Prognosen deutlich übertroffen: Deutsche Industrie kann sich vor neuen Aufträgen kaum retten
Iran-Krieg, Niedrigwasser und eine ohnehin strauchelnde deutsche Wirtschaft: Derzeit gibt es wenig Anlass für Optimismus. Den kann allerdings die deutsche Industrie verströmen. Denn im Juni verzeichnet sie ein dickes Auftragsplus - mit einem Wermutstropfen. Die deutsche Industrie hat im Juni überraschend viele Aufträge erhalten. Das Neugeschäft wuchs wegen vieler Großaufträge um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Das ist der zweite Zuwachs in Folge: Im Mai hatte es bereits ein Plus von revidiert 0,3 Prozent gegeben, das damit deutlich kleiner ausfiel als zunächst mit 1,9 Prozent geschätzt. "Alles in allem zeigt sich, dass die Konjunktur etwas besser läuft als noch vor Kurzem gedacht", sagte der Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Jens-Oliver Niklasch. "Freilich schwebt das Ölpreis-Risiko latent über allem, und mit den Pegelständen der großen Flüsse ist ein neues Abwärtsrisiko dazugekommen." Die positive Entwicklung im Juni geht vor allem auf die deutlichen Anstiege im Maschinenbau (plus 12,7 Prozent) und bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (plus 22,7 Prozent) zurück. "In beiden Bereichen meldete eine Reihe von Betrieben Großaufträge", erklärten die Statistiker. Auch der Zuwachs in der Autoindustrie (plus 3,8 Prozent) wirkte sich positiv aus. Im sonstigen Fahrzeugbau - dazu gehören Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge - fielen die Bestellungen um 41,7 Prozent im Vergleich zum hohen Niveau des Vormonats. Zu Großaufträgen in diesem Bereich liegen den Statistikern zufolge bislang nur unvollständige Daten vor. Nachfrage in Euro-Zone schwächelt Die Auslandsaufträge legten im Juni um 0,2 Prozent zu. Dabei brachen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 14 Prozent ein, während die aus dem übrigen Ausland um 10,2 Prozent zulegten. Die Inlandsaufträge stiegen um 7,8 Prozent. Werden Großaufträge ausgeklammert, sanken die gesamten Bestellungen jedoch um 0,5 Prozent. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang im zweiten Quartal um 1,3 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor, ohne Großaufträge blieb er unverändert. Gesunken sind im Juni die Einnahmen: Der inflationsbereinigte Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe lag 1,3 Prozent niedriger als im Vormonat.