DAX +0,41 % 26.440,31 Pkt 18:00:00 MDAX +0,40 % 32.464,39 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,09 % 6.539,59 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,30 % 4.437,30 USD 23:00:00 Silber +0,18 % 65,11 USD 22:59:58 Brent 0,00 % 88,52 USD 22:59:58 WTI 0,00 % 82,40 USD 22:59:59 Bitcoin -0,05 % 62.994,67 USD 09:58:59 EUR/USD +0,37 % 1,15730 USD 23:29:57 EUR/GBP +0,11 % 0,85480 GBP 00:09:58 EUR/CHF +0,34 % 0,94060 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,38 % 184,365 JPY 23:29:57

"Prominent getrennt"-Eklat: RTL zwischen Verantwortung und Quote

Unterhaltung

Eskalationen in RTL-Formaten "Sorgen und Prognosen haben sich noch zugespitzt" Von Elena Rothammer 30.06.2026 - 18:50 UhrLesedauer: 6 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Mit Reality-TV-Formaten feiert RTL große Erfolge. Doch Zuschauer und Experten beobachten einen besorgniserregenden Wandel. Lange galt Reality-TV als Nische, inzwischen ist das Genre ein wichtiger Bestandteil der Unterhaltungsindustrie. Insbesondere RTL setzt auf Formate wie "Das Sommerhaus der Stars", "Temptation Island" oder "Prominent getrennt". Die Shows sind erfolgreich, besonders abseits des linearen Fernsehens. Auf RTL+ erreichte "Prominent getrennt" etwa mehrmals eine Million Streams in einer Woche. Zuletzt rückten die Formate allerdings vermehrt wegen Grenzüberschreitungen, respektlosem Verhalten und Gewalt in den Fokus. Der jüngste Skandal im RTL-Kosmos war die Ausstrahlung einer "Prominent getrennt"-Folge, in der eine Diskussion zwischen dem Ex-Paar Vanessa Nwattu und Aleks Petrović eskalierte. Er überschüttete sie mit Sekt und warf ein Glas zu Boden. Nwattu gab an, dabei leicht verletzt worden zu sein, was in der Ausstrahlung bei RTL jedoch nicht zu sehen war. Wirbel um "Prominent getrennt": RTL zieht Folge zurück – Zuschauer üben Kritik Er bespuckte Frauen: Aleks Petrović bricht nach Show-Skandal sein Schweigen Petrović wurde trotz seines Fehlverhaltens nicht der Sendung verwiesen. RTL entschuldigte sich nach der Ausstrahlung, sein Verhalten nicht eingeordnet zu haben. In der Mediathek sei eine falsche Version gelandet. Letztlich wurde eine Triggerwarnung ergänzt. Es ist nicht das erste Mal, dass Petrović mit Ausrastern von sich reden macht. Und doch wählt ihn RTL immer wieder für seine Produktionen aus. Die Kritik daran wird lauter, auch die ehemalige "Temptation Island"-Moderatorin Lola Weippert schaltete sich ein. Auf Instagram kritisierte sie RTL dafür, dass der Sender Petrović weiterhin eine Bühne gibt. Der 35-Jährige ist kein Einzelfall. Auch Protagonisten wie Gigi Birofio oder Diogo Sangre fielen schon mehrfach auf, insbesondere wegen ihres fragwürdigen Verhaltens gegenüber Frauen. Trotzdem sind sie in der aktuellen RTL-Datingshow "Ex on the Beach" zu sehen. Ramon Wagner kennt die Branche. Er ist unter anderem Künstlermanager, verhandelt mit TV-Produktionen und berät Reality-TV-Stars. Mit Blick auf die vergangenen Jahre stellt er einen Wandel im Reality-TV fest. Es gebe nicht nur wesentlich mehr solcher Formate, sie seien auch "rauer" und die Themen "polarisierender, extremer" geworden. "Natürlich kann man jemanden, der polarisiert, immer besser verkaufen als jemanden, der nicht polarisiert. Davon leben die Formate. Das war auch schon immer so, aber es gibt auch Grenzen, die nicht überschritten werden sollten." Im Fall von Petrović sieht Wagner eine solche Grenzüberschreitung – oder vielmehr darin, wie RTL mit dem Eklat umgeht. Warum RTL etwa nicht darauf eingeht, dass Nwattu verletzt worden sein soll, kann er nicht verstehen. Immerhin gibt es das Gerücht über diesen Vorfall bereits seit mehreren Monaten. "Vielleicht aus dem Grund, dass man sich dann der Verantwortung stellen müsste, der man ja offensichtlich nicht nachgekommen ist. Dass man nicht reagiert hat, ist die eine Sache. Dass man versucht, die Sache nicht zu besprechen, ist die andere." Er wünscht sich mehr Konsistenz bei den Werten, die RTL und Co. nach eigenen Angaben vertreten möchten. "Das Problem ist, dass Sender sich im öffentlichen Raum etwas auf die Fahne schreiben, wofür sie stehen, was sie nicht dulden. Und dann hat man doch das Gefühl, dass das in der Realität nicht eingehalten wird, wenn es Quote bringt." RTL rechtfertigt Entscheidung um Petrović Zu den aktuellen Vorwürfen äußerte sich RTL auf Anfrage von t-online. In einer Stellungnahme heißt es: "Unser Anspruch ist es, authentische zwischenmenschliche Dynamiken abzubilden – dazu gehören auch Konflikte und emotionale Ausnahmesituationen. Für RTL hat der Schutz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer grundsätzlich in jedem Format höchste Priorität." Und weiter: "'Prominent getrennt' zeigt zwischenmenschliche Konflikte unter teilweise hohem emotionalem Druck. Dabei können auch problematische Verhaltensweisen sichtbar werden. Diese blendet RTL nicht aus, sondern zeigt sie bewusst, um Dynamiken nachvollziehbar zu machen und nicht zu verharmlosen." Entscheidend sei für den Sender die Einordnung der Streitszene. Diese "steht nicht isoliert, wird nicht normalisiert, sondern innerhalb der Folge durch Reaktionen der Beteiligten und anderer Teilnehmerinnen und Teilnehmer klar bewertet. Dazu gehört auch, dass Aleks sein Verhalten unmittelbar als Fehler bezeichnet und sich bei Vanessa dafür entschuldigt." Zudem betonte der RTL-Sprecher, dass während der Produktion jederzeit die Möglichkeit einer medizinischen und psychologischen Betreuung gewährleistet war. Loading... Loading... Loading... Auf die Frage, weshalb Petrović die Show nicht verlassen musste, heißt es: "Entscheidungen über Maßnahmen in unseren Formaten werden stets anhand des konkreten Einzelfalls und des jeweiligen Gesamtkontexts getroffen. Dabei berücksichtigen wir sowohl den Ablauf der Situation als auch die Dynamik zwischen den Beteiligten. Unterschiedliche Formate und Situationen lassen sich deshalb nicht pauschal miteinander vergleichen." Das Ursprungsproblem, dass es in den Formaten regelmäßig zu Eskalationen kommt, könnte für RTL laut Ramon Wagner auf lange Sicht noch zum Problem werden. "In diesem Jahr haben wir einen Punkt überschritten. Man stumpft ab. Natürlich wollen die Leute auch jedes Jahr eine andere Eskalationsspirale." Gleichzeitig wird die Kritik immer lauter. Ramon Wagner: Gil Ofarims Dschungel-Sieg war der Wendepunkt Als Wendepunkt sieht Wagner Gil Ofarims Dschungelcamp-Sieg im Februar. "Die Leute fanden das nicht okay, dass er teilnehmen durfte und die Leute fanden es nicht okay, dass er gewonnen hat." Immerhin war auch Ofarim bereits Skandal-behaftet. Von da an habe Wagner ein Umdenken beobachtet. Der zweite Punkt sei Menowin Fröhlichs DSDS-Sieg gewesen. Auch hier habe sich RTL seine Regeln zurechtgelegt. "Man hat dieses Format so umgebaut, dass man ihn zum dritten Mal stattfinden lassen kann, was die Leute als sehr unfair den anderen Kandidaten gegenüber empfunden haben." Noch bringen solche Momente Quote, doch Wagner ist sich sicher, dass die Zuschauer schon bald das Interesse verlieren werden: "Wenn die Leute irgendwann abschalten, weil die Spirale überdreht wurde und sie nicht mehr zusehen wollen – diese Leute kriegst du auch nicht mehr zurück." Er sei sich über die Werbekrise in der Industrie und den Kampf um Streams bewusst. "Doch wenn man die Kernzielgruppe verliert, also die Reality-Liebhaber, dann wird es kritisch. Da muss man sich die Frage stellen, warum ist das so?" Er habe auch Verständnis für Produktionsfirmen, die einem "enormen Druck" ausgesetzt seien. Doch anstatt weiterhin auf Gewalt und Streit zu setzen, appelliert er an RTL, wieder echte Geschichten zu erzählen. Max Richard Leßmann: "Prognosen haben sich zugespitzt" Ein großer Fan, den RTL bereits verloren hat, ist Max Richard Leßmann. Gemeinsam mit Visa Vie moderierte der Autor von Oktober 2023 bis März 2025 den Reality-TV-Podcast "Radio Island". Trotz ihres großen Erfolgs beendeten sie das Projekt freiwillig. Der Grund: Reality-TV-Formate wurden für sie zu belastend, die Themen wurden zu ernst, der Spaß ging verloren. Daran hat sich seither nichts geändert. "Unsere Sorgen und Prognosen haben sich eher noch zugespitzt und wir bekommen auch jetzt noch immer viel Zuspruch für unsere Entscheidung", sagt Leßmann im Gespräch mit t-online. Empfohlener externer Inhalt Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Instagram -Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Instagram -Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren. Instagram-Inhalte immer anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen. Protagonisten wie Petrović hält er für ein Problem. Dennoch versucht Leßmann, das Positive zu sehen. "Ich habe immer noch die heimliche Hoffnung, dass wir angesichts dessen, was diese Menschen vor Millionenpublikum veranstalten, gemeinsam als Gesellschaft weiterkommen und uns darauf einigen, dass wir so nicht sein wollen. Reality-TV als Anstoß für einen konstruktiven gesellschaftlichen Diskurs." Doch die Komplexität dahinter, dass das Publikum jeden Skandal mit wachsender Aufmerksamkeit belohnt, ist ihm bewusst. Er befürchtet, "dass die Dinge sich mittlerweile so sehr gegenseitig bedingen, dass Reality-TV in einer absoluten Sackgasse steckt". Video "Die Skandale allein haben es so groß gemacht" Seine Prognose: Durch die Übersättigung an Formaten und Skandalen wird sich ein kurzfristiger Wandel vollziehen und sich das Feld wieder lichten. "Es wird dann eine Zeit kommen, in der wir uns langweilen, dann wird es wieder zur Sache gehen und am Ende werden wir in jedem Zyklus wieder an genau diesem Punkt landen. Denn als Reality-TV kleine skurrile Geschichten erzählt hat, war es eine Nische. Die Skandale allein haben es so groß gemacht." Für eine positive Entwicklung hofft er demnach zunächst auf weniger Formate. Das werde allerdings erst passieren, wenn die Übersättigung größer wird und die Quoten ausbleiben. Dennoch bleibt Max Richard Leßmann hoffnungsvoll: "Dann hat Reality vielleicht wieder Platz für herrlich seltsame Menschen, echte Stilblüten und berührende Geschichten. All das, weshalb ich mich mal irgendwann in diese Art der Unterhaltung verliebt habe."

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren