Pole gekostet: Max Verstappen greift in Mercedes-Taktik ein
(Motorsport-Total.com) - Hat Max Verstappen dafür gesorgt, dass Pierre Gasly beim Formel-1-Rennen in Monza die Poleposition einfahren konnte - beziehungsweise eher dafür, dass Mercedes-Pilot George Russell sie nicht einfahren konnte? So lautet der "Vorwurf" von Mercedes in Richtung des viermaligen Formel-1-Weltmeisters, wobei "Vorwurf" dafür das falsche Wort ist.
Denn aus Sicht von Mercedes ist es eher eine Feststellung, dass Verstappen für die Silberpfeile zur falschen Zeit am falschen Ort war und sich in die geplanten Windschattenspiele des Teams einmischte.
Denn den geplanten Windschatten konnte Kimi Antonelli Teamkollege George Russell nicht wie gewünscht geben, weil er während der Aufwärmrunde vor der Parabolica-Kurve auf den Niederländer auflief und abbremsen musste.
Dadurch musste hinter ihm auch Russell abbremsen und verlor Schwung auf dem Weg in Richtung Start-Ziel-Gerade. "Max hat das natürlich ganz clever gemacht", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei Sky. "Er hat alle vor der letzten Kurve auflaufen lassen."
"Damit war der Kimi zu knapp dran für einen guten Windschatten für den George und der George dann die ganze Runde innerhalb von zwei Sekunden am Max", schildert er. Vor allem in der letzten Kurve habe Russell Boden verloren, "weil er einfach dem Max im Getriebe gehangen ist".
Verstappen wollte Antonelli vorbeilassen
Verstappen hatte die Aufwärmrunde vor den beiden Mercedes begonnen und hätte auf seiner schnellen Runde niemand gehabt, der ihn zieht. Damit wäre er im Nachteil gewesen. "Vor der Parabolica ist Max dann voll auf die Bremse gestiegen, weil er nicht das führende Auto sein wollte", erklärt Russell.
Gleichzeitig wollte Antonelli aber auch nicht am Red Bull vorbeifahren. "Mir wurde sehr strikt gesagt, dass ich nicht überholen darf", meint der WM-Spitzenreiter, der nicht so recht wusste, was er in dem Moment tun soll. "Das war natürlich etwas knifflig, weil ich irgendwie mittendrin steckte", sagt er.
Im Zweifel hätte sich Verstappen hinter Antonelli gesetzt und die Mercedes-Parade gesprengt. "Aber dann bin ich dahinter geblieben und habe versucht, George den bestmöglichen Windschatten zu geben", erzählt Antonelli.
Verstappen gibt zu, dass er sich in dem Moment hinter Antonelli einordnen wollte, doch auch danach habe er versucht zu beschleunigen, während der Motor einige Aussetzer hatte. "Es war so viel los, es ist super kompliziert", meint der Niederländer.
Russell: Man kann nicht kontrollieren, was andere machen
Dass Verstappen Mercedes' Taktik torpediert hat, nimmt man ihm aber nicht übel: "So etwas passiert", meint Russell. "Man kann nicht kontrollieren, was die anderen machen. Kimi war da, um mir Windschatten zu geben, was er beim ersten Versuch auch perfekt gemacht hat. Aber mit Max da drin war es für Kimi natürlich auch schwer zu wissen, was er tun sollte."
"Es war also einfach ein bisschen unglücklich", so der Engländer, der im ersten Sektor zwei Zehntel zu seiner ersten Q3-Runde einbüßte und sich Gasly am Ende um sechs Hundertstelsekunden geschlagen geben musste.
"Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, das gar nicht erst zu versuchen, aber wir wollten eben alles auf eine Karte setzen. Und trotzdem ist Platz zwei eine gute Ausgangslage. Wir liegen vor unseren Hauptkonkurrenten und haben immer noch beste Chancen, um den Sieg mitzukämpfen."