Psychologin erläutert 7 Persönlichkeitsmerkmale von Menschen, die schnell gehen
Montagmorgen, Bahnhof, die Türen gehen auf – und sofort teilt sich die Menge in zwei Lager. Die einen schießen zielstrebig über den Bahnsteig, die anderen schlendern, als hätten sie alle Zeit der Welt. Das sorgt regelmäßig für gegenseitiges Augenrollen und vor allem Unverständnis.
Doch hinter dieser alltäglichen Szene steckt mehr als eine Frage von Eile oder Gelassenheit, sagt die kanadische Psychologin Christal Castagnozzi. Gegenüber dem Portal „Upworthy“ beschreibt sie, wie die Gehgeschwindigkeit mit grundlegenden Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen könnte.
Sieben Eigenschaften schneller Geher
So seien Menschen, die schnell gehen, möglicherweise gewissenhafter. „Menschen, die diese Eigenschaft in hohem Maße aufweisen, neigen dazu, ihre Zeit gut einzuteilen und zielgerichtet zu handeln. Untersuchungen zeigen, dass schnelle Geher typischerweise zielgerichtetes Verhalten an den Tag legen, was ein Kennzeichen dieser Eigenschaft ist“, sagt Castagnozzi.
Insgesamt schreibt sie schnellem Gehen sieben Eigenschaften zu:
Gewissenhaftigkeit
Extraversion
emotionale Stabilität
Offenheit für neue Erfahrungen
Verträglichkeit
Durchsetzungsfähigkeit
Ehrgeiz
Vor allem für die ersten drei Punkte gibt es laut Castagnozzi eine solide Studienlage. „Studien zeigen, dass extrovertierte Menschen sich tendenziell mehr bewegen und eine energiegeladene Körpersprache haben. Ein schnelleres Schritttempo passt dazu, da es den erhöhten Tatendrang widerspiegelt.“ Auch würden umfangreiche Studien zeigen, dass emotional stabile Menschen schneller gehen – denn wer emotional stabil sei, verbrauche weniger Energie durch Grübeln und gehe deshalb mit mehr Leichtigkeit.
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Nicht alle Verbindungen sind so eindeutig
Bei den anderen Punkten lohnt sich ein genauerer Blick. Castagnozzi räumt selbst ein, dass Erlebnisoffenheit zwar „mit Vorstellungskraft, Neugier auf Neues und Entdeckungslust in Verbindung gebracht wird“, aber nicht direkt mit der Gehgeschwindigkeit zusammenhängt. Vielmehr könnte Neugier auf Neues und Begeisterung zu einem schnelleren Schritttempo führen. Und bei Verträglichkeit beschreibt sie eher ein Anpassen an das Tempo anderer als ein generell höheres Grundtempo.
Der Gang als emotionales Barometer
Was unsere Ganggeschwindigkeit über unser Innenleben aussagen kann, fasst Wirtschaftspsychologe und Mimik-Experte Joern Kettler zusammen: „Freude, Ärger oder Angst lassen uns schneller laufen. Trauer, Langeweile oder Müdigkeit verlangsamen uns“, schreibt er in einem Beitrag bei FOCUS online. Nicht nur die Gehgeschwindigkeit könne etwas über eine Person verraten, drei weitere Faktoren seien entscheidend:
Schrittlänge
Armschwung
Fußgewicht
Stolz und Ärger zeigen sich demnach in langen, energischen Schritten, Traurigkeit in kurzen, schleppenden. Gute Laune lasse die Arme locker mitschwingen, Erschöpfung lasse sie schwer herunterhängen. Und wer genau hinhört, merkt laut Kettler den Unterschied auch akustisch: „Ärger stampft. Freude federt.“ Er bilanziert: „Kurz gesagt: Der Gang ist ein emotionales Barometer.“
Der Effekt funktioniert laut Kettler in beide Richtungen. Er verweist auf Forschungsergebnisse wonach ein bewusst schwungvollerer Gang die eigene Stimmung heben kann. Wer sich morgens antriebslos fühlt und trotzdem energisch losgeht, tut damit also nicht nur etwas für seine Wirkung nach außen.