Psoriasis und Herzinfarkt: Entzündungen erhöhen Risiko um 58%
Schuppenflechte ist mehr als eine Hauterkrankung – sie belastet den ganzen Körper. Besonders das Herz-Kreislauf-System leidet unter den chronischen Entzündungen. Studien zeigen: Je schwerer die Psoriasis, desto höher das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Entzündung als Treiber für Herzinfarkt und Schlaganfall Eine bereits 2013 veröffentlichte Studie im Journal of the American Academy of Dermatology bezifferte das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei schwerer Psoriasis auf 58 Prozent. Bei mittelschweren bis schweren Verläufen sei das Herzrisiko mit dem von Typ-2-Diabetes vergleichbar, so die Experten. Die richtige Therapie kann gegensteuern. Daten aus dem Jahr 2017 zeigen: Biologika wie TNF-alpha- oder IL-17-Inhibitoren senken das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um rund 20 Prozent. Auch die Gelenke sind oft betroffen – bis zu 30 Prozent der Patienten entwickeln eine Psoriasis-Arthritis. Aktuelle Untersuchungen aus dem Jahr 2026 deuten darauf hin, dass der Wirkstoff Secukinumab subklinische Entzündungen an den Sehnenansätzen bereits nach sechs Wochen reduziert. Das könnte eine präventive Wirkung gegen Gelenkschäden haben. Zweifel an der Entzündungshypothese Doch die gezielte Entzündungshemmung liefert auch diskussionswürdige Ergebnisse. Die Ende Juli 2026 veröffentlichte ZEUS-Studie mit dem Wirkstoff Ziltivekimab senkte bei über 6.300 Patienten zwar deutlich die Entzündungswerte wie IL-6 und C-reaktives Protein (CRP). Aber: Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle wurden im Vergleich zur Placebo-Gruppe nicht reduziert. Das stellt die bisherige Entzündungshypothese der Atherosklerose teilweise infrage. Weitere Antworten erhoffen sich Forscher von den laufenden Studien HERMES und ARTEMIS, deren Ergebnisse für 2027 erwartet werden. Anzeige Psoriasis ist mehr als eine Hauterkrankung – die Entzündungen erhöhen Ihr Herzinfarktrisiko um bis zu 58%. Erfahren Sie, wie Sie mit der richtigen Therapie und Bewegung gegensteuern können. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern Parallel untersuchen Wissenschaftler der Harvard Medical School einen anderen Ansatz: Können Schmerzsignale aus den Nervenfasern der Haut die autoimmune Reaktion bei Psoriasis befeuern? Eine gezielte Schmerztherapie könnte den Entzündungszyklus möglicherweise unterbrechen. Neue Wirkstoffe, neue Hoffnung Auch bei Begleiterkrankungen wie Adipositas und Diabetes tut sich etwas. Eine 2026 im British Medical Journal veröffentlichte Studie untersuchte den Wirkstoff Tirzepatid: Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sank innerhalb eines Jahres von 4,4 auf 2,9 Prozent. Krankenhauseinweisungen wegen Infektionen gingen sogar um 36 Prozent zurück. Doch Medikamente allein reichen nicht. Die UK-Biobank zeigt mit über 17.000 Teilnehmern: Bereits 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche senken das kardiovaskuläre Risiko um 8 bis 9 Prozent. Wer mehr will, muss mehr tun – für eine Reduktion von über 30 Prozent sind 560 bis 610 Minuten pro Woche nötig. Neue Definitionen, neue Zusammenhänge Anzeige Neue Studien zeigen: Bestimmte Wirkstoffe senken das Herzrisiko bei Psoriasis um 20%. Doch nicht jede Therapie wirkt gleich. Holen Sie sich den Überblick über wirksame Behandlungen und aktuelle Forschungsergebnisse. Überblick jetzt kostenlos anfordern Auch die Diagnostik entwickelt sich weiter. AHA, ACC und ESC haben 2026 eine neue universelle Definition der Herzinsuffizienz vorgelegt. Statt starrer Grenzwerte für die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) setzt sie auf flexiblere Phänotypen, um Krankheitsverläufe zwischen Remission und Verschlechterung präziser abzubilden. Und dann ist da noch die Darm-Haut-Achse: Groß angelegte Kohortenstudien zeigen ein um 35 Prozent erhöhtes Psoriasis-Risiko bei Patienten mit Reizdarmsyndrom (IBS). Ein Hinweis auf eine gemeinsame Pathophysiologie, die künftig stärker in den Fokus rücken dürfte.