Preise fallen, aber nicht an der Zapfsäule
Startseite Wirtschaft Ölpreise im Sturzflug – warum deutsche Autofahrer trotzdem kaum profitieren Von: Theresa Breitsching Uns auf Google folgen Die Lage am Ölmarkt dreht sich: Es gibt mehr Angebot als Nachfrage. Die Preise für Rohöl fallen stark, doch an der Tankstelle wird Benzin kaum billiger. Warum kommt der Rückgang dort nicht an? Berlin – Der Konflikt im Nahen Osten machte sich auch an den Tankstellen bemerkbar: Die Ölpreise stiegen, zum Tanken mussten die deutschen Autofahrer tief in die Tasche greifen. Nun zeichnet sich jedoch das Gegenteil ab: Experten rechnen mit einem Überangebot auf dem Ölmarkt. Der Brent-Ölpreis liegt inzwischen rund 43 Prozent unter seinem Höchststand von Ende April. Doch warum kommt dieser Preisrückgang bislang nicht an den Tankstellen an? Überangebot von Öl: Droht Ölkonzernen jetzt der Nachfrageeinbruch? Auf dem Ölmarkt zeichnet sich derzeit ab, dass ein zu großes Angebot auf eine schwächere Nachfrage trifft. Das liegt einerseits an der Öffnung der Straße von Hormus, wodurch mehr als 60 Millionen Barrel Öl in den Markt gelangen. Seit Beginn des Konflikts haben sich außerdem die Lieferstrukturen angepasst: Öl aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie aus US-Reserven fließt verstärkt auf den Markt. Gleichzeitig hat China seine Käufe deutlich reduziert und importiert rund fünf Millionen Barrel pro Tag weniger als vor dem Krieg. Das zusammen führt zu einem deutlichen Überangebot an Rohöl. Das mag überraschend klingen, denn noch vor weniger als drei Monaten erreichte der wichtigste physische Öl-Benchmark ein Allzeithoch. Die Nachrichtenagentur Bloomberg warnt in einer aktuellen Analyse vor einer deutlichen Schwäche am Ölmarkt. Denn nachdem der Ölpreis kriegsbedingt gestiegen war, hat er seine Gewinne inzwischen wieder komplett verloren und ist seit dem Höchststand Ende April um rund 43 Prozent gefallen. Auch der physische Ölmarkt zeigt klare Schwächezeichen, stärker als seit dem starken Nachfrageeinbruch in der Corona-Pandemie. China kauft weniger: Öl-Lieferungen finden keinen Abnehmer „Der Markt sieht sich dem Risiko eines vorübergehenden Überangebots gegenüber, da das zurückgehaltene Öl nun endlich wieder in ein System gelangt, das bereits seit Monaten gelernt hat, ohne dieses Öl zu funktionieren“, sagt Natasha Kaneva, Leiterin der Rohstoffanalyse bei JPMorgan Chase & Co., in einer Mitteilung. „Die Barrel, die nun aus dem Hormuz-Kanal abfließen, können zunehmend nirgendwo anders hin als nach China. Doch China kauft nicht.“ Öl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird inzwischen bis in die USA und sogar nach Hawaii geliefert, während ein Tanker mit venezolanischem Rohöl nach einer über 10.000 Meilen langen Fahrt nach Indien seit über zwei Wochen ohne Käufer vor der Küste liegt. Das Überangebot könnte dazu führen, dass es auch im kommenden Jahr zu viel Öl am Markt gibt. Analysten von Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs warnen bereits vor einer möglichen Marktübersättigung im nächsten Jahr. Wieso wird das Tanken für die deutschen Autofahrer trotz Öl-Überangebot teurer statt günstiger? An der Zapfsäule kommt das Öl-Überangebot bislang nicht an. Stattdessen sind die Benzinpreise in Deutschland zuletzt sogar gestiegen, nachdem Ende Juni der Tankrabatt ausgelaufen ist. Der ADAC kritisiert, dass die Mineralölkonzerne die Preise bereits im Vorfeld deutlich angehoben haben. Demnach kostete Super E10 am 30. Juni, dem letzten Tag des Tankrabatts, 1,923 Euro pro Liter, also 6,2 Cent mehr als am Vortag.