gericht: in den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Portugal und Mexiko, die sich allesamt gegen die Geschäftspraktiken rund um den PS Store richten. Der gemeinsame Nenner fast aller Klagen: Sonys geschlossenes System. Denn seitdem der Verkauf von Download-Codes gestoppt wurde, gibt es für digitale PS4- und PS5-Spiele nur noch eine einzige Bezugsquelle: den hauseigenen PS Store. Und da Sony für jeden Verkauf im PS Store eine Provision von 30 Prozent – von Kritikern oft als „Sony-Steuer“ bezeichnet – einstreicht und es keine Konkurrenz durch digitale Drittanbieter gibt, wird man dem PlayStation-Hersteller nun für Bildung eines Monopols vor. „Physische Spiele fungierten historisch gesehen als indirektes wettbewerbliches Korrektiv für Verbraucher mit einer PlayStation. Verbraucher konnten eine Disc bei Händlern kaufen, auf Rabatte warten, gebrauchte Spiele erwerben oder leihen. Diese Alternativen begrenzen die Abhängigkeit vom Store“, erklärte René Otto, Rechtsexperte und Gründer von Deviant Legal. Doch mit dem Disc-Aus ab Januar 2028 wird auch dieses „Korrektiv“ wegfallen. Die Verfahren im Überblick USA: Der Wegbereiter (Caccuri v. Sony Interactive Entertainment) In den Vereinigten Staaten drehte sich die Pionier-Sammelklage vor allem um den Stopp der digitalen Spiele-Codes. Die Anwälte belegten anhand von Preisdaten, dass digitale Titel im PS Store im Schnitt 74 Prozent teurer waren als physische Discs bei Händlern wie Amazon oder Best Buy. Der jahrelange Rechtsstreit mündete in einem Vergleich über 7,85 Millionen US-Dollar, womit Sony betroffene US-Kunden entschädigt. Großbritannien: Die 7,9-Milliarden-Dollar-Klage (PlayStation You Owe Us) Die britische Verbraucherschützerin Alex Neill und die Kanzlei Milberg London haben beim Competition Appeal Tribunal eine gigantische Sammelklage eingereicht. Sie werfen Sony vor, die eigene Vormachtstellung auszunutzen und Spielern durch die 30-Prozent-Provision unnötig hohe Preise aufzuzwingen. Das Verfahren ist weit fortgeschritten, während eine Entscheidung noch für dieses Jahr erwartet wird. Niederlande: Das Disc-Aus im Visier (Fair PlayStation) In den Niederlanden fordert die Stiftung Stichting Massaschade & Consument eine Entschädigung von rund 500 Millionen Euro für gebeutelte Gamer. Die Verbraucherschützer nehmen hierbei das drohende Ende der Discs besonders ins Visier: Ohne physische Datenträger sterbe der Gebrauchtmarkt endgültig aus, was Sony die absolute Preiskontrolle überlasse. Der Fall geht voraussichtlich 2027 in die entscheidende Phase. Portugal: Europäischer Vorstoß (Ius Omnibus v. Sony) Auch die portugiesische Verbraucherschutzorganisation Ius Omnibus zog vor das nationale Wettbewerbsgericht. Die Argumentation folgt dabei dem europäischen Muster: Sony missbrauche seine Plattform-Monopolstellung auf der PS4 und PS5, indem Entwicklern wie auch Spielern jegliche Alternativen zum PS Store verwehrt werden. Das Verfahren läuft nach wie vor auf Hochtouren. Mexiko: Politischer Rückenwind gegen das Gebrauchtmarkt-Ende Kurz nach Sonys Ankündigung zum Disc-Stopp reichten die mexikanische Abgeordnete Iraís Reyes und Senator Luis Donaldo Colosio Beschwerde bei der nationalen Kartellkommission ein. Es ist die einzige Klage mit direktem Rückenwind aus der Politik, die das Disc-Aus als Kernargument nutzt. Die Politiker warnen davor, dass Sony ohne Discs gleichzeitig Schiedsrichter und Spieler im eigenen Ökosystem wird, was faire Preise und den Gebrauchtmarkt komplett vernichte. Wie argumentiert Sony? Sony weist die Vorwürfe in den bisherigen Verfahren unterdessen zurück und beruft sich auf die freie Marktwirtschaft. So stützt sich die Verteidigung des PlayStation-Herstellers im Kern auf zwei Argumente: 1. Marktdefinition: Sony argumentiert, dass der „relevante Markt“ nicht das eigene PlayStation-Ökosystem ist, sondern der globale Videospielmarkt insgesamt. Dort stehe man in hartem Wettbewerb mit Microsoft, Nintendo, Valve (Steam) und dem Mobile-Markt. 2. Recht auf Ausgestaltung: Als Plattforminhaber habe man das Recht, die Vertriebswege für die eigene Hardware selbst festzulegen, ohne dass darin automatisch ein Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung liege. Ob Sonys Verteidigung auf Dauer Stand halten wird, bezweifeln Juristen jedoch zunehmend. Denn spätestens ab Januar 2028, wenn die physische Ausweichmöglichkeit in Form der Disc für Spieler komplett wegfällt, könnte die Luft für das Unternehmen dünn werden. Wegweisend für den gesamten Markt könnte jedoch bereits das Urteil der britischen Wettbewerbsbehörde sein, das noch im Laufe dieses Jahres erwartet wird.

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