Präsidenten mit Abrissplan: Will Trump das Kennedy Center plattmachen, weil es seinen Namen nicht trägt?
Plant US-Präsident Donald Trump den Abriss des renommierten Kulturzentrums Kennedy Center in Washington? Fotos der Nachrichtenagentur AFP (siehe Foto oben) scheinen dies zu belegen. Auf den Bildern des Fotografen Brendan Smialowski ist Trump durch das Fenster der Präsidentenmaschine Air Force One mit einem Ausdruck einer Vorlage zu sehen, über der in roten Buchstaben zu lesen ist „Kennedy Center Demolish“ (etwa: Abriss des Kennedy Centers).
Der Ausdruck scheint die Zerstörung eines Gebäudes zu zeigen und ein gelbes Baufahrzeug, das Trümmer wegschaufelt. Die am Donnerstag (MESZ) veröffentlichten Fotos von Trump entstanden am Mittwoch auf dem Militärflughafen Joint Base Andrews südöstlich der Hauptstadt Washington. Die AFP-Aufnahmen und ähnliche Fotos der „New York Times“ verbreiteten sich rasch in Online-Netzwerken und erzielten dort Millionen von Aufrufen. Das Weiße Haus kommentierte die Bilder vorerst nicht.
Trump hatte am Dienstag bekanntgegeben, Washingtons größte öffentliche Kultureinrichtung – das Kennedy Center – müsse wegen Sicherheitsbedenken und dringend nötiger Renovierungsarbeiten umgehend geschlossen werden.
Hintergrund ist ein Rechtsstreit um die von Trump verlangte Anbringung seines eigenen Namens an der Fassade. Die Arbeiten könnten jedoch erst stattfinden, wenn ein Berufungsgericht über die geplante Umbenennung entschieden hat.
Nach der Schließung des Kennedy Centers wegen der mutmaßlichen Sicherheitsbedenken hat ein Richter allerdings allzu schnelle Baumaßnahmen untersagt. Sollten größere Bauarbeiten oder eine Zerstörung des Hauptgebäudes geplant sein, müsse das Kennedy Center 30 Tage zuvor darüber informieren, ordnete der Bundesrichter in Washington am Donnerstag an. Die Fotos von Trump mit dem Ausdruck waren kurz zuvor erschienen.
Das von Trump eingesetzte Kuratorium war zuvor vor Gericht damit gescheitert, Trump in den Namen der Einrichtung aufzunehmen und diesen auch an der Fassade zu ändern. Ein Richter durchkreuzte die Pläne Ende Mai und untersagte zudem eine mutmaßlich wegen Renovierungsarbeiten geplante zweijährige Schließung.
Rechtsstreit um Umbenennung
Der Richter begründete das damit, dass der Kongress dem Kennedy Center einst seinen Namen gegeben habe. Folglich dürfe auch nur das US-Parlament diesen ändern. Dagegen legte das Kennedy Center Berufung ein, über die in der Hauptsache bislang nicht entschieden worden ist.
Das Gremium hatte im vergangenen Dezember die Umbenennung in „Donald J. Trump and John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ beschlossen. Trumps Name war daraufhin in Großbuchstaben auf der Fassade oberhalb des Schriftzugs mit Kennedys Namen angebracht worden. Nach einer richterlichen Anordnung im Mai 2026 wurde er aber wieder abgenommen.
Trump hatte der alten Leitung nach seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 eine linke, „woke“ Haltung vorgeworfen und sich selbst an die Spitze eines Verwaltungsrats mit handverlesenen Mitgliedern gesetzt.
Im Gebäude des Kennedy Centers am Fluss Potomac im Herzen Washingtons werden Veranstaltungen aus den Bereichen Theater, Tanz und Musik angeboten. Das Haus wurde nach dem früheren Präsidenten John F. Kennedy (1917–1963) benannt. (dpa)