PS5 & PS6: Während Sony zum Disc-Aus weiter schweigt, setzen die Spieler auf kreativen Protest
In der vergangenen Woche nahm Sony eine der wohl folgenschwersten Ankündigungen der letzten Jahre vor. Wie das Unternehmen bekannt gab, werden PlayStation-Spiele ab Anfang 2028 nur noch digital im PlayStation Store oder in Form von Download-Codes über den Einzelhandel vertrieben. Die Disc als Medium für Videospiele hingegen fällt komplett weg. Eine Ankündigung, die natürlich schnell dafür sorgte, dass die Spieler auf die Barrikaden gingen. Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen und Sony zu einem Umdenken zu bewegen, kündigten die Spieler unter anderem einen Boykott der PS6 und Massenkündigungen ihrer PlayStation-Plus-Mitgliedschaften an. Während Sony zu dem Thema weiter schweigt und offenbar versucht, den Gegenwind seitens der Gaming-Community einfach auszusitzen, fand diese auf X eine weitere Form des kreativen Protests: die Community-Notes, die in Deutschland den Namen „Kollektive Anmerkungen“ tragen und von Usern genutzt werden können, um Informationen oder einen Kontext zu bestimmten Themen zu liefern. Community-Notes als Protestmittel der Spieler Ein Blick auf den offiziellen X-Account von PlayStation zeigt, dass Spieler die Community-Notes massiv für ihren Protest nutzen. Nahezu alle aktuellen Beiträge des Unternehmens werden inzwischen mit crowd-basierten Kontexten versehen, die kritisch auf das Aus für physische Datenträger und die daraus resultierenden negativen Auswirkungen auf Spieler sowie deren Eigentumsrechte hinweisen. „Es ist wichtig anzumerken, dass digitale Spiele im PlayStation-Ökosystem Bedenken hinsichtlich der Verbraucherrechte aufwerfen, da Sony den Zugriff jederzeit frei widerrufen kann. Darüber hinaus beseitigt Sonys Entscheidung, das physische Format auslaufen zu lassen, den freien Wettbewerb und schafft ein Monopol“, heißt es in einer der Community-Notes beispielsweise. Auch vor Beiträgen, mit denen Sony beziehungsweise PlayStation Spiele der Dritthersteller bewerben, macht der Protest der Spieler nicht Halt. Dies zeigt beispielsweise ein Beitrag zum im September erscheinenden Rollenspiel „The Blood of Dawnwalker“, bei dem die Community-Notes ebenfalls nicht mit Kritik an Sonys Geschäftspolitik sparen. „Sonys plötzliche Wende zum Digitalen ohne Information der Partner, sein schlechtes digitales Ökosystem in wichtigen Märkten, die Verzweiflung, den Einzelhandel und den Wiederverkauf auszumerzen, und Führungskräfte, die Aktien verkaufen, deuten auf massive Instabilität im Unternehmen hin. Dieser Inhalt könnte nicht lange Bestand haben“, lautet einer der unterschiedlichen Community-Hinweise. Warum Experten nicht mit einem Umdenken rechnen Auch wenn nicht davon auszugehen ist, dass die Kritik der Spieler auf absehbare Zeit abebbt, gehen Experten davon aus, dass der Protest der Gaming-Community ins Leere laufen wird. Wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, ging der Absatz von physisch verpackten Spielen kontinuierlich zurück. Eine Entwicklung, die laut Analysten Sonys Aussage stützt, dass das Unternehmen mit dem Aus der Disc lediglich auf das sich wandelnde Kaufverhalten der Kunden reagiert. Ein weiterer Punkt, der gegen eine Kehrtwende von Sony spricht, sind die mit dem digitalen Vertrieb verbundenen Gewinnmargen, die höher ausfallen, da neben der Produktion der Discs auch die Kosten vermieden werden können, die für Lagerung und Verkauf über den Einzelhandel anfallen. Hinzu kommt, dass Sony beim Verkauf von Dritthersteller-Spielen auf Disc eine Provision von 15 Prozent einbehält. Bei einem Verkauf über den PlayStation Store hingegen sind es 30 Prozent.