Polnische Kampfflugzeuge dürfen jetzt ohne Zögern auf russische Fluggeräte feuern - General: „Unsere Zielbehälter wurden bereits aufgerüstet“
Polens Luftwaffe hat ihre Abfangregeln geändert. Seit dem 1. Oktober 2026 können Piloten verdächtige Ziele auch ohne Sichtkontakt abschießen – anhand von Radar- und Geheimdienstinformationen.
Generalmajor Ireneusz Nowak sagte beim Warschauer Sicherheitsforum, rund 80 Prozent der Aufmerksamkeit des Militärs gelte derzeit der Luftverteidigung. Die Modernisierung sei allerdings erst zu etwa 30 Prozent abgeschlossen. „Wir beschaffen neue Waffensysteme und warten im Grunde darauf, dass sie eingeführt werden“, erklärte der operative Kommandeur der polnischen Streitkräfte laut „Breaking Defense“.
„Wir sind jetzt deutlich flexibler und können schneller reagieren“
Polens neue Boden- und Luftabwehr werde voraussichtlich erst in drei bis vier Jahren einsatzbereit sein, so Nowak. Die Luftwaffe müsse deshalb bereits jetzt mit hoher Bereitschaft reagieren. Nachts seien die Einsatzkräfte regelmäßig gefordert, erklärte er. Das belaste sowohl das Personal als auch die Ausrüstung.
Bis Ende September mussten Piloten ein Flugobjekt aus der Nähe visuell identifizieren, bevor sie es bekämpfen konnten. Das neue Verfahren erlaubt Entscheidungen auf Basis von Radardaten, Informationen anderer Systeme und Geheimdienstmaterial. Dazu können auch Erkenntnisse zählen, die die Ukraine weitergibt. „Wir sind jetzt deutlich flexibler und können schneller reagieren“, sagte Nowak.
ANZEIGE
ANZEIGE
Drohnenabschüsse werden schnell teuer
Kampfjets gegen günstige Drohnen einzusetzen, sei für Polen teuer, räumte Nowak ein. Eine andere Möglichkeit gebe es derzeit aber nicht. Er wünsche sich Waffensysteme, die in großer Zahl verfügbar seien und schnell gegen unbemannte Fluggeräte eingesetzt werden könnten.
Norwegens Militärvertreter bei der Nato, Generalleutnant Rolf Folland, warnte ebenfalls vor dem hohen Munitionsverbrauch: „Wir können unsere gesamte Munition nicht auf einmal verschießen. Wir müssen das immer wieder tun.“
Diese Raketen sollen den Drohnenabschuss billiger machen
Eine kostengünstigere Option sollen sogenannte APKWS-II-Präzisionsraketen werden. Sie sind für die polnischen F-16 vorgesehen. Später könnten auch die künftigen FA-50PL damit ausgerüstet werden. Laut dem finnischen Fachportal „T&T“ konzentriert sich Polen zunächst auf die F-16, weil diese Flugzeuge bereits im Dienst stehen. Die Verfügbarkeit der Raketen ist wegen der hohen Nachfrage, vor allem im Nahen Osten, begrenzt.
Ein weiteres Hindernis sind die Zünder. Polen habe die von der US-Luftwaffe zertifizierte Version wegen Beschränkungen nicht erhalten, sagte Nowak laut „Breaking Defense“. Die polnischen Streitkräfte warteten deshalb auf einen neuen Typ. Die US-Luftwaffe arbeite an dessen Zertifizierung. „Unser Sniper-Zielbehälter wurde bereits mit einer Software aufgerüstet, die die Nutzung von APKWS II ermöglicht“, sagte Nowak.
FA-50 sollen später russische Drohnen abfangen
Die südkoreanischen Kampfjets vom Typ FA-50GF hält Nowak für geeignet, um Drohnen zu bekämpfen. Bis das Flugzeug voll einsatzfähig sei, könne es aber noch etwa zwei Jahre dauern. Polen erwartet bis Ende 2028 insgesamt 36 FA-50PL.
Die bereits gelieferten GF-Maschinen sollen später auf die PL-Version gebracht werden. Diese erhält unter anderem ein modernes Aesa-Radar und kann mit weiter reichenden AIM-120-Amraam-Luft-Luft-Raketen ausgerüstet werden.
Als größte Luftbedrohung sieht Nowak Marschflugkörper wie die russische Ch-101. Sie fliegen in geringer Höhe. Wetter und Einsatzzeit könnten die Abwehr zusätzlich erschweren. Polen betreibt 47 F-16C/D und hat die ersten von 32 bestellten F-35A erhalten. Nach Abschluss der Lieferungen von F-35 und FA-50 könnte die Flotte 127 Kampfjets umfassen. Eine weitere Bestellung von 32 F-35 stand ebenfalls zur Debatte.