Porsche: Chinas E-Autobauer Xpeng soll Porsches CO2-Bilanz retten
Stuttgart. Der Sportwagenbauer Porsche setzt wieder stärker auf Verbrenner – das ist seit Längerem absehbar. Nun bereiten die Stuttgarter jedoch einen Schritt vor, der gewährleisten soll, die Vorgaben der EU zur Reduzierung von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) trotzdem einzuhalten. Wie aus Unterlagen der Europäischen Kommission hervorgeht, ist Porsche bereits vor wenigen Tagen aus dem Emissionspool des Mutterkonzerns Volkswagen ausgetreten. Autohersteller dürfen die Emissionen von eigenen und konkurrierenden Marken über ein sogenanntes Pooling gemeinsam abrechnen, um die EU-Grenzwerte einzuhalten. Der Luxusautohersteller plant offenbar eine neue Pool-Partnerschaft: In den Jahren 2026 und 2027 soll Porsche mit Xpeng kooperieren – dem chinesischen Elektroautobauer und VW-Partner. Der Wechsel würde Porsches CO2-Bilanz künftig nicht mehr über den Konzernverbund mit VW absichern, sondern über einen externen Partner mit starkem Elektrofokus. Als Erstes hatte der Autoexperte Matthias Schmidt auf den Wechsel hingewiesen. Porsche bestätigte das Pooling mit Xpeng am Mittwoch. Dies schaffe „Flexibilität in der Transformation zur Elektromobilität“, teilte das Unternehmen mit. An Porsches langfristiger Strategie ändere dies nichts. „Wir investieren weiterhin in die Transformation unseres Unternehmens, die Elektrifizierung unserer Fahrzeuge und innovative Technologien, um unsere Emissionen aus eigener Kraft nachhaltig zu reduzieren.“ Grundsätzlich gilt: Beim CO₂-Pooling sind Autobauer nicht an den eigenen Konzern gebunden. Sie können sich externe Partner suchen und mit ihnen die Konditionen aushandeln. Bei offenen Pools müssen diese laut EU-Vorgaben „transparent und wirtschaftlich angemessen“ sein. Die CO₂-Kompensation lassen sich Elektroautobauer in der Regel gut bezahlen. Denn liegen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen der Neufahrzeugflotte eines Herstellers über den festgelegten Zielwerten, fallen Strafzahlungen an, die sich aus der Höhe der Emissionsüberschreitung und der Anzahl der neu zugelassenen Fahrzeuge ergeben. Porsche, einst Spitzenreiter unter den deutschen Autobauern bei der Elektroquote, hat beim Absatz elektrischer Fahrzeuge zuletzt deutlich an Boden verloren. Strategisch setzen die Schwaben wieder stärker auf Modelle mit Verbrennungsmotoren und auf Plug-in-Hybride. Der Kursschwenk blieb nicht ohne Folgen: In Zuffenhausen löste er Abschreibungen in Milliardenhöhe aus – mit spürbaren Auswirkungen auf die Ertragskraft. Zeitweise drückten die Belastungen die Profitabilität nach Angaben aus dem Umfeld des Konzerns nahe an die Nulllinie. Mit der Rückkehr zum Verbrenner steigt bei den Schwaben der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Flotte. Porsche-Chef Michael Leiters hatte daher zuletzt gefordert, die aktuellen Flottenziele der EU wegen des langsamer als erwartet stattfindenden Hochlaufs der E-Mobilität anzupassen. Die Autoindustrie stehe unter hohem Druck. „Sie benötigt dringend sowohl realistische CO2-Ziele als auch mehr Flexibilität – etwa durch die Berücksichtigung von CO2-armem Stahl, CO2-armem Aluminium sowie erneuerbaren Kraftstoffen“, sagte der Automanager. Es brauche „zwingend einen intensiven Dialog zwischen Industrie und Politik“ zu den Rahmenbedingungen für einen wettbewerbsfähigen europäischen Wirtschaftsstandort. Für den Volkswagen-Konzern dürfte der Austritt von Porsche aus dem Emissionspool vor allem eines bedeuten: Entlastung. Der Handlungsdruck war zuletzt gestiegen – auch weil sich die CO2-Rechnung durch den Strategiewechsel in Zuffenhausen absehbar verschlechtert. Denn die stärkere Ausrichtung von Porsche auf Verbrenner und Plug-in-Hybride hätte die Bilanz von Volkswagen zusätzlich belastet – ausgerechnet in einer Phase, in der die Wolfsburger ohnehin jeden Vorteil brauchen, um die verschärften EU-Vorgaben möglichst ohne Strafzahlungen zu erfüllen. Der Volkswagen-Konzern hatte den EU-Durchschnittswert für die CO2-Flottenemissionen bereits 2025 verfehlt. Statt der maßgeblichen 93,6 Gramm pro Kilometer (g/km) lag der Konzern nach eigenen Angaben im Schnitt bei 100 g/km. Die Konsequenz: In den Jahren 2026 und 2027 muss Volkswagen übererfüllen, um die Lücke zu schließen. Ohne Porsche dürfte diese Aufholjagd etwas leichter werden. Für Autos mit Ottomotor entspricht das aktuelle Pkw-Flottenziel der EU einem Verbrauch von circa 4,1 Litern auf 100 Kilometer, mit Dieselmotor sind es etwa 3,6 Liter. Da Fahrzeuge mit rein elektrischem Antrieb keine Auspuffemissionen aufweisen, können Hersteller durch ihren Verkauf die höheren Emissionen von Verbrennerfahrzeugen ausgleichen und so im Durchschnitt das Flottenziel einhalten. Der Volkswagen-Konzern verfügt über eine Beteiligung von fünf Prozent an Xpeng. Das chinesische Unternehmen baut derzeit seine Marktpräsenz in ganz Europa aus. In den ersten sechs Monaten des Jahres lieferte Xpeng laut der Datenbank von Schmidt Automotive Research knapp 20.000 Fahrzeuge in Westeuropa aus, für das Gesamtjahr wird die Zahl von 50.000 Fahrzeugen erwartet.