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Prozess: Als falscher Arzt bei Beauty

Nation

Ein 28-jähriger Rettungssanitäter soll sich wochenlang als Arzt ausgegeben und in einer Praxis von Beauty-Influencern in Konstanz hunderte Patientinnen und Patienten behandelt haben. Seit April sitzt er in Untersuchungshaft, ab Montag steht er wegen Urkundenfälschung, Betrug und gefährlicher Körperverletzung in 470 Fällen vor dem Landgericht Konstanz. Er ist einschlägig vorbestraft.

Als Arzt in Praxis von Beauty-Influencern ausgegeben: Was dem Angeklagten vorgeworfen wird

Der 28-Jährige arbeitete im März und April dieses Jahres gut sechs Wochen als "Dr. Lukas" für die Beauty-Influencer "Dr. Rick und Dr.Nick". Sie betreiben unter dem Namen "Aesthetify" in verschiedenen Städten, auch in Konstanz, Praxen für ästhetische Gesichtsbehandlungen. Dort soll der Angeklagte etwa 400 Patientinnen und Patienten behandelt haben - ohne ärztliche Zulassung. Als "Dr. Lukas" soll er für die Beauty-Kette eine sechsstellige Summe umgesetzt haben.

Laut Anklage spritzte er den Kunden unter anderem Botox und Hyaluronsäure. Über 100 der Behandelten hätten einen Strafantrag gestellt, so eine Sprecherin des Landgerichts.

Wie konnte ein Rettungssanitäter als Arzt arbeiten?

Der 28-jährige Rettungssanitäter soll gefälschte ärztliche Prüfungsbescheinigungen und eine gefälschten Approbationsurkunde über seine staatliche Zulassung als Arzt vorgelegt haben. Tatsächlich verfügt er laut Anklage lediglich über eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Rettungssanitäter. Er flog auf, als die Ärztekammer Niedersachsen gegen ihn Strafanzeige erstattete. Sie hatte in einer Instagram-Story den vermeintlichen Arzt praktizierend bei der Firma "Aesthetify" erkannt.

Der Angeklagte hatte nämlich laut Gericht in der Vergangenheit auch eine gefälschte Approbationsurkunde bei der Ärztekammer Niedersachsen vorgelegt. Er war deswegen vom Amtsgericht Braunschweig verurteilt worden, teilte das Konstanzer Landgericht mit.

Wie sich die Beauty-Kette "Aesthetify" zu den Vorwürfen stellt

Das Unternehmen "Aesthetify" gehört den zwei Beauty-Influencern "Dr. Rick und Dr. Nick", mit bürgerlichem Namen Henrik Heüvelkopp und Dominik Bettray. Sie betreiben bundesweit sechs solcher Schönheitspraxen. Das Unternehmen hat nach Angaben einer Sprecherin auch Strafantrag gegen ihren ehemaligen Mitarbeiter gestellt - wegen Täuschung.

Der Mann habe bei seiner Bewerbung ein Zeugnis über das Bestehen der ärztlichen Prüfung, eine Approbationsurkunde und einen ausführlichen Lebenslauf mit dreijähriger Berufserfahrung in der ästhetischen Medizin vorgelegt. Die Fälschung sei äußerlich nicht erkennbar gewesen, heißt es von der Unternehmenssprecherin.

Das Arbeitsverhältnis habe man sofort beendet und alle betroffenen Patientinnen und Patienten Ende April angeschrieben und informiert. Ihnen sei eine kostenfreie medizinische Nachuntersuchung und eine persönliche Beratung angeboten worden. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben, ob sich womöglich auch Personen aus dem Beauty-Unternehmen strafbar gemacht haben.

Wie gefährlich sind nicht fachgerecht durchgeführte ästhetische Behandlungen?

Grundsätzlich darf in Deutschland jede Ärztin und jeder Arzt mit einer staatlichen Zulassung (Approbation) Hyaluronsäure oder das Nervengift Botox spritzen. Eine besondere Regelung gilt für Zahnärzte. Sie dürfen ästhetische Injektionen nur im Mund- und Lippenrotbereich durchführen. Behandlungen an Stirn oder Augen sind ohne ärztliche Approbation verboten. So muss sich in Konstanz zur Zeit eine Kieferorthopädin vor dem Landgericht verantworten, weil sie in über 275 Fällen unerlaubt Botox gespritzt haben soll.

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