DAX +0,50 % 26.432,12 Pkt 11:45:01 MDAX +0,68 % 32.483,95 Pkt 11:45:05 Euro Stoxx 50 +0,23 % 6.554,83 Pkt 11:45:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,74 % 69.220,25 Pkt 08:45:03 Gold +0,33 % 4.451,90 USD 11:50:04 Silber +0,91 % 65,70 USD 11:50:00 Brent +1,01 % 89,41 USD 11:50:03 WTI +0,55 % 82,85 USD 11:50:03 Bitcoin +0,68 % 63.246,20 USD 11:59:54 EUR/USD +0,56 % 1,16000 USD 11:59:54 EUR/GBP +0,05 % 0,85530 GBP 12:00:05 EUR/CHF -0,01 % 0,93890 CHF 12:00:05 EUR/JPY +0,38 % 184,580 JPY 12:00:04

Politiker unterliegen beim Klimaschutz einer folgenreichen Fehleinschätzung

Welt

Der Klimawandel hat die Juni-Hitzewelle in Europa laut einer Analyse deutlich verschärft. Weitere Studien zeigen, dass die erste Hitzewelle des Jahres besonders gefährlich ist und Politiker die Zustimmung der Bevölkerung zu Klimaschutzmaßnahmen deutlich unterschätzen. Das und mehr in den aktuellen Klimanews. 2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und passt damit in ein alarmierendes Muster: Die elf heißesten Jahre wurden allesamt in den vergangenen elf Jahren registriert. Prognosen zufolge steuert die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erderwärmung von rund 2,8 Grad zu. Diese Entwicklung zu bremsen und ihre Folgen beherrschbar zu halten, ist eine der zentralen Herausforderungen für die Menschheit. In dieser Serie halten wir Sie über die aktuellen News und Entwicklungen rund ums Klima auf dem Laufenden. +++ Vor 50 Jahren unmöglich: Klimawandel hat Juni-Hitzewelle verschärft Die aktuelle Hitzewelle in Westeuropa hängt nach Einschätzung der Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) klar mit dem menschengemachten Klimawandel zusammen. In einer aktuellen Analyse kommen die Forschenden zu dem Schluss, dass die Tages- und Nachttemperaturen der jüngsten Zeit vor rund 50 Jahren im Juni nicht hätten auftreten können. Für ihre Untersuchung verglichen die Forschenden die aktuelle Wetterlage mit historischen Hitzewellen, darunter die Jahre 1976 und 2003. Demnach wäre ein vergleichbares Ereignis vor einem halben Jahrhundert tagsüber rund 3,5 Grad und nachts etwa 2,4 Grad kühler ausgefallen. Auch die Temperaturen der Hitzewelle von 2003 wären nach den Berechnungen etwa zwei Grad niedriger gewesen. Zugleich habe sich die Wahrscheinlichkeit extremer Hitze deutlich erhöht: Heiße Nächte seien heute etwa hundertmal wahrscheinlicher als früher, besonders hohe Tagestemperaturen rund zehnmal. Dass die Hitzewelle bereits Ende Juni auftrat, werten die Forschenden ebenfalls als außergewöhnlich. Das Wetterphänomen El Niño habe dabei keinen messbaren Einfluss gehabt. Hinzu kommt eine steigende Belastung durch Hitzestress: Laut der Studie wurden in fast 45 Prozent der untersuchten 854 europäischen Städte bereits Rekorde erreicht. Dabei spielen neben der Lufttemperatur auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung eine Rolle. Da Europa sich schneller erwärmt als jeder andere Kontinent, rechnen die Forschenden künftig mit häufigeren Hitzewellen – auch außerhalb der klassischen Sommermonate. +++ Studie: Erste Hitzewelle des Jahres ist besonders gefährlich Große Teile Europas haben 2026 bereits die erste große Hitzewelle erlebt – und diese setzt dem menschlichen Körper offenbar stärker zu als spätere Hitzephasen innerhalb eines Sommers. Das zeigt eine Studie der Medizinischen Universität Wien und des AKH Wien. Für die Untersuchung werteten die Forschenden rund 934.000 Notrufe der Wiener Rettung aus den Jahren 2018 bis 2021 aus und verknüpften sie mit Temperaturdaten von mehr als 500 Messstationen. Demnach führten schon Hitzewellen mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Nächten, in denen die Temperaturen nicht unter 20,5 Grad fielen, zu durchschnittlich gut acht Prozent mehr Rettungseinsätzen. Mit zunehmender Dauer und Intensität der Hitze nahm die Belastung weiter zu. Auffällig war zudem, dass die erste Hitzewelle jeder Sommersaison die stärksten Auswirkungen hatte. Selbst nach dem Ende einer Hitzeperiode blieb die Zahl der Notrufe noch mehrere Tage erhöht. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass gesundheitliche Folgen extremer Hitze verzögert auftreten können. Besonders betroffen waren Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie Menschen zwischen 76 und 85 Jahren. Bei ihnen war das Risiko, während einer Hitzewelle einen Rettungseinsatz zu benötigen, deutlich erhöht. Frauen reagierten laut der Analyse etwas empfindlicher auf hohe Temperaturen als Männer. +++ Klimaschutz: Zustimmung größer als Politiker glauben Mit Klima lassen sich keine Wahlen gewinnen? Vielleicht ja doch: Laut einer Studie der Ruhr-Universität Bochum und der Leuphana Universität Lüneburg unterschätzen offenbar viele Politikerinnen und Politiker in Deutschland enorm, wie groß die Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen in der Bevölkerung tatsächlich ist. Für die Untersuchung befragten die Forschenden im Herbst 2024 rund 1.600 politische Entscheidungsträgerinnen und -träger auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Ihre Einschätzungen wurden mit den Antworten von mehr als 2.000 Bürgerinnen und Bürgern aus zwei repräsentativen Umfragen verglichen – und das Ergebnis offenbart eine Wahrnehmungslücke. Besonders groß fiel die Fehleinschätzung bei der Zustimmung zu wirksamen Klimagesetzen und der Bereitschaft aus, selbst finanziell zum Klimaschutz beizutragen: Während die befragten Politikerinnen und Politiker im Schnitt davon ausgingen, dass nur rund 18 Prozent der Bevölkerung monatlich ein Prozent ihres Einkommens für wirksameren Klimaschutz beisteuern würden, lag der tatsächliche Wert laut Studie bei etwa 48 Prozent. Fast jeder Zweite wäre demnach bereit dazu. Die Wahrnehmungslücke zeigte sich nahezu über das gesamte Parteienspektrum hinweg. Linke Parteien unterschätzten die Zustimmung zwar etwas weniger stark als konservative oder rechte, das grundsätzliche Muster blieb jedoch bestehen. Nach Einschätzung der Forschenden könnte die größte Hürde für strengeren Klimaschutz weniger die fehlende Zustimmung in der Bevölkerung sein, als vielmehr die falsche Annahme vieler Politiker, dass die Bevölkerung entsprechende Maßnahmen ablehnt. +++ Studie: So geht gerechter Klimaschutz Eine Maßnahme, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken, ist der Anstieg des CO2-Preises. Emissionen werden teurer, aber wer trägt dabei die größte Last – die Armen oder die Reichen? Eine internationale Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) kommt zu dem Schluss, dass sich diese Frage nicht allein über das Einkommen beantworten lässt. Für die Untersuchung werteten die Forschenden Daten von 1,7 Millionen Haushalten aus 88 Ländern aus. Mithilfe von Verfahren des maschinellen Lernens analysierten sie die CO2-Intensität des privaten Konsums und berechneten, welche Haushalte durch CO2-Preise oder ähnliche Klimaschutzmaßnahmen besonders belastet würden. Das zentrale Ergebnis: Innerhalb derselben Einkommensgruppe unterscheiden sich die Belastungen oft stärker als zwischen armen und reichen Haushalten. Entscheidender als das Einkommen seien andere Faktoren – etwa der Wohnort (Stadt/Land), der Besitz eines Autos oder Motorrads sowie die Art der Energieversorgung im Haushalt. Welcher Faktor die größte Rolle spielt, variiert dabei von Land zu Land. Empfehlungen der Redaktion Der Sommerurlaub ist nicht mehr das, was er mal war Erde steuert in "unbekanntes Terrain" Ungewöhnliches Projekt weckt Hoffnung für das arktische Eis Bislang schaut die Politik bei Entlastungen vor allem auf die ökonomischen Unterschiede. Maßnahmen wie gestaffelte Transfers oder Steuererleichterungen könnten laut der Studie jedoch viele besonders betroffene Haushalte verfehlen – und die soziale Ungleichheit sogar verschärfen. Die Forschenden sehen in ihrer Analyse eine Orientierungshilfe für Politikerinnen und Politiker, um den Kampf gegen die Erderhitzung sozial gerecht zu gestalten. Ergänzend haben sie mit dem "Carbon Pricing Incidence Calculator" ein Online-Tool entwickelt, mit dem sich für alle 88 untersuchten Länder die Auswirkungen von Klimapolitik und Ausgleichsmaßnahmen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen sowie die persönlichen Folgen berechnen lassen.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren