Prozessbeginn in Kiel: Betrug um Sozialabgaben in Millionenhöhe
Stand: 04.08.2026 19:41 Uhr Ein Firmenchef soll ausländische Arbeitnehmer ohne korrekte Anmeldung beschäftigt haben. Laut Anklage entstand den Sozialversicherungen ein Schaden von mehr als 3,6 Millionen Euro. Am Dienstag begann der Prozess gegen den Angeklagten in Kiel. Im Februar hatte der Zoll bundesweit Durchsuchungen durchgeführt, unter anderem in Norderstedt (Kreis Segeberg), Pinneberg und Lübeck. Damals ging es um den Verdacht, dass der Inhaber mehrerer Unternehmen, die deutschlandweit Hotelreinigungen durchführen, der Sozialversicherung mehr als 1,5 Millionen vorenthalten haben soll. Am Dienstag hat der Prozess gegen ihn am Landgericht Kiel begonnen - für den Prozess sind derzeit 21 Verhandlungstage angesetzt. Angeklagter schweigt zum Prozessbeginn in Kiel Der Angeklagte selbst äußerte sich zum Prozessbeginn noch nicht zu den Vorwürfen. Im nächsten Schritt beraten die Beteiligten an dem Verfahren außerhalb der Hauptverhandlung über eine mögliche strafrechtliche Verständigung, heißt es vom Gericht. Nach bisherigen Ermittlungen geht es um einen deutlich höheren Betrag, als ursprünglich angenommen. In der Anklageschrift ist von mehr als 3,6 Millionen Euro die Rede, die der Angeklagte vorenthalten oder veruntreut haben soll. Arbeitnehmer ohne Aufenthaltstitel? Von März 2024 bis Februar 2026 soll der 43-Jährige laut Staatsanwaltschaft fünf Unternehmen, unter anderem in Norderstedt, als faktischer Geschäftsführer geführt haben. Für diese Unternehmen soll eine größere Zahl ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gearbeitet haben. Allerdings - so der Vorwurf - seien sie weder bei der Sozialversicherung noch dem Finanzamt angemeldet gewesen. Einige der ausländischen Arbeitnehmer sollen laut Staatsanwaltschaft außerdem keinen erforderlichen Aufenthaltstitel gehabt haben. Dem Angeklagten wird deshalb auch vorgeworfen, ausländische Arbeitnehmer nach Deutschland gebracht und ihren unerlaubten Aufenthalt ermöglicht zu haben. Komplexes Verfahren - über 20 Prozesstage angesetzt Darüber hinaus muss sich der Mann wegen des Verdachts der Urkundenfälschung verantworten. Konkret soll er Bankkonten mithilfe gefälschter Dokumente eröffnet haben. Wegen der verschiedenen Tatvorwürfe und der voraussichtlich großen Menge an Beweismitteln geht die Staatsanwaltschaft von einem komplexen Verfahren aus. Bis Mitte November sind mehr als 20 Verhandlungstage angesetzt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen bereits seit 2024. Parallel wird gegen vier weitere Beschuldigte ermittelt. Sie sollen formell für die Firmen verantwortlich gewesen sein.