Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts nach Angriff auf Umspannwerk
Zuvor hatte Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur gefordert. Die kritische Infrastruktur in Deutschland sei vielgestaltig, sagte Redmann im rbb. Er nannte Flughäfen, Tausende Kilometer Stromleitungen, Telekommunikationsinfrastruktur sowie Transportwege und Wasserversorgung.
Man müsse schnell dafür sorgen, dass die Betreiber ihre eigenen Einrichtungen besser sichern können. "Auch mit Befugnissen, die gegenwärtig nur die Polizei hat", sagte Redmann. Etwa die Befugnis, Drohnen abwehren zu können oder intelligente Videoüberwachung einzusetzen. Man könne nicht neben jeden Hochspannungsmasten einen Polizisten stellen.
Am Dienstag waren an einem Umspannwerk unweit des Kraftwerks Jänschwalde Sprengvorrichtungen gefunden worden.
Es gebe Unterschiede in der Tatbegehung zu den Anschlägen auf das Tesla-Werk oder zum Stromausfall in Berlin, sagte Redmann. Das sei möglicherweise ein anderes Vorgehen. "Wir können gegenwärtig keine Täterschaft ausschließen", sagte er. "Das ist hybride Bedrohung, die wir da gegenwärtig erleben, und insofern können wir auch nicht ausschließen, dass fremde Mächte dahinterstecken."
Wie der rbb am Mittwoch aus Sicherheitskreisen erfuhr, ist das Bundesamt für Verfassungsschutz inzwischen in die Ermittlungen eingebunden. Zuerst hatte "Der Spiegel" [€] darüber berichtet. Wie Innenminister Redmann im rbb sagte, prüfe derzeit der Generalbundesanwalt die Übernahme der Ermittlungen.
Die Polizei setzte unterdessen die Spurensuche in der Umgebung des Umspannwerks fort. Bis zum Dienstagabend sei eine zweistellige Zahl an "Vorrichtungen" gefunden worden, so Redmann. Allerdings seien die Ermittlungen vor Ort aufwendig, da unter den Hochspannungsleitungen nur gearbeitet werden könne, wenn dort kein Strom fließe. Daher seien genaue Abstimmungen mit den Stromversorgern erforderlich.
Ein Großaufgebot mit rund 300 Einsatzkräften der Brandenburger Polizei und der Bereitschaftspolizisten suchten das Gelände unterhalb der Stromleitungen Stück für Stück ab, wie Sascha Erler, Pressesprecher der Polizeidirektion Süd, im rbb erklärte. Einerseits gelte es sicherzustellen, dass keine weiteren Sprengvorrichtungen vorhanden seien, andererseits suche man nach möglichen Spuren, die im Verlauf der Ermittlungen nützlich sein könnten.
Redmann sagte im rbb, nun gelte es zu klären, ob etwa im Internet Anleitungen für den Bau solcher Vorrichtungen kursieren.
Laut Netzbetreiber 50Hertz ist der Angriff glimpflich ausgegangen. Eine Hochspannungsleitung musste demnach kurzzeitig abgestellt werden. Dass davon trotzdem nichts zu spüren war, liegt laut Stefan Kapferer, dem Geschäftsführer des Netzbetreibers 50Hertz, an redundanten, also doppelten Leitungen.
An dem Tag schien die Sonne und der Wind wehte. "Das heißt, wir haben ein hohes Maß an anderen Energieträgern, die heute zur Verfügung gestanden haben", sagte Kapferer im rbb am Dienstag. "Wir hatten ein hohes Maß an Versorgungssicherheit."
Nach der Sabotage an einem Umspannwerk in Südbrandenburg wurde aus Nordrhein-Westfalen am Mittwoch ein ähnlicher Vorfall gemeldet.
Betroffen ist ein Umspannwerk in Bergheim westlich von Köln. Nach einer Störung mussten bei dem dazugehörigen Kraftwerk mehrere Blöcke heruntergefahren werden. Die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus. Wer dahinter stecken könnte, ist ebenfalls nicht bekannt. Nach einem Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni und den beiden anderen Vorfällen tauschen sich jetzt die Ermittler in den betreffenden Bundesländern aus.