Pogacar schreibt Tour-Geschichte - Van der Poel siegt dramatisch in Paris
Das Finale in Paris war an Dramatik kaum zu überbieten. Elf Kilometer vor dem Ziel ging es zum dritten und letzten Mal über den Pariser Hausberg Montmartre. Auf den letzten 500 Metern des Anstiegs drückte Mathieu van der Poel so aufs Tempo, dass nur Tadej Pogacar folgen konnte. Dabei schien es so, als sei selbst der Tour-Dominator am Limit. Mit einem ganz knappen Vorsprung gingen beide in die kurze Abfahrt. Das Duo verteidigte zunächst verbissen bis zu zwölf Sekunden Vorsprung. In der Verfolger-Gruppe waren einige der absoluten Top-Sprinter. Bis zur Ziellinie waren es da noch knapp zehn Kilometer, es sollte ein Sekunden-Krimi werden. Am roten "Teufelslappen", der Markierung für den letzten Kilometer, waren es nur noch fünf Sekunden Vorsprung. Rund 500 Meter danach zogen die Verfolger an Pogacar vorbei, aber van der Poel zündete noch eine richtige Rakete. Der Niederländer fuhr den wohl längsten Sprint seines Lebens. Der 31-Jährige rettete schließlich wenige Zentimeter Vorsprung ins Ziel und feierte seinen zweiten Etappensieg bei dieser Tour. Sein Teamkollege Jasper Philipsen wurde Zweiter, Mads Pedersen Dritter. Der Deutsche Sprinter Max Kanter überquerte die Ziellinie als Vierter. Philipsen jubelt für entkräfteten Teamkollegen Schön anzusehen war, dass Philipsen als Erster seinen Arm jubelnd hoch streckte, viele glaubten daher zunächst an einen Sieg des Belgiers. Dabei freute er sich für seinen Teamkollegen, was sein Blick zu van der Poel verriet. Der Etappensieger ließ sich indes völlig ausgepumpt auf den Boden fallen. Als er wieder Luft zum Sprechen hatte, sagte er im Sieger-Interview: "Wie es gelaufen ist, ist ein Traum. Auf den letzten 500 Metern habe ich einfach den Kopf runter gemacht und am Ende sehe ich das Rad von Jasper neben mir." Pogacar rollte schließlich als 30. über die Ziellinie, Evenepoel zwei Plätze dahinter. Viele Fahrer trudelten erst etwas später gemächlich im Ziel ein. Denn die Zeitnahme für die Gesamtwertung erfolgte bereits 40,8 Kilometer vor dem Ziel - unmittelbar vor der ersten Passage über den Montmartre. Danach ging es nur noch um den Etappensieg. Offenbar wollten die Organisatoren in den engen Gassen am Montmartre Positionskämpfe in einem engen Feld vermeiden - zumal es auch ein ganz bisschen getröpfelt hatte in Paris. Ungewöhnlich war der Start der Etappe, die wegen der Walbrände in Südfrankreich und daher fehlender Sicherheitskräfte auf 88,7 Kilometer verkürzt worden war. Gestartet wurde gleich auf den Champs-Élysées in Paris. Anders als im Vorjahr waren es diesmal nach der letzten Montmartre-Passage zehn Kilometer bis zur Ziellinie. Die Chance für die Sprinter war daher höher, Ausreißer wieder zu stellen. Aber es sollte wieder nicht klappen. Pogacar jüngster Fünffach-Sieger Für Pogacar war die 113. Ausgabe eine Fabel-Tour. Sein Vorsprung im Gesamtklassement von mehr als sechs Minuten zeigte einmal mehr, wie sehr er seinen Kontrahenten überlegen ist. Der Slowene gewann zudem fünf Etappen und zeigte bei der Bergankunft in Alpe d’Huez eine der stärksten Leistungen in der Geschichte des Radsports. Pogacar flog die legendären 21 Kehren hinauf und knackte dabei sogar den 31 Jahre alten Rekord von Marco Pantani aus der Hochzeit des Epo-Dopings. Mit seinem fünften Gesamtsieg ist der 27-Jährige nun in den Kreis der Rekord-Sieger aufgestiegen. So jung war dabei noch kein Fahrer gewesen. Carapaz gewinnt Bergtrikot, Pedersen holt Grünes Trikot Zwei der prägenden Fahrer dieser Tour waren außerdem Richard Carapaz und Mads Pedersen. Der Ecuadorianer Carapaz trumpfte mit seiner offensiven Fahrweise in der letzten Tour-Woche auf, gewann zwei Etappen und sicherte sich vorzeitig das Bergtrikot. Zudem wurde der 33-Jährige vom Team EF Education-EasyPost als kämpferischster Fahrer der gesamten Tour ausgezeichnet. Pedersen vom deutschen Team Lidl-Trek gewann als erster Däne das Grüne Trikot. Schon vor der letzten Etappe führte er uneinholbar in der Punktewertung. Wie Carapaz musste er nur noch in Paris ankommen und durfte sich da auch noch ein zweites Mal aufs Podium stellen, dieses Mal mit seinem Team als beste Mannschaft der Tour de France 2026.