Proteste an Uni Düsseldorf wegen Vorlesung über „Trans
Startseite Politik Professorin wegen Vorlesung über „Trans-Identität“ im Kreuzfeuer: Hunderte Studenten protestieren Von: Stephanie Munk Uns auf Google folgen An der Universität Düsseldorf protestierten Hunderte Studierende gegen eine Vorlesung über Trans-Identität. An die Professorin gab es sogar Rücktrittsforderungen. Düsseldorf – Eine angeblich transfeindliche Vorlesung hat heute an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) für massiven Protest gesorgt. Am Dienstagmorgen (21. Juli) versammelten sich nach einem Aufruf mehrerer Studierendenverbände bis zu 500 Demonstrierende auf dem Campus. Sie forderten nicht nur die Absage der Veranstaltung, sondern teils auch die Entlassung der verantwortlichen Professorin. Im Zentrum der Proteste stand eine Psychologie-Professorin, die im Rahmen ihrer Lehrveranstaltung zur Entwicklungspsychologie einen Vortrag mit dem Titel „Entwicklung von Trans-Identität“ hielt. Die Frau lehrt seit 2007 an der Uni Düsseldorf und forschte zuvor fast zwei Jahrzehnte an renommierten US-Hochschulen, wie die Welt berichtet. In Einladung zur Vorlesung hieß es offenbar: „Trans-Ideologie ist wissenschaftlich nicht haltbar“ Aufmerksam auf die Veranstaltung wurden viele Studierende durch eine E-Mail der Professorin, die der Rheinischen Post vorliegt. Darin soll es heißen: „Trans-Ideologie ist wissenschaftlich nicht haltbar, verbreitet falsche Vorstellungen über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und gefährdet diese Entwicklung.“ Diese Auffassungen wollten wohl viele nicht so stehen lassen und forderten zum Protest gegen die Veranstaltung am heutigen Dienstag auf. In einem Aufruf auf Instagram schrieben die Studenten demnach: Die Wissenschaftlerin wolle darüber sprechen, „warum die Existenz von Trans*Identitäten wissenschaftlich nicht haltbar sei und die Verbreitung von ‚Trans-Ideologie‘ Kinder und Jugendliche gefährden würde“. Solche Aussagen seien „nicht nur menschenfeindlich, sondern auch wissenschaftlich falsch“. Proteste gegen Trans-Vorlesung an Uni Düsseldorf: Thesen seien „menschenverachtend“ Vor dem Gebäude, in dem die Vorlesung stattfinden sollte, skandierten die Demonstrierenden heute ab 10 Uhr Slogans, schwenkten Regenbogenfahnen und hielten Plakate mit Aufschriften wie „Protect Trans-Kids“ in die Höhe, wie die Rheinische Post berichtet. Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer ergriffen demnach das Mikrofon und bezeichneten die Thesen der Professorin als „diskriminierend und menschenverachtend“. Die umstrittene Vorlesung wurde schließlich in einen Saal am Rande des Campus verlegt, wo die Polizei Präsenz zeigte. Laut Polizei verlief die Kundgebung insgesamt friedlich. Die Rheinische Post befragte vor Ort auch Studenten. Ein Student der Medien- und Kulturwissenschaften sagte dabei, er habe die Vorlesung zu Trans-Identitäten nach zehn Minuten verlassen. Der 21-Jährige wird mit den Worten zitiert: „Es war sehr anstrengend, mit anzusehen, dass sich jemand im Namen der Wissenschaft dahinsetzen und Falschaussagen etwa über die Existenz von nur zwei biologischen Geschlechtern verbreiten darf, die sehr wahrscheinlich von Rechten gegen Transmenschen genutzt werden.“ Protestierende fordern teils Entlassung der Professorin wegen angeblicher Transfeindlichkeit Zu den treibenden Kräften hinter dem Protest gegen die Professorin zählten der Sozialistisch-Demokratische Studiverband Düsseldorf, die örtliche Juso-Hochschulgruppe, die Trans-Interessenvertretung TINBy sowie der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA). Letztere beiden Verbände fordern laut t-online ausdrücklich die Entlassung der Professorin, ein Campusverbot sowie eine Überprüfung aller ihrer Aussagen auf wissenschaftliche Fundiertheit. Die Studierendenvertretungen warfen der Universität zudem Widersprüchlichkeit vor: Die Uni rühme sich mit „Vielfalt und Akzeptanz“, lasse aber zugleich „transphobe Veranstaltungen“ zu. Nicht alle Studierendengruppen stimmten in den Ruf nach Entlassung der Professorin ein. Auch der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) hatte zunächst den Demo-Aufruf mitverbreitet, wandte sich laut Rheinischer Post aber gegen Entlassungsforderungen: „Die Freiheit von Forschung und Lehre schützt auch kontroverse wissenschaftliche Positionen.“ Die AStA rückte im Verlauf des Dienstages von seinen schärfsten Forderungen ab und erklärte laut Rheinischer Post: „Wir rufen zum friedlichen und wissenschaftsbasierten Austausch mit der Professorin auf.“ Professorin äußert sich zu Vorwürfen, sie sei transphob: „Menschen jeder Identität willkommen“ Die Professorin selbst betonte laut Rheinischer Post, sie diskriminiere „selbstverständlich keine einzelnen Menschen oder Menschengruppen. Auch in meinem persönlichen Leben sind Menschen jeder Identität willkommen.“ In ihrer Vorlesung gebe sie Studierenden des Bachelor-Studiengangs Psychologie lediglich einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung. Es gehe um „bestehende Forschungslücken, wissenschaftliche Kontroversen sowie unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten empirischer Befunde“. In ihrer Vorlesung am heutigen Dienstag ging es laut Rheinischer Post dann auch um die Zunahme von Trans-Diagnosen sowie um Begleiterkrankungen wie Depressionen und ADHS. Laut dem Medienbericht ignorierte die Professorin dabei Zwischenrufe. Universität Düsseldorf stellt sich trotz Protesten wegen Trans-Vortrag hinter Professorin Die Universität Düsseldorf stellte sich klar hinter ihre Professorin. Eine Absage der Vorlesung oder personalrechtliche Konsequenzen seien „nicht vorgesehen“, erklärte ein Universitätssprecher gegenüber t-online: „Die Heinrich-Heine-Universität achtet das Grundrecht der Freiheit von Forschung und Lehre.“ Wissenschaft lebe davon, dass Thesen hinterfragt und diskutiert würden. Die wissenschaftlichen Hypothesen und Unterrichtsinhalte einer Forscherin sind Teil der Wissenschaft auch dann, wenn sie bestimmten Personen missfallen. Gleichzeitig betonte die Hochschule, sie dürfe kein Ort für die Diskriminierung Einzelner oder von Minderheiten sein. Die Proteste gegen die Trans-Vorlesung wertete die Uni als „Ausdruck der Meinungsfreiheit, solange sie friedlich verläuft und die Lehrveranstaltung selbst nicht beeinträchtigt wird“. Netzwerk fordert Stellungnahme der Uni gegen „Wissenschaftsfeindlichkeit“ Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, das sich gegen ideologisch motivierte Eingriffe in Forschung und Lehre einsetzt, meldete sich auf der Online-Plattform X zu Wort und erklärte, die Kritik der Protestierenden würde die Wissenschaftsfreiheit missachten. „Die Forderung, ihre Auffassungen müssten wissenschaftlich überprüft werden, zeigt zudem ein bestürzendes Fehlverständnis von Wissenschaft insgesamt. Die wissenschaftlichen Hypothesen und Unterrichtsinhalte einer Forscherin sind Teil der Wissenschaft auch dann, wenn sie bestimmten Personen missfallen“, heißt es.