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Polnische Grenzregion beendet Zusammenarbeit mit Ukrainern

Welt

Polen ist einer der größten Unterstützer der Ukraine. Trotzdem gibt es zwischen beiden Staaten auch immer wieder Streit. In der Grenzregion wird nun die Zusammenarbeit wegen des Gedenkens an frühere ukrainische Nationalisten zurückgefahren.

Die polnische Region Lublin hat für das Ende eines jahrzehntealten Abkommens mit der ukrainischen Region Lwiw gestimmt. Die Entscheidung sei einstimmig getroffen worden, hieß es in einem Bericht von Polskie Radio Lublin. Das Abkommen aus dem Jahr 2004 hatte demnach Bedeutung für Wirtschaft, Handel, Wissenschaft und Kultur.

Grund für die Aufkündigung ist der anhaltende Streit um die Ehrung früherer Nationalisten der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA). Die UPA kämpfte einst für einen unabhängigen Nationalstaat und wird dafür besonders in der Westukraine verehrt. Teile der Organisation verübten jedoch im Zweiten Weltkrieg Massaker an polnischen Zivilisten.

Die ukrainische Region Lwiw hatte zuletzt mitgeteilt, das Jahr 2027 zum "Jahr der UPA" zu erklären. "Der Lwiwer Oblastrat hat nicht darauf verzichtet, Menschen zu ehren, die Polen ermordet haben, deshalb beenden wir die Zusammenarbeit sofort", sagte der Marschall von Lublin, Jaroslaw Stawiarski, laut Polskie Radio Lublin. "Solche Dinge muss man schnell tun, damit unsere Nachbarn, denen wir geholfen haben und weiterhin helfen, zur Besinnung kommen."

Die polnische Seite hatte die Region Lwiw zuvor aufgefordert, den Beschluss für das "Jahr der UPA" zurückzunehmen. Dies soll aber nicht geschehen sein. Eine Regionalpolitikerin sagte dem Bericht zufolge, man habe gute Beziehungen zur Westukraine. "Wenn jedoch eine Gruppe von Nationalisten die Lage auf die Spitze treibt und tatsächlich die UPA verherrlichen will, dann sind wir entschieden dafür, diese Zusammenarbeit zu beenden."

Ein Vertreter der Bauernpartei teilte zudem mit, man könne nicht akzeptieren, dass "diejenigen, die unsere Vorfahren ermordet haben, verherrlicht und auf Banner und Denkmäler gehoben werden". Die Beziehungen zur Westukraine würden sich schon irgendwie wieder ordnen, sagte er. "Das bedeutet jedoch nicht, dass wir allem zustimmen müssen, was die Ukrainer für sich beschließen."

Massaker in Wolhynien und Galizien

Die UPA hatte sich Ende 1942 als militärischer Arm der Bandera-Fraktion der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN-B) gegründet und gegen Sowjets, Nationalsozialisten und auch Polen für einen unabhängigen ukrainischen Nationalstaat gekämpft. In der UPA waren jedoch auch Männer organisiert, die zuvor mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet hatten und von diesen ausgebildet wurden.

"Das größte Verbrechen der UPA sind die Massenmorde an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien im Jahr 1943, vor allem im Sommer 1943. Befehle dafür scheinen von einem regionalen Kommandeur der UPA ausgegangen zu sein", erklärte Osteuropa-Experte Kai Struve im Juni ntv.de. Den Massakern seien vermutlich 40.000 bis 60.000 Polen zum Opfer gefallen.

Weitere Gewalttaten an Polen habe es in Galizien gegeben. "Sie fanden auf Anweisung der Führung der UPA statt. Das Ziel war hier, Angst und Schrecken zu verbreiten, um die polnische Bevölkerung aus den gemischten ukrainisch-polnischen Territorien zu vertreiben", so Struve. Die Zahl der Opfer werde auf 20.000 bis 25.000 geschätzt.

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