Polarwirbel lässt Ozonloch über Antarktis wieder wachsen - das sind die Folgen
Sydney. Über der Antarktis ist im September nach Angaben von Wissenschaftlern eines der größten Ozonlöcher entstanden, die in diesem Monat jemals beobachtet wurden. Laut Forschenden der University of Otago und von Earth Sciences New Zealand erreichte es eine Fläche von 27,4 Millionen Quadratkilometern.
Übertroffen worden war dieser Wert auf Basis zentraler Satellitendaten bisher nur im Jahr 2000, als das Loch kurzzeitig mehr als 28 Millionen Quadratkilometer maß, oder 2015, als es sich bis auf 27,9 Millionen Quadratkilometer ausdehnte.
„Wir hatten ein schweres Ozonloch bereits im Mai dieses Jahres prognostiziert, als wir Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation beobachteten“, schreiben Hannah Kessenich, Annika Seppälä und Dan Smale in einer Analyse für das Wissenschaftsportal „The Conversation“. Satelliten hatten damals eine veränderte Zusammensetzung der Atmosphäre gezeigt – ein erstes Anzeichen dafür, dass sich der Polarwirbel entsprechend formierte.
Dieser Wirbel ist ein Windmuster, das sich in jedem Winter um die Antarktis und den Südlichen Ozean bildet. In seinem Inneren wird es extrem kalt, dort entstehen polare stratosphärische Wolken. An deren Partikeln aktivieren chemische Reaktionen ozonabbauende Gase.
Montreal-Protokoll „funktioniert nach wie vor“
Je kälter und stabiler der Wirbel, desto länger hält sich das Loch. „Ein sehr starker Polarwirbel und niedrige Temperaturen über dem Pol treiben das frühe und massive Wachstum des Ozonlochs voran“, erklären die Autoren. Schon im August wuchs die Fläche demnach früher als im Durchschnitt, ab Anfang September dann rasant.
Die Tiefe früherer Großereignisse erreicht das Loch 2026 allerdings nicht, insgesamt fehlt also weniger Ozon. Eine verlängerte Saison erwarten die Forschenden trotzdem: Ändern sich die Bedingungen über dem Südpol nicht, dürfte ein großes Loch im Oktober und November bestehen bleiben. 2026 werde dann wohl zu den Jahren mit den zehn größten Ozonlöchern überhaupt zählen.
Einen Rückschlag für den Schutz der Ozonschicht sehen die Neuseeländer darin insgesamt nicht. „Seien Sie versichert: Das Montreal-Protokoll funktioniert nach wie vor“, betonen sie. Die Konzentrationen ozonabbauender Substanzen in der Stratosphäre sind seit ihrem Höchststand um das Jahr 2000 inzwischen um etwa ein Drittel gesunken.
Das globale Abkommen von 1987 regelte die schrittweise Reduktion und schließlich den Verzicht auf Stoffe wie FCKW, die früher etwa in Kühltechnik oder Feuerlöschschäumen steckten. Daraus entstehende chlor- und bromhaltige Verbindungen sorgen dafür, dass Sauerstoff in der Form von Ozon in normalen Luftsauerstoff gespalten wird. Ozon nimmt einen großen Teil der energiereichen, schädlichen UV-Strahlung der Sonne auf.
Meteorologie und Sondereinflüsse
Dass das Abkommen sich gelohnt habe, zeige das vergangene Jahr, schrieb die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) jüngst in ihrem Ozonbulletin für den September. Denn das Ozonloch aus dem Jahr 2025 gehörte zu den kleinsten, seitdem man 1992 einen starken Abbau beobachtet hatte.
Zum zweiten Mal in Folge blieben Tiefe und Ausdehnung deutlich unter dem Mittel der Jahre 1990 bis 2010. „Dies ist eine Umwelterfolgsgeschichte“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo. „Seit 2000 erholt sich die Ozonschicht, und wir können innerhalb weniger Jahrzehnte mit einer vollständigen Erholung rechnen.“
Beide Berichte führen die jährlichen Schwankungen auf meteorologische Faktoren zurück. Das Otago-Team nennt zudem Sondereinflüsse: Von 2020 bis 2023 gab es mehrere große, langlebige Löcher, verschärft durch den Rauch der australischen Buschbrände 2019/20, den Ausbruch des Vulkans La Soufrière 2021 in der Karibik und den des Unterwasservulkans Hunga Tonga-Hunga Haʻapai in Tonga 2022.
Manche Modelle sagen eine vollständige Erholung der Ozonschicht vor dem Jahr 2090 voraus. Dieser Zeitplan übersieht aber auch mögliche kritische Aspekte, wie die Autoren warnen. Denn veränderte globale Luftströmungen könnten langlebige Löcher wahrscheinlicher machen.
Wetter im Süden, UV-Strahlung im Norden
Das Ozonloch wirkt sich auch auf die Wetterlage der Südhalbkugel aus. Nach einem schweren Loch rutscht das Klimamuster „Southern Annular Mode“ in seine sogenannte positive Phase. Vor allem die Westküste Neuseelands erlebt dann ruhigere Winde sowie wärmeres, feuchteres Wetter. In Australien verzeichnet man dagegen mehr Niederschlag an der Südostküste.
In Europa bereitet der WMO vor allem die zunehmende UV-Strahlung Sorge. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sie in einigen Regionen um bis zu 20 Prozent zugenommen. Bodenmessungen zeigen allerdings, dass dafür nicht unbedingt eine dünner gewordene Ozonschicht verantwortlich sein muss.
Eine wichtige Rolle spielen oft auch zurückgehende Bewölkung und mehr Sonnenstunden. Für den Menschen macht das jedoch keinen Unterschied: Je höher die UV-Intensität an der Erdoberfläche, desto größer ist das Hautkrebsrisiko. „Angesichts dieses Trends sind gezielte und wirksame Maßnahmen zum UV-Schutz von größter Bedeutung“, heißt es in dem Bulletin.