Polen hat Hunderte moderne Panzer gekauft. Das Problem ist, dass sie wehrlos sind
Polen baut seine Panzertruppe mit hohem Tempo aus. Bei einem Teil der bereits bestellten Fahrzeuge fehlt jedoch ein Schutzsystem, das auf modernen Gefechtsfeldern als unverzichtbar gilt. Darüber berichtet das polnische Nachrichtenportal „WNP“.
Ein Teil der bestellten Fahrzeuge verfügt nicht über aktive Schutzsysteme (Active Protection System, kurz APS). Diese Technik soll anfliegende Panzerabwehrraketen oder andere Geschosse erkennen und noch vor dem Einschlag abfangen.
Experte: Ohne aktiven Schutz überleben Panzer keine Stunde
Aus Sicht von Militärs sind APS längst keine Zusatzoption mehr. „Wenn ein Panzer kein aktives Schutzsystem hat, überlebt er auf dem modernen Gefechtsfeld nicht einmal eine Stunde. Die Ukraine hat das deutlich gezeigt“, sagte Stas Aideman, israelischer Oberst und Manager beim Rüstungskonzern Rafael.
Ähnlich äußerte sich der frühere Chef des polnischen Nationalen Sicherheitsbüros, Stanisław Koziej, im Gespräch mit „WNP“. Der Krieg in der Ukraine habe das Ende der Ära reiner Passivpanzerung vor Augen geführt. Ein Panzer ohne aktive Schutztechnik sei heute „so gefährdet wie ein Infanterist ohne kugelsichere Weste“.
Auf dem Gefechtsfeld seien Drohnen und moderne Panzerabwehrwaffen so stark verbreitet, dass klassische Panzerung mit dieser Entwicklung nicht mehr Schritt halte. Polen müsse deshalb seine modernen Abrams, Leopard, K2 und auch die Schützenpanzer Borsuk mit APS ausrüsten, „sonst werden die Verluste nicht akzeptabel sein“, so Koziej.
ANZEIGE
ANZEIGE
Polen bestellt Abrams und K2 in großer Zahl
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums nutzt Polen bereits 233 Abrams. Bis Jahresende soll die Zahl auf 366 steigen. Polens Armee hat 116 Abrams-Panzer der älteren Version M1A1FEP, die bereits vollständig geliefert wurden. Geplant sind außerdem 250 Fahrzeuge der neuesten Version M1A2 SEPv3, von denen bislang 117 in Polen eingetroffen sind.
An der Produktion für die Flotte ist inzwischen auch die polnische Industrie beteiligt. Acht polnische Firmen fertigen inzwischen 52 Komponenten für die Abrams-Panzer. Beide Zahlen sollen Schritt für Schritt steigen.
Neben den US-Panzern setzt Warschau auf die südkoreanischen K2. Polen verfügt derzeit über 208 Fahrzeuge der Version K2GF. Vorgesehen sind insgesamt 296 dieser Ausführung sowie 64 Panzer der angepassten Variante K2PL. Von diesen 64 sollen 61 in Polen gebaut werden, die ersten drei in Südkorea.
Trophy-System soll die K2PL-Panzer absichern
Für einen Teil der Flotte gibt es bereits eine Lösung. Die polnische Variante K2PL soll mit dem System Trophy APS des israelischen Unternehmens Rafael ausgerüstet werden. Die Vereinbarung gaben beide Seiten während der Rüstungsmesse MSPO in Kielce bekannt.
Ein Vertreter von Rafael sagte dem Portal „Defence24“: „Wir sind stolz darauf, dass die polnischen Streitkräfte Trophy APS zur Ausrüstung der K2PL-Panzer gewählt haben. Die ersten 64 Fahrzeuge der PL-Version werden mit unserem System ausgestattet. Wir sind sehr stolz darauf und den polnischen Streitkräften für ihr Vertrauen dankbar. Das ist ein System, das Leben rettet.“
Mindestens 1000 Panzer für Polens Armee
Laut „WNP“ hatte Polen schon vor einigen Jahren die Möglichkeit, an einer Zusammenarbeit rund um Trophy einzusteigen. Wäre es dazu gekommen, hätte das Land heute womöglich eigene Fähigkeiten bei der Entwicklung und Fertigung von Schutzsystemen für Kampfpanzer.
Schon heute verfügt Polen über eine der größten Flotten moderner Kampfpanzer in Europa. Langfristig plant Polen, seine Panzertruppe auf mindestens 1000 Kampfpanzer auszubauen. Damit würde das Land zu einer der stärksten Panzertruppen im Nato-Bündnis aufsteigen.