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Potthoff: "Nur um des Filmens willen nicht weitermachen"

Unterhaltung

Über "Sarah Kohr" ins Marvel-Universum? Lisa Maria Potthoff wäre nicht abgeneigt. Schließlich heben sich ihre intensiven Kampfszenen in den "Sarah Kohr"-Filmen deutlich von anderen deutschen Krimi-Produktionen ab.

Ein Interview

von Dennis Ebbecke

"Pro Film finden im Schnitt ein bis drei Kämpfe oder Körperlichkeiten statt, die man nicht erst am Set erarbeiten kann", sagt Lisa Maria Potthoff. Auch bei den Dreharbeiten zum aktuellen Film "Drecksarbeit" (am 12. Oktober um 20:15 Uhr im ZDF) sei es ans Eingemachte gegangen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion schildert die Schauspielerin die Vorbereitungen auf ihre Kämpfe in den "Sarah Kohr"-Filmen. Zudem spricht sie über die Entwicklung ihrer Figur Susi in den "Eberhoferkrimis".

Frau Potthoff, gehe ich recht in der Annahme, dass der Filmtitel "Drecksarbeit" bei den Dreharbeiten nicht Programm war?

Lisa Maria Potthoff: Auch nach fast 15 abgedrehten "Sarah Kohr"-Filmen kann ich bestätigen, dass ich das Drehen Gott sei Dank nach wie vor nicht als "Drecksarbeit" empfinde. Definitiv nicht. Es war wieder einmal eine intensive und auch sehr anstrengende Arbeit, das ja. Der Film wurde im Winter gedreht – und viele Szenen sind in der Nacht entstanden. Am Set von "Sarah Kohr" geht es also ans Eingemachte.

In "Drecksarbeit" geraten Sie ins Visier skrupelloser Verfolger aus einem menschenverachtenden System. Osteuropäische Hafenarbeiter werden ausgebeutet und unter Druck gesetzt. Wie viel Realität steckt in dieser fiktiven Geschichte?

Während sich unser vorheriger Film ["Bis auf den Grund"; Anm. d. Red.] mit einem ökologischen Thema befasst hat, steht diesmal eine gesellschaftspolitische Frage im Raum. Es geht um Nicht-EU-Bürger, die illegal unter dem Mindestlohn arbeiten müssen. Man kann sich kaum vorstellen, dass so etwas heutzutage noch möglich ist – aber es passiert offenbar. Meine Kollegen haben das sehr berührend gespielt. Die Art und Weise, wie sie vor allem die persönlichen Verwebungen darstellen, gefällt mir sehr.

Gleich zu Beginn gibt es eine Kampfszene im Hamburger Hafen zu sehen. Wenn man sich die in einer 1,5- oder 2-fachen Geschwindigkeit anschaut, kommt Sarah Kohr wie eine Superheldin daher. Empfinden Sie das ähnlich?

(lacht) Um das so empfinden zu können, müsste ich mir die Szene erst einmal in 1,5-facher Geschwindigkeit angeschaut haben. Ich weiß, dass junge Leute häufig auf diese Option zurückgreifen. Mich irritiert das eher.

Würden Sie denn gerne mal eine Superheldin spielen, zum Beispiel im Marvel-Universum?

Warum nicht? Mich würde es schon reizen, mal Teil eines solchen Universums zu sein oder aber eine historische Figur darzustellen. Generell ist die Möglichkeit, in die verschiedensten Rollen schlüpfen zu dürfen, das Schönste an meinem Beruf.

Sind die Kampfszenen auch für Sie persönlich der anspruchsvollste Teil der Dreharbeiten?

Tatsächlich braucht die körperliche Vorbereitung immer den größten Vorlauf. Pro Film finden im Schnitt ein bis drei Kämpfe oder Körperlichkeiten statt, die man nicht erst am Set erarbeiten kann. Teilweise beginnen die intensiven Proben daher bereits einen Monat im Voraus. Insbesondere dann, wenn andere Schauspielerinnen und Schauspieler – und eben keine Stuntleute – daran mitwirken.

Eine Frau, die zum Leben zu wenig hat, schenkt Sarah Kohr selbstgemachte Kinkali. Das sind georgische Teigtaschen. Was können wir aus diesem berührenden Filmmoment lernen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die ärmsten Menschen oft die großzügigsten sind. Mich berührt das sehr. In vielen Kulturen haben Werte wie Gastfreundschaft und Dankbarkeit eine sehr hohe Bedeutung. Ich versuche, mir das immer wieder bewusst zu machen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen wir viel Spaltung und Entzweiung erleben, hat man vielleicht die Möglichkeit, im Kleinen wieder Verbindungen zu anderen Menschen zu schaffen.

Man isst nicht ungefragt Requisiten

Haben Sie die Kinkali probiert oder gilt am "Sarah Kohr"-Set das ungeschriebene Gesetz "Man isst nicht ungefragt Requisiten"?

Ich gebe Ihnen recht: Man isst nicht ungefragt Requisiten. Es gibt in dem Zusammenhang übrigens noch einen anderen, expliziteren Satz, der an Sets häufig fällt, aber den behalte ich besser für mich (lacht).

Grundsätzlich bin ich nicht scharf darauf, Requisiten zu essen. Schließlich weiß man nie, wie lange die da schon herumstehen und durch welche Hände sie gegangen sind. Wobei ich dazu sagen muss, dass wir bei "Sarah Kohr" eine ganz tolle Innenrequisite haben, die sehr gewissenhaft arbeitet.

Gilt das auch für die "Eberhoferkrimis"?

Absolut. Vor allem, wenn die Szenen mit Oma Eberhofer [gespielt von Enzi Fuchs; Anm. d. Red.] im Drehplan stehen. In ihrem Haus wird ja quasi immer gegessen. Und da läuft man schon Gefahr, dass man zwischen den Takes einfach weiter reinhaut (lacht). Wir beziehen das Essen von einem sehr guten Gasthof – und es schmeckt wahnsinnig gut.

Haben die "Eberhoferkrimis" mit nunmehr zehn Kinofilmen mittlerweile Ihren Peak erreicht oder könnte man die Reihe ewig fortsetzen?

Im Grunde könnte man die Geschichte ewig weitererzählen. Die Figuren werden älter, und es kommt eine neue Generation nach. Unser Anspruch ist es aber, die Qualität hochzuhalten. Nur um des Filmens willen wollen wir nicht weitermachen. Ich glaube, da sind wir alle einer Meinung. Die Resonanz ist nach wie vor gut. Wir denken aber von Film zu Film.

"Eberhoferkrimi": Besteht die Chance auf ein Susi-Spinn-off?

Susi trägt heute noch ähnliche Outfits wie zu Beginn der Filmreihe. Erhoffen Sie sich dahingehend eine optische Veränderung für Ihre Rolle?

Zunächst einmal liebe ich meine Figur, habe aber auch ganz viel Respekt davor, sie zu spielen – im positiven Sinne. Bei Susi wäre es gar nicht so einfach, einen Kostümwechsel vorzunehmen. Damals, 2012, haben wir uns für Susi die Leo-Jeans und die pinke Jeans ausgesucht, die sie heute noch trägt. Ich finde es total schön, sich eine Figur übers Kostüm zu bauen und zu entwickeln. Die Susi in ihrer Eigenheit mag ich schon sehr.

Wäre das nicht der Stoff für einen Susi-Spin-off?

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Wir sollten es so belassen, wie es ist. Denn ich glaube, dass wir alle in dieser "Eberhofer"-Welt am besten funktionieren. Susi ist in den Geschichten tragender geworden. Über diese Entwicklung freue ich mich.

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