Putin spricht mit Witkoff über Ukraine
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den US-Sondergesandten Steve Witkoff in St. Petersburg empfangen, um über neue Wege zur Beendigung des Ukraine-Kriegs zu beraten. Das Treffen am Mittwoch, die neunte persönliche Begegnung zwischen Witkoff und Putin, begann mit einer Geste des guten Willens von russischer Seite: der Freilassung des inhaftierten US-Bürgers Stephen Hubbard. Die Gespräche finden vor dem Hintergrund wachsender Sorgen in Kiew über eine zunehmende Distanzierung der USA unter Präsident Donald Trump statt.
Putin teilte Witkoff zu Beginn des Treffens mit, dass der 74-jährige Hubbard am Flughafen warte, um mit dem US-Sondergesandten in die USA zurückzufliegen. Witkoff dankte dem russischen Präsidenten für diesen Schritt.
Zur Zeit seiner Verurteilung war Hubbard 72 Jahre alt. Ein früherer ukrainischer Mitgefangener berichtete im Herbst 2024, der US-Bürger sei wie viele andere Inhaftierte mit Essensentzug und Elektroschocks gefoltert worden.
Trump lobte die Freilassung des Mannes. „Für diese Freilassung war kein ‚Austausch‘ erforderlich“, teilte Trump in seinem sozialen Netzwerk Truth Social mit. Die USA hätten keine Gegenleistung erbringen müssen.
Am Mittwoch hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB die Festnahme eines deutschen Staatsangehörigen gemeldet, der aus den ukrainischen Streitkräften geflüchtet sein soll. Er sei als ausländischer Söldner und Scharfschütze desertiert, nachdem er das versprochene Geld nicht erhalten habe, teilte der FSB nach Angaben der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Es werde über die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Söldnertums entschieden, hieß es. Der Mann soll laut dem Bericht von 1996 bis 2010 in der Bundeswehr gedient haben.
Putin berät mit Witkoff über Ukraine-Krieg
Bei dem Gespräch zwischen Putin und Witkoff ging es um ein Ende des Ukraine-Kriegs. Ein Fortschritt bei der Beilegung des Kriegs ist dem Kreml zufolge „theoretisch möglich“. Russland prüfe die US-Vorschläge, vieles hänge jedoch von der Ukraine ab, meldet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Präsidialamt in Moskau. Sollte Kiew nicht die notwendigen Entscheidungen treffen, werde sich die Lage für das Land verschlechtern. Die Gespräche zwischen Putin und Witkoff seien demnach ernsthaft und ausführlich.
Witkoff erklärte, es gebe eine Grundlage für einen Waffenstillstand. Er hoffe, dass Putin einer Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen den drei Parteien – Russland, den USA und der Ukraine – zustimme, meldeten die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Tass.
Putin dankte bei dem Treffen US-Präsident Donald Trump für dessen Bemühungen um eine Beilegung des Krieges. Der Kremlchef betonte, Russland sei an einer Wiederherstellung der Wirtschaftsbeziehungen zu den USA interessiert.
Derweil kündigte Moskau die Dieselverschiffung in die USA für Donnerstag an. „Dieser Tanker wird eine Ladefähigkeit von 40.000 Tonnen haben“, sagte Vizeregierungschef Alexander Nowak vor Journalisten. Der Anfang Oktober zwischen Trump und Putin geschlossene Deal hatte international scharfe Kritik ausgelöst.
Putin schlug außerdem erneut ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump in China vor. Der Kreml hatte die Möglichkeit eines Dreiertreffens zwischen Putin, Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des Apec-Gipfels im kommenden Monat ins Spiel gebracht. Es gebe dafür jedoch noch keine konkrete Agenda, teilte das Präsidialamt mit.
Zudem erkundigte sich Putin nach Witkoffs Unterredung mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag in Oslo. US-Außenminister Marco Rubio hatte diese Begegnung als positiv bezeichnet und angekündigt, Witkoff werde die Ergebnisse der russischen Seite präsentieren. Der US-Unterhändler hatte am Dienstag auch mit europäischen Spitzenpolitikern in Norwegen gesprochen. Er will von den Europäern und Amerikanern erarbeitete Vorschläge für eine Friedenslösung in dem russischen Angriffskrieg nun Putin unterbreiten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte klar, dass eine Aufgabe der Ukraine keine Option sei. Deutschland und die Europäer seien aber jederzeit zu Gesprächen bereit, sagte Merz in Berlin. „Wir leisten der Ukraine keine Unterstützung, um diesen Krieg in die Länge zu ziehen“, betonte der Kanzler. „Aber eine Kapitulation – oder gar eine bedingungslose Kapitulation der Ukraine – kommt nicht infrage. Denn das wäre eine Kapitulation von uns allen.“ Deshalb werde man die Ukraine im eigenen Interesse weiter unterstützen.