Polizei erschießt Mann in Tuttlingen: Seine Waffe war harmlos
Am Tuttlinger Rathaus ist vergangenen Donnerstag ein 27-Jähriger bei einem Schusswechsel mit der Polizei gestorben. Nun liegen dem SWR erste Ergebnisse der Obduktion und Hinweise zur Waffe des Mannes vor.
"Täuschend echte" Knallpistole wohl harmlos
Nach dem vorläufigen Ermittlungsstand handle es sich bei der Waffe des Getöteten um eine Knallpistole, auch Zündplättchenpistole genannt, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil. Ein schriftliches Waffengutachten liege der Staatsanwaltschaft aber noch nicht vor.
Knallpistolen werden als Spielzeug oder für Signalschüsse genutzt. Die Waffe des getöteten Tuttlingers ist laut Staatsanwaltschaft einer Originalwaffe des Herstellers SIG/Sauer, Modell P225/P226 "täuschend echt" nachempfunden.
Der Mann hatte am Donnerstag mit der vermeintlichen Pistole im Bereich des Tuttlinger Rathauses gesessen und soll laut Darstellung des Landeskriminalamts (LKA) auf eintreffende Polizeikräfte "geschossen" haben. Die Beamten schossen danach auf den 27-Jährigen, er wurde tödlich getroffen. Trotz Reanimationsversuchen starb der Mann noch am Tatort.
Vorläufige Obduktion: Drei Treffer im Oberkörper
Die Leiche des Mannes ist bereits am Freitag obduziert worden. Nach aktuellem Stand gehen die Ermittler von drei Treffern im Bereich des Oberkörpers aus, sowie von einem leichten Streifschuss am Arm. Die Angaben gelten als vorläufig, weil das rechtsmedizinische Gutachten noch aussteht. Wie viele Schüsse die Polizei insgesamt abgab, ist weiterhin unklar.
Landeskriminalamt ermittelt weiterhin zum Motiv
Auch zu den Motiven des Mannes liegen den Ermittlern derzeit keine gesicherten Erkenntnisse vor. Bekannt ist, dass es sich bei dem 27-Jährigen laut Justizministerium um einen Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit handelt, der in Tuttlingen wohnte. Der Verstorbene ist in den vergangenen Jahren wegen verschiedener Delikte verurteilt worden. Er war ausreisepflichtig, da sein Asylantrag bereits im Januar 2018 abgelehnt wurde.
Baden-Württemberg
Nach Messerangriff in Ulm Warum ausreisepflichtige Asylbewerber nicht immer abgeschoben werden
Am Mittwoch hat ein ausreisepflichtiger Mann aus Eritrea mehrere Menschen in Ulm mit einem Messer angegriffen. Fragen und Antworten zu den Problemen mit Abschiebungen.
Im vergangenen Frühjahr leitete das Regierungspräsidium Karlsruhe die Passbeschaffung ein, er hätte Mitte Oktober beim afghanischen Generalkonsulat vorsprechen sollen. Das entsprechende Anhörungsschreiben wurde ihm Anfang Oktober zugestellt. Weshalb sich der Mann mit einer falschen Pistole am Rathaus aufhielt, ist weiterhin ungeklärt.