Politiker Ferat Koçak gibt Sitz im Innenausschuss ab
Angesichts der Diskussionen um seine Kontakte zum Remmo-Clan zieht sich der Berliner Linke-Politiker Ferat Koçak aus dem Innenausschuss des Bundestags zurück. Das teilte er am Mittwochnachmittag bei X mit.
„Ich habe einen Fehler gemacht“, schrieb Koçak. „Im Umgang mit meinem Kontakt zur Familie Remmo bin ich meinem Selbstverständnis nicht gerecht geworden.“ Er sei „naiv“ und „überfordert“ gewesen. „Dafür übernehme ich Verantwortung.“ Allerdings habe er den Remmos „weder Vorteile gewährt noch von ihnen Vorteile erhalten“.
Koçak gestand ein, dass er seinem „Anspruch an einen Abgeordneten im Innenausschuss nicht gerecht“ geworden sei. „Mir ist wichtig, dass die Linke ihre Arbeit im Innenausschuss des Deutschen Bundestages unbelastet von der Debatte um meine Person fortsetzen kann“, schrieb Koçak weiter. „Deshalb gebe ich meinen Sitz im Innenausschuss ab.“
Foto mit Terrorunterstützer und ein Chat
Der 47-Jährige, der bei der Bundestagswahl 2025 in Neukölln erstmals ein Direktmandat für die Linke außerhalb des Gebietes der ehemaligen DDR errungen hatte, war in der vergangenen Woche nach der Berlin-Wahl in die Kritik geraten. Koçak war bei der Wahlparty der Neuköllner Linke mit dem führenden Vertreter der links-säkularen Terrororganisation „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) in Deutschland, Ibrahim Ibrahim, zu sehen. Dieser war zuvor auch schon neben Koçak bei Veranstaltungen, unter anderem der Neuköllner Linken, aufgetreten.
Außerdem wurden Kontakte mit der Clan-Größe Issa Rammo und dessen Sohn Firas Rammo bekannt. Letzterer hatte noch in der Wahlnacht einen Chat-Verlauf mit Koçak veröffentlicht. Daraufhin mehrten sich Zweifel an der Regierungsfähigkeit seiner Partei. Der Neuköllner kündigte daraufhin an, seine Funktionen im Bundestag zunächst ruhen zu lassen. Am Mittwoch vergangener Woche debattierte der Bundestag in seiner Abwesenheit über die Clan-Kontakte des Linke-Abgeordneten, der sich in der Vergangenheit unter anderem dafür stark gemacht hatte, den Begriff Clankriminalität nicht mehr zu verwenden.
Firas Rammo spendete Handy für Antifa-Jugendliche
Kurz vor Koçaks Stellungnahme bei X hatte die „Zeit“ am Mittwoch einen Artikel veröffentlicht, in dem sie den Chat-Verlauf zwischen Koçak und Firas Rammo ausführlich darstellte – so wie Koçak ihn dem Medium vorgelegt und gerechtfertigt hatte. Die „Zeit“ betonte dabei, dass sie nicht überprüfen konnte, ob die Unterhaltung vollständig wiedergegeben wurde.
Dem Bericht zufolge erklärte Koçak, der Kontakt zu Firas Rammo sei entstanden, nachdem er bei Instagram Anfang 2025 einen Aufruf geteilt habe, Handys für Antifa-Jugendliche zu spenden. Deren eigene Handys seien ihnen zuvor von der Polizei abgenommen worden.
Rammo habe daraufhin ein Smartphone angeboten. „Bruder, egal was du brauchst, egal was ich für dich tun kann, lass mich wissen“, habe er Koçak geschrieben. Und: „Mein Vater grüßt dich herzlich und freut sich auch, dich zu sehen.“ Koçak antwortete unter anderem: „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater.“ Im Gespräch mit der „Zeit“ beteuerte er, Firas Rammo nicht gekannt zu haben. „Blöd von mir, dass ich nicht geguckt habe, wer das ist.“
Die Handy-Spende habe Koçak am Nachmittag des 6. Februar im Büro der Familie Rammo abholen wollen. Der „Zeit“ zufolge habe er den Ablauf folgendermaßen geschildert: Issa Rammo habe dort gesessen, dieser sei ihm aus den Medien bekannt gewesen. Erst dann sei ihm klar geworden, mit wem er zuvor gechattet habe. Koçak habe die Begegnung als „überfordernde Situation“ beschrieben.
Nach seiner Erzählung habe Issa Rammo ihn für seine Arbeit gelobt. Auch die Rammos hätten wie Koçaks Familie kurdische Wurzeln. Koçak habe seinen eigenen Angaben zufolge daraufhin geantwortet, er müsse eigentlich gehen, da er zum Thema Clankriminalität arbeite und sich unglaubwürdig mache. Seine Familie sei gar nicht kriminell, habe Issa Rammo ihm entgegnet. Nach 10 bis 15 Minuten will Koçak das Gespräch „respektvoll“ beendet haben und mit dem gespendeten Handy wieder gegangen sein.
Obwohl er sich bei der Begegnung im Büro auf Distanz zu Issa Rammo gegangen sein will, bleibt Koçak in der Folge mit dessen Sohn in Kontakt. Zwei Wochen später schickt er Firas Rammo ein Video einer Rede im Bundestag, in der er Clankriminalität als „politischen Kampfbegriff“ verurteilt. Dazu schreibt er: „Bruder hilf mir mal (...) sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen“. In der „Zeit“ rechtfertigt er sich mit dem Hinweis, das Video an alle passenden Menschen in seiner Kontaktliste bei Instagram geschickt zu haben, darunter auch Firas Rammo. „Das war vielleicht ein Fehler.“