Psychologin untersucht, ob beliebtes Hobby hilft
Startseite
Panorama
Psychologin untersucht, ob beliebtes Hobby gegen Alzheimer hilft
Von: Jana Stäbener
Uns auf Google folgen
Kann Singen sich positiv auf Alzheimer-Demenz auswirken? Ein neues Forschungsprojekt der Universität Wien soll das herausfinden und sucht noch Probanden.
Frankfurt – Manche Melodien sind so tief in unserem Gedächtnis verankert, dass wir sie selbst im Halbschlaf summen können. Besondere Lieder vergessen wir unser Leben lang nicht – ganz im Gegensatz zu anderen Erinnerungen, die mit fortschreitendem Alter langsam verblassen. Doch warum ist das so? Das möchte die Psychologin Anja-Xiaoxing Cui herausfinden. Sie forscht am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien im Bereich Neuromedialität und Systematische Musikwissenschaft und leitet das Forschungsprojekt „Musik für das Gedächtnis“, das vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird.
Dafür bekommen 100 Personen über 65 mit Alzheimer-Demenz und ohne musikalische Vorkenntnisse in Wien, Norwegen und Argentinien ein Jahr lang Gesangsunterricht. „Unser Ziel ist es, herauszufinden, ob die Probanden neue Musik erlernen können und, ob dieses musikalische Gedächtnis sich positiv auf ihre anderen Gedächtnisfunktionen auswirkt“, sagt Cui der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Es steht im Raum, ob das Singen einer Alzheimer-Demenz vorbeugen könnte. Aber noch steht das Projekt ganz am Anfang.
Studien lassen positive Wirkung von Musik aufs Gehirn vermuten
Aus Einzelfallstudien sei schon länger bekannt, dass auch Personen mit fortgeschrittener Alzheimer-Demenz oder Amnesien neue Lieder lernen könnten – ganz im Gegensatz zu anderen neuen Inhalten. Um zu verstehen, warum das so ist, wollen Cui und ihre Kollegen und Kolleginnen die Gehirne der Probanden mit EEG und MRT-Bildgebung untersuchen. Und sie wollen „den Effekt des Musikunterrichts besser isolieren“, sagt die Psychologin der Frankfurter Rundschau. „Wir wollen am Ende wirklich sagen können, was auf das Musizieren zurückzuführen ist und was nicht. Wir wollen außerdem Rückschlüsse ziehen, wo im Gehirn musikalische Erinnerungen gespeichert werden.“
Es seien schon viele Studien durchgeführt worden, deren Ergebnisse eine vorbeugende Wirkung von Musik aufs Gehirn vermuten lassen. Vor allem bei Menschen, die als Hobby musizieren. „Man muss da aber vorsichtig sein. In solchen Studien wird oft nicht berücksichtigt, wer überhaupt Zugang zu Musikunterricht hat. Das sind oft Menschen aus sozial besser abgesicherten Umgebungen“, sagt Cui, die an der Queen’s University in Kanada in Psychologie promoviert hat und davor Klavier an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln studierte. Also Menschen mit einem allgemein gesünderen Lebensstil beispielsweise. In ihrem Forschungsprojekt sei die Zuteilung randomisiert, was dafür sorge, dass Unterschiede gleichmäßig verteilt seien.
Musik für das Gedächtnis
Das Projekt „Musik für das Gedächtnis“ (2025–2029) wird vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert. Interessierte aus Wien, die an der wissenschaftlichen Studie als Probandinnen und Probanden teilnehmen wollen, können sich direkt an die Projektleiterin wenden: anja.cui@univie.ac.at
Gegen Alzheimer. „Wichtig ist, neue Lieder zu singen, nicht nur altbekannte Stücke“
Cui erklärt das Studiendesign so: Ein Teil der Probandinnen und Probanden bekommt einmal im Monat, und ein Teil zweimal pro Woche Gesangsunterricht von einer Musiktherapeutin. Diese Einzelcoachings seien der Rahmen, um die Alzheimer-Patient:innen regelmäßig zum Musizieren zu bewegen. Im Laufe des Unterrichtsjahres führt das Forschungsteam EEG- und MRT-Messungen durch – ebenso mit einer Vergleichsgruppe von gesunden Personen im gleichen Alter –, um natürliche Alterungsprozesse des Gehirns zu berücksichtigen.
„Wenn unsere Studie zeigt, dass dieser Musikunterricht etwas bringt, dann könnte dies auch für normales Singen ohne Unterricht gelten. Ob in der Dusche, beim Aufräumen oder beim Kochen“, sagt Cui. Dann könnte dann auch eine vorbeugende Wirkung im Raum stehen. „Wichtig ist primär, auch neue Lieder zu singen und nicht nur die altbekannten Stücke. Für das Gehirn ist es nicht entscheidend, ob die Töne perfekt sind“, sagt die Psychologin der Frankfurter Rundschau. „Am Ende geht es darum: Können wir das in unseren Alltag einbauen? Genau deswegen haben wir uns für Gesang entschieden. Im Gegensatz zu einem Klavier oder einer Gitarre, sind die meisten Menschen intuitiv dazu in der Lage, mit ihrem Vokaltrakt Töne zu produzieren.“
Hinzu komme, dass Singen einfach gut sei für den Körper, sagt Cui. Das wisse man aus anderen Studien. „Allein schon deswegen, weil wir uns aufrichten, tief einatmen.“ Es gebe auch Studien mit Chören, bei denen sich zeigte, dass Teilnehmer und Teilnehmerinnen durch das gemeinsame Singen ihre Hirnleistung verbesserten – unter anderem, weil sie ihr Gehör trainierten. „Das Gehör ist wichtig für unser Gehirn, weil darüber Reize wahrgenommen werden, die das Gehirn auf Trab halten“, sagt sie. Und weil Hörstörungen und Hörverlust im Alter sehr isolierend sein können. (Quellen: eigene Recherche, FWF)