Putin spricht mit Kommandeur - doch der ist offenbar lange tot
Bericht zur Lage an der Front Rätsel um Putin-Telefonat: Kommandeur wohl lange tot Von t-online, wan Aktualisiert am 09.08.2026 - 05:58 UhrLesedauer: 2 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Wladimir Putin lässt sich zur Frontlage berichten. Doch sein Gespräch mit einem Kommandeur wirft Fragen auf. Der Kreml hat eine Mitschrift eines Telefonats von Präsident Wladimir Putin mit einem Kommandeur an der Front veröffentlicht, in dem dieser die Lage in Pokrowsk und Dobropillja beschreibt und von der Einnahme der Stadt Pokrowsk spricht. Doch an der Authentizität des Telefonats gibt es Zweifel, wie unter anderem das amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtet. Denn in dem Gespräch nennt Putins Gesprächspartner als seinen Namen Colonel Shikhabidow, Chef der russischen 76. Garde-Luftlandedivision. Das Problem: Laut mehreren russischen Quellen ist Shikhabidow seit Mai 2025 tot. Damals gab es Berichte über seine Beerdigung in Kaspiysk. Der aktuelle Kommandeur der Gardeeinheit sei Denis Shishow. Zweifel an Berichten über Kriegsverlauf Auch wenn Putin selbst den Namen seines Gesprächspartners nicht nennt, erregte der Fehler doch Aufmerksamkeit in russischen Medien. Putin fragte laut Mitschrift den Kommandeur, ob die Division in der Lage sei, die ihr übertragenen Aufgaben fristgerecht zu erfüllen, und "Shikhabidow" antwortete, dass dies der Fall sei und die Zeitvorgaben realistisch seien. Offenbar hatte der Kreml das Gespräch veröffentlicht, um Fortschritte an der Front zu propagieren und den Lapsus mit dem Kommandanten übersehen. Die russische Armee versucht seit Monaten, die ukrainischen Befestigungen um Pokrowsk und Dobropillja zu überrennen und die Städte einzunehmen. Russische Berichte über eine Eroberung wurden bislang von der Ukraine dementiert. Nach Ansicht des ISW zeigte das Putin-Gespräch auch, dass die russischen Einheiten Dobropillja als Priorität sehen und dort vermehrt angreifen wollen. Eine Einnahme liege aber noch in weiter Ferne, so die US-Analysten. Die Veröffentlichung des Gesprächsverlaufs könnte auch dazu dienen, Vorwürfe auszuräumen, nach denen Putin den Kontakt mit den Truppen an der Front verloren habe. Er lässt sich in der Regel Berichte seines Stabs vorlegen. Das ISW geht davon aus, dass die Militärs dem Kremlherrscher keine akkuraten Berichte vorlegen und die Lage an der Front beschönigen. ISW: Einnahme höchst unwahrscheinlich Das Institut hat Hinweise ausgewertet, nach denen russische Streitkräfte im Juni 2026 im taktischen Raum Dobropillja 2,23 Quadratkilometer verloren und im Juli 2026 in diesem Gebiet 34,67 Quadratkilometer gewonnen haben. Die Analyse zeigte auch, dass russische Streitkräfte im Juni 2026 im operativen Raum Pokrowsk 3,12 Quadratkilometer verloren und im Juli 2026 in diesem Gebiet 45,96 Quadratkilometer gewonnen haben, einschließlich russischer Vorstöße nordöstlich von Dobropillja. Die monatliche russische Vorrückrate im Juli 2026 liegt zwar über der vom Juni 2026, reicht nach Ansicht des ISW jedoch weiterhin nicht aus, um den verbleibenden Teil des Gebiets Donezk bis zu Putins neu gesetzter Frist am 31. Dezember 2026 einzunehmen. "Es ist nach wie vor höchst unwahrscheinlich, dass die russischen Streitkräfte den [ukrainischen] 'Festungsgürtel' oder den Rest des Donbass in absehbarer Zeit – wenn überhaupt – einnehmen können", so die Analyse.