Politische Spaltung der Hauptstadt vertieft sich wieder: Der Berliner Osten wählt radikal links und rechts
Für die CDU bedeutet der jüngste Berlin-Trend eine Wende: Die Partei konnte den seit Monaten anhaltenden Rückgang, den Einbruch in den Umfragen, stoppen. Seit dem Rückzug des Regierenden Bürgermeisters von der Spitzenkandidatur und mit Finanz- und Kultursenator Stefan Evers als Ersatzmann geht es wieder aufwärts für die Christdemokraten. Doch ganz so einfach ist die Lage nicht. Ein Blick in die Zahlen von Infratest dimap für den Sender RBB offenbart, dass sich die politische Spaltung der Stadt wieder vertieft. Die politischen Ränder erstarken, die Mitte bricht ein. Für ganz Berlin zeigt sich: Trotz Erholung bleibt die CDU vorerst nur zweitstärkste Kraft. Wenn am Sonntag gewählt würde, käme die Linke mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp der Umfrage zufolge auf 22 Prozent. Das ist ein Zuwachs von zwei Prozentpunkten zum vorherigen Berlin-Trend von Ende Juni. Die CDU war im vergangenen Monat auf 17 Prozent abgerutscht und lag damit auch hinter Grünen und AfD auf dem vierten Platz. Nun kommt sie auf 20 Prozent – ein Zuwachs um drei Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 hatte die CDU mit 28,2 Prozent der Stimmen vor SPD und Grünen mit jeweils 18,4 Prozent gewonnen. Alle anderen Parteien mit Aussicht auf einen Einzug ins Abgeordnetenhaus verlieren dagegen in der aktuellen Umfrage. Die Grünen landen mit 17 Prozent auf Platz drei. Die AfD verliert zwei Prozentpunkte und kommt mit 16 Prozent auf Platz vier. Abgeschlagen bleibt die SPD und verliert weiter: Statt bei 13 liegen die Sozialdemokraten nur noch bei zwölf Prozent. FDP und BSW verharren weiter bei drei Prozent und würden damit nicht ins Parlament einziehen. Die Umfrage zeigt aber, dass zwischen dem Ost- und Westteil der bis 1989 durch die Mauer geteilten Stadt die politischen Unterschiede wieder zunehmen. Die Polarisierung und die politischen Ränder sind hier viel stärker ausgeprägt. Die Linke war nach der Wiedervereinigung im Osten lange traditionell stark, verlor aber Stück für Stück. Nun ist sie in der jüngsten Umfrage mit 25 Prozent wieder stärkste Kraft. Die AfD im Osten mit 20 Prozent auf Platz zwei. Mit Abstand dahinter sind CDU und Grüne gleichauf mit 15 Prozent, die SPD schrammt an einstelligen Werten. Nimmt man noch das BSW hinzu, das nur im Osten Zustimmung erhält, kommen die teils radikalen Ränder im Osten zusammen auf die Hälfte der Stimmen. Die politische, bürgerliche Mitte verliert dramatisch zwischen den beiden Polen links und rechts. Überraschend ist, dass die Linke auch im Westteil der Hauptstadt mit 20 Prozent relativ stark ist und damit sogar die Grünen hinter sich lässt, die auf 18 Prozent kommen. Mit 20 Prozent kommt die Linke im Westen auf Platz zwei, die CDU führt mit 23 Prozent. Und auch im Westen wird die AfD immer stärker. Mit 14 Prozent landet die Partei auf Platz vier. Die SPD ist auch im Westteil der Stadt im Abwärtsstrudel: 13 Prozent und Platz fünf. Für Schwarz-Rot reicht es laut Umfragen nicht Rechnerisch ist der Umfrage zufolge in Berlin weiterhin keine Koalition aus zwei Parteien möglich – für eine Fortsetzung von Schwarz-Rot würde es nicht reichen. Allerdings wäre Rot-Grün-Rot unter Führung der Linken möglich. Ein solches Bündnis käme nach aktuellem Stand auf 51 Prozent. Für das Abrutschen der CDU seit Jahresbeginn war maßgeblich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner verantwortlich gemacht worden. Nachdem der Tagesspiegel ihm in der vergangenen Woche erneut falsche Angaben zu seiner Kommunikation am ersten Tag des großen Stromausfalls Anfang Januar nachgewiesen hatte, erklärte er Ende vergangener Woche seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Berlin-Wahl. Die Kreisparteichefs und der Landesvorstand ersetzen Wegner: Nun soll Stefan Evers in die Wahl führen. Zugleich ist er kommissarischer Landeschef der CDU. Laut RBB finden 77 Prozent der Befragten es richtig, dass Wegner nicht mehr als Spitzenkandidat der CDU antritt, bei CDU-Anhängern sind es 76 Prozent. Und bei Anhängern der anderen Parteien fällt dem Bericht zufolge die Zustimmung noch höher aus. Allerdings hat Evers mit einer Bürde zu kämpfen: Nur wenige kennen ihn. Mit seiner politischen Arbeit sind laut dem Berlin-Trend 17 Prozent der Befragten sehr zufrieden oder zufrieden, 21 Prozent weniger oder gar nicht. Die übrigen kennen ihn den Bericht zufolge nicht, wissen keine Antwort oder machen keine Angaben. Würde der Regierende Bürgermeister direkt gewählt, würde Evers mit elf Prozent am besten abschneiden. Dahinter folgen Elif Eralp von der Linken mit 9 Prozent und der Sozialdemokrat Steffen Krach mit sieben Prozent. Die AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker käme auf fünf Prozent, für den Grünen-Spitzenmann Werner Graf gäbe es nur drei Prozent. In der Umfrage wurde auch danach gefragt, welche Partei den Senat führen sollte. Die Linke kam hierbei auf 23 Prozent, vor der CDU (19 Prozent), AfD (16), SPD (15) und Grünen (13).