Polen erlaubt Abschüsse russischer Drohnen ohne Sichtkontakt
Bedrohung aus Russland
Erstes Nato-Land erlaubt Abschüsse ohne Sichtkontakt
Von t-online
Aktualisiert am 30.09.2026 - 04:05 UhrLesedauer: 1 Min.
Polen erlaubt seinen Kampfjets künftig den Abschuss verdächtiger Flugobjekte auch ohne Sichtkontakt. Die Maßnahme ist eine direkte Reaktion auf die russische Bedrohung.
Polen hat am Montag entschieden, die Einsatzregeln für seine Luftwaffe deutlich zu verschärfen: Kampfjets dürfen künftig verdächtige Flugobjekte auch ohne Sichtkontakt abschießen, wenn mehrere Daten auf eine feindliche Absicht hindeuten. Die neue Regelung tritt in den kommenden Tagen in Kraft und ist eine Antwort auf die zunehmenden russischen Provokationen an der Grenze, wie der stellvertretende Verteidigungsminister Cezary Tomczyk bekanntgab.
Bisher mussten Piloten das Ziel visuell identifizieren, bevor sie das Feuer eröffneten. Jetzt reicht eine sogenannte "positive Identifizierung": Radardaten, Einflugrichtung, Geschwindigkeit und die Reaktion auf Freund-Feind-Kennungssignale können gemeinsam ausreichen, um einen Abschuss zu genehmigen. Sichtkontakt ist nicht mehr zwingend nötig.
Bedrohung aus Kaliningrad
Die polnische Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad ist bereits mit Panzersperren gesichert. Im Luftraum werden die Regeln nun ebenfalls verschärft – eine Reaktion auf die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg und die zunehmende Zahl schneller Drohnen und Marschflugkörper, die kaum Zeit für eine Reaktion lassen.
Die neuen Befugnisse gelten als Novum innerhalb der Nato und waren bisher nur im Kriegszustand oder unter Kriegsrecht üblich. Tomczyk betonte, dass die Regeln so gestaltet sind, dass Fehler vermieden werden – etwa die Verwechslung eines zivilen mit einem militärischen Flugzeug. Dennoch warnen Beobachter vor möglichen Risiken, denn ungewöhnliche Flugbahnen oder fehlende Transponder-Antworten allein reichen nicht aus, um ein Luftfahrzeug als feindlich einzustufen.