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Präsident mit seiner Politik China glücklich macht

Welt

Audioplayer wird geladen Anzeige Nur wenige Stunden bevor die gemeinsame Militärübung der USA und Südkorea in den Morgenstunden losgehen sollte, schockte Donald Trump die Verantwortlichen in Seoul. Die Übung koste nicht nur viel, „sie sendet ein total unangebrachtes Signal und ist feindselig“, schrieb der US-Präsident am Sonntagabend auf Truth Social. Wegen der „sehr guten Beziehungen“ zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un habe er Kriegsminister Pete Hegseth angewiesen, die amerikanische Teilnahme am Manöver zu reduzieren. Als zusätzliche Begründung nannte Trump Südkoreas Ablehnung einer angeblichen Bitte, bei der Denuklearisierung des Iran zu „helfen“. Für Seoul ist die jährliche Militärübung mit den USA ein notwendiges Mittel der Abschreckung gegen Nordkorea, das regelmäßig droht, seine Atomwaffen gegen den südlichen Nachbarn einzusetzen. Anzeige Für die USA ist die Militärpräsenz auf der koreanischen Halbinsel kein Selbstzweck. Sie dient – wie die Beziehung zu Südkorea als Ganzes – als Bollwerk gegen China. Dass Trump nun willens ist, das aufgrund seiner Zollpolitik ohnehin angespannte Verhältnis zu Seoul weiter zu belasten, dürfte in Peking mit Freude aufgenommen worden sein. Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Präsident eine Politik verfolgt, die China glücklich macht. Die Anfang des Jahres veröffentlichte Nationale Verteidigungsstrategie hat in Europa große Sorgen ausgelöst. Schließlich steht dort schwarz auf weiß, was aus Washington immer wieder zu hören war. „In Europa werden die Verbündeten die Führung gegenüber Bedrohungen übernehmen, die schwächer für uns, aber stärker für sie sind“, heißt es dort. Dafür gebe es Unterstützung aus den USA, aber nicht mehr im selben Umfang. Begründet wird das mit einer notwendigen Ressourcenverlagerung. „Während sich die USA auf die Verteidigung des Heimatlandes und den Indo-Pazifik konzentrieren werden, werden sich unsere Verbündeten um ihre eigene Verteidigung kümmern.“ Anzeige Das Papier wird konkret, was Washington tun will, um China einzuhegen. So will man eine „Abschreckung durch Verneinung“ etablieren, also so viele Ressourcen zur Verfügung stellen, dass man in der Lage ist, Peking von einem Angriff auf die sogenannte erste Inselkette, also auf Taiwan, Japan oder die Philippinen, „abzubringen“. Lesen Sie auch Zwar hat Trump den Europäern zu verstehen gegeben, sich nun selbst um ihre Sicherheit kümmern zu müssen, die angekündigte Abschreckung Chinas aber nicht umgesetzt. Schon der Iran-Krieg als solcher ist ein Verstoß gegen diese Doktrin. Kein Krieg hat so viele amerikanische Ressourcen im Nahen Osten gebunden wie der seit Februar anhaltende Feldzug gegen Teheran. Medienberichten zufolge haben die USA in den vergangenen fünf Monaten ihr Arsenal an Langstreckenraketen und Flugabwehrkörpern zu einem großen Teil verbraucht. Das führte laut Berichten der „Washington Post“ sogar dazu, dass Trump einen geplanten Großangriff auf den Iran absagen musste. Lesen Sie auch Die Implikationen für den Indo-Pazifik sind enorm. Sollte China Taiwan angreifen, wären die Möglichkeiten des US-Militärs erheblich beschränkt, amerikanische Verbündete in der Region zu beschützen, geschweige denn den demokratischen Inselstaat zu verteidigen. Schließlich hat der Iran eindrucksvoll gezeigt, wo die Schwachstellen der USA liegen: Mit billigen Drohnen und Raketen hat das Regime in Teheran die amerikanischen Verteidigungsfähigkeiten ausgereizt. Flugzeugträger aus dem Indo-Pazifik in den Nahen Osten Neben leeren Raketenbeständen steht China auch einer geringeren amerikanischen Truppenpräsenz in der Region gegenüber. Erst vergangene Woche beorderte Washington den Flugzeugträger USS George Washington aus dem Indo-Pazifik in den Nahen Osten. Bislang war das nuklearbetriebene Schiff das einzige im Südchinesischen Meer. Die Abwesenheit reduziert die amerikanische Luftüberlegenheit, die Möglichkeiten zur Luftüberwachung und zur elektronischen Kriegsführung sowie die Verteidigungsfähigkeit gegen Raketen. Auch die aktuelle Taiwan-Politik Trumps widerspricht seiner eigenen Verteidigungsstrategie und sorgt in Peking für Erleichterung. Verzweifelt wartet Taipeh auf die Genehmigung eines 14 Milliarden Dollar schweren Waffenpakets, das der demokratische Inselstaat dringend für seine Verteidigung benötigt. Nach seinem Gespräch mit Xi Jinping im Mai bezeichnete Trump das Paket als „Verhandlungsmasse“. Der US-Kongress hatte es bereits im Januar vorab genehmigt. Ende September wird Chinas Präsident zu Gesprächen in Washington erwartet. Lesen Sie auch Während Verbündete in Asien Trumps Desinteresse gewohnt sind, hofften sie auf den Unterstaatssekretär im Pentagon, Elbridge Colby. Er gilt als der Architekt der scharfen Linie gegen China – und am Ende ist es das Kriegsministerium, das die genaue Ressourcenverteilung des US-Militärs festlegt. Bei einem Auftritt vergangene Woche in der philippinischen Hauptstadt Manila schockte Colby das anwesende Publikum jedoch. Mit keinem Wort erwähnte der China-Falke das Reich der Mitte. Als er später von Journalisten dazu befragt wurde, erklärte er, dass er nicht mehr den Ansatz des „sich Aufplusterns“ wählen wolle. US-Präsenz ist China ein Dorn im Auge Für Peking sind all das willkommene Signale. Die am Sonntagabend verkündete Reduktion der Teilnahme am Militärmanöver mit Südkorea ist für Seoul nicht nur ein operativer Rückschlag, sondern auch ein symbolischer. Die Übung findet mit wenigen Ausnahmen seit 70 Jahren statt und soll Nordkorea abschrecken. Die amerikanische Militärpräsenz auf der koreanischen Halbinsel ist Peking seit jeher ein Dorn im Auge. Insgesamt 28.500 US-Soldaten sind dort stationiert, und die amerikanische Basis in Pyeongtaek ist der größte US-Militärstützpunkt außerhalb der USA. Er ist nur 800 Kilometer von Shanghai und 1400 Kilometer von Taiwan entfernt. Bei jeder potenziellen militärischen Aggression, die China gegen Taiwan plant, muss es diese einkalkulieren. Am Montagnachmittag stellte Trump diese Präsenz infrage. Er habe kürzlich Südkoreas Präsidenten um Hilfe im Iran-Krieg gebeten, sagte er. Dieser habe mit „Nein, danke“ geantwortet. „Ich habe gesagt, warte eine Minute, wir haben 39.000 (sic) Soldaten bei euch, die euch vor Kim Jong-un schützen und ihr wollt uns nicht helfen. Das ist komisch“, sagte Trump und stellte eine weitreichende Frage: „Warum helfen wir euch?“ Gregor Schwung berichtet für WELT seit Juli 2026 als US-Korrespondent aus Washington, D.C. Zuvor war er außenpolitischer Korrespondent in Berlin.

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