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Prozess in Berlin: Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Nation

Wegen Mordes in 15 Fällen hat das Landgericht Berlin einen Palliativarzt zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest, ordnete Sicherungsverwahrung an und verhängte ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Mann. Der 41-jährige Arzt sitzt seit August 2024 in Untersuchungshaft. Lange hatte er zu den Vorwürfen geschwiegen, kurz vor Prozessende gestand er dann zwölf der 15 Morde, die ihm die Anklage vorwarf. »Ich bin erst jetzt in der Lage, mein Handeln zu erklären, und übernehme die Verantwortung für meine Taten«, sagte er. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten »Leid und Siechtum« zu ersparen. »Bei allem habe ich gedacht, das sei das Beste für alle.« Er bat die Angehörigen seiner Opfer um Entschuldigung. Es gibt den Verdacht, dass der Palliativarzt noch weit mehr Menschen getötet haben könnte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in 76 weiteren Fällen und geht von einer weiteren Anklage aus. Der Beschuldigte kündigte an, sich in einem weiteren Verfahren deutlich früher äußern zu wollen. Psychiaterin hält Arzt für voll schuldfähig Im jetzt zu Ende gegangenen Verfahren ging es um den Tod von zwölf Frauen und drei Männern zwischen September 2021 und Juli 2024. In der Anklage hieß es, der Mediziner habe diese jeweils ohne »medizinische Indikation und ohne deren Wissen und Zustimmung« getötet, indem er ihnen ein tödliches Medikamentengemisch verabreichte. Das jüngste Opfer war 25 Jahre alt, das älteste 94. Die Opfer waren zwar alle schwer krank, ihr Tod stand laut Anklage aber nicht unmittelbar bevor. Eine psychiatrische Sachverständige hatte im Prozess gesagt, dass der Angeklagte ihrer Einschätzung nach voll schuldfähig sei. Es lasse sich keine relevante Erkrankung feststellen. Der 41-Jährige hatte eine Begutachtung durch die Sachverständige abgelehnt, diese musste durch ihre Eindrücke aus dem Prozess zu ihrer Einschätzung kommen. Motiv für Taten nicht vollständig geklärt Die Frage des Motivs sei in seiner Erklärung offengeblieben, sagte die Gutachterin. Festzustellen sei eine Selbstunsicherheit, die bereits in der Kindheit begonnen habe und zu einem »Leitthema« geworden sei. Der Arzt habe sich über die Arbeit definiert, sei von Zeugen als »der Nette, Liebe, Hilfsbereite« beschrieben worden. Möglicherweise sei es bei den Taten um ein »Machtgefühl« gegangen – »ein ängstlicher Mensch, der Machterfahrung haben will«. Ob der Mann in 15 Jahren noch gefährlich sei, lasse sich schwer voraussagen. Seine Aussage sei ein erster Schritt dazu, zum jetzigen Zeitpunkt sei die Gefahr aber noch nicht gebannt. Auslöser der Ermittlungen gegen den Arzt waren Brände, die er gelegt haben soll, um Tötungen von Patienten zu verdecken. Zunächst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt. Dabei geriet der Angeklagte zunehmend in den Fokus. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft Hinweise des Pflegedienstes, für den der Beschuldigte gearbeitet hatte. Der Fall könnte sich zu einer der größten Mordserien der deutschen Nachkriegsgeschichte entwickeln. Als größte gilt bislang der Fall des Ex-Pflegers Niels Högel, der wegen 85 Morden an Patienten 2019 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Textes stand, dass der Palliativarzt zwölf Männer und drei Frauen getötet haben soll. Korrekt ist, dass es sich um zwölf Frauen und drei Männer handelte. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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