Prävention psychischer Störungen bei jungen Menschen.
Unsichtbare Zwänge Am späten Nachmittag warteten noch immer zahlreiche Menschen vor der Ambulanz des psychiatrischen Krankenhauses von Ho-Chi-Minh-Stadt. Darunter befanden sich viele junge Leute, wie Studenten, Büroangestellte usw., die sich wegen häufiger Symptome wie anhaltender Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Interessenverlust an Arbeit oder Studium, häufiger Reizbarkeit oder Rückzug untersuchen ließen. Frau NTL (eine Bewohnerin des Stadtteils Tan Thuan) deutete auf ihre jüngere Schwester, die mit ängstlichem Blick zusammengekauert dastand, und erzählte, dass ihre Schwester NTN (23 Jahre alt) von Freunden einst als energiegeladen, fröhlich und in den sozialen Medien sehr aktiv beschrieben wurde. Doch jede Nacht litt sie unter Schlaflosigkeit, fühlte sich nutzlos und brach oft grundlos in Tränen aus. „Tagsüber lächelte sie noch und ging ihrer Arbeit nach. Aber nachts wollte sie sich nur noch unter einer Decke verkriechen und mit niemandem sprechen. Manchmal vertraute sie mir an: ‚Wenn ich nur verschwinden könnte, wären alle nicht so enttäuscht‘“, erzählte Frau L. Dr. Chu Thi Dung, Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie am Ho-Chi-Minh-Stadt-Krankenhaus für Psychiatrie, erklärte, dass Angst- und Depressionsstörungen zunehmen und das Erkrankungsalter immer niedriger wird. Laut Statistiken des Gesundheitsministeriums litten allein im Jahr 2022 21,7 % der vietnamesischen Teenager unter psychischen Problemen, wobei Angstzustände am häufigsten auftraten, gefolgt von Depressionen. Jungen weisen eine höhere Rate an Verhaltensstörungen auf, während Mädchen eher emotionale Probleme wie Angstzustände und Depressionen thematisieren. Darüber hinaus kann die verstärkte Interaktion in sozialen Medien im Vergleich zur direkten Kommunikation das Gefühl des Vergleichens verstärken, das Selbstvertrauen mindern und zu Angstzuständen, Depressionen, Schlaflosigkeit und Einsamkeit führen. Psychische Störungen beeinträchtigen nicht nur die Emotionen, sondern auch das Denken, das Verhalten, die Lernfähigkeit, die Arbeitsleistung und die Beziehungsfähigkeit. Betroffene können unter Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Rückzug und verminderter schulischer und beruflicher Leistungsfähigkeit leiden. Besorgniserregend ist, dass die Symptome bei jungen Menschen oft anders aussehen als bei Erwachsenen. Früherkennung und rechtzeitige psychologische Unterstützung. Auf der jüngsten jährlichen wissenschaftlichen Konferenz zum Thema psychische Gesundheit, die von der Ärztekammer Ho-Chi-Minh-Stadt organisiert wurde, erklärte die Präsidentin der Ärztekammer, Dr. Nguyen Thi Ngoc Dung, dass Vietnam angesichts der zunehmenden psychischen Erkrankungen verstärkt in die psychische Gesundheitsversorgung investieren müsse, insbesondere in der Basisversorgung und in Schulen. Neben dem Ausbau des Netzes von Psychiatern und klinischen Psychologen seien verstärkte Früherkennung und psychologische Beratung in Schulen und Betrieben sowie Aufklärungskampagnen erforderlich, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Depressionen eine Krankheit sind, die wie jede andere behandelt werden muss. Der Gesundheitssektor sollte sich von einer Behandlung von Krankheiten erst bei Auftreten von Symptomen hin zu einer proaktiven Früherkennung, Beratung und rechtzeitiger psychologischer Unterstützung entwickeln, um zu verhindern, dass Erkrankungen chronisch werden. Gleichzeitig sollte er von einer rein symptomatischen Behandlung zu einer ganzheitlichen, patientenzentrierten Versorgung übergehen, die sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit berücksichtigt und so den Schutz der psychischen Gesundheit der Bevölkerung verbessert. Laut Dr. Chu Thi Dung geht es in der Behandlung psychischer Erkrankungen aktuell nicht mehr nur um die Linderung von Symptomen, sondern hin zu einem ganzheitlichen Behandlungsmodell, das biologische, psychologische und soziale Aspekte berücksichtigt. Patienten benötigen eine Therapie, die Medikamente, Psychotherapie und die Unterstützung von Familie und sozialem Umfeld kombiniert, um Rehabilitation, eine verbesserte Lebensqualität und soziale Wiedereingliederung zu erreichen. Um psychischen Erkrankungen vorzubeugen, sollte jeder auf seine psychische Gesundheit genauso achten wie auf seine körperliche. Dazu gehört, den Konsum von Alkohol und Stimulanzien einzuschränken, die Zeit am Handy und in sozialen Medien zu reduzieren und Zeit für Familie, Freunde und Hobbys zu investieren. Gleichzeitig sollte man nicht zögern, über Probleme zu sprechen, um rechtzeitig Unterstützung zu erhalten.