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Putin zürnt: Soldaten aus Russland haben wohl eine heilige Relique verloren

Welt

Soldaten verlieren Reliquie

Jetzt richtet sich der Zorn des Kremls gegen die Kirche

Aktualisiert am 05.10.2026 - 04:07 UhrLesedauer: 3 Min.

Bei ihrem Rückzug aus einer Stellung sollen russische Soldaten in der Ukraine die Überreste eines Heiligen verloren haben. Der Kreml ist erzürnt und verlangt einen Bericht.

Im Osten der Ukraine sollen russische Soldaten Teile der Reliquie des heiligen Dmitri Donskoi verloren haben. Das berichten mehrere Militärblogger auf Telegram, unter ihnen auch der für gewöhnlich gut informierte Kanal "Kremljowskaja Tabakerka". Ihm zufolge gingen die Gebeine des mittelalterlichen Fürsten Dmitri Donskoi verloren, als die Soldaten während eines Bittgottesdienstes vor ukrainischem Beschuss fliehen mussten.

"Wir führten mehrere Reliquiare mit den Überresten des heiligen Fürsten Dmitri durch die Zone der speziellen Militäroperation", zitiert der Blogger einen anonymen Geistlichen, der am Ort des Geschehens gewesen sein soll. "An einem Frontabschnitt wurde der Ort des Bittgottesdienstes, zu dem sich Offiziere versammelt hatten, beschossen. Die Militärs mussten abrücken, und sie haben die Reliquien leider verloren. Jetzt steht der Feind an dieser Stelle."

Der Gesprächspartner des Kanals deutet den Vorfall anschließend ins Positive: Der heilige Fürst habe die Soldaten geschützt, beim Rückzug sei fast niemand umgekommen. "Aber der Verlust ist trotzdem enorm. Nun ja, das ist Krieg."

Ein zweiter kremlnaher Telegram-Kanal, "Alex Parker", hatte zuvor berichtet, russische Kräfte hätten die Reliquien möglicherweise bei einem Rückzug im Gebiet Donezk verloren. Beide Darstellungen beziehen sich auf den Raum um die Stadt Lyman. Keine der beiden wurde von offizieller russischer Seite bestätigt.

Kreml verlangt einen Wirkungsbericht

Die russisch-orthodoxe Kirche wies die Berichte der Militärblogger zurück. "Die Geschichte ist ausgedacht", sagte Wachtang Kipschidse, stellvertretender Leiter der Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zu Gesellschaft und Medien, der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. "Das ist eine Erfindung, und sie wird, so ist anzunehmen, mit kirchenfeindlicher Absicht verbreitet."

Im Kreml glaube man dem Dementi der Kirche nicht, berichtet "Kremljowskaja Tabakerka". Dort sei von einer "kleinen Verschwörung" die Rede, mit der die Kirche versuche, "die Ineffektivität des eigenen Handelns zu verschleiern". Die Kirche habe versprochen, die Entsendung der Reliquien könne zu einer Wende an der Front führen. "Man will uns alle, offenbar auch Wladimir Wladimirowitsch persönlich, täuschen", heißt es in dem Bericht. Mit Wladimir Wladimirowitsch ist der russische Präsident Wladimir Putin gemeint.

Der Militärblogger berichtet außerdem, der Kreml habe nach dem Verlust der Reliquie einen vollständigen Bericht der Kirche darüber verlangt, was mit den Reliquien an der Front geschehe: wie viele Bittgottesdienste abgehalten worden seien, an welchen Orten und ob eine Wirkung festgestellt worden sei.

Es ist nicht der erste Konflikt zwischen der einflussreichen russisch-orthodoxen Kirche und dem Moskauer Machtapparat. Patriarch Kyrill sei schon einmal verdächtigt worden, über die Wirkung der Reliquien getäuscht zu haben, schreibt "Kremljowskaja Tabakerka": Sie sollten helfen, russische Ölraffinerien zu schützen und die Treibstoffkrise im Land zu lösen. Beides sei bislang nicht passiert.

Darum schickt Moskau Reliquien an die Front

Dmitri Donskoi, Großfürst von Moskau, lebte von 1350 bis 1389. Am 8. September 1380 besiegte sein Heer auf dem Kulikowo-Feld die Truppen des Mongolenführers Mamai, ein Datum, das in Russland als Wendepunkt gegen die Herrschaft der Goldenen Horde gilt. Donskoi ließ die erste steinerne Kremlfestung errichten. Heiliggesprochen wurde er erst 1988, im Jahr der Tausendjahrfeier der Taufe der Rus.

Sergej Tschapnin, Experte für Religionsfragen am Orthodox Christian Studies Center der Fordham University und früher im Verlag des Moskauer Patriarchats tätig, sieht darin ein Instrument der Mobilisierung. Kirche und Staat seien in Russland "praktisch verschmolzen, sodass man sie nicht mehr unterscheiden kann". Reliquien an die Truppe zu bringen, sei im orthodoxen Christentum eine alte Praxis, werde aber von der Propaganda genutzt.

Die Gebeine würden als "magisches Artefakt" präsentiert, der Vorgang sei ein "mobilisierender Mythos": "Diese Mythen, die verschiedene Zeiten und Epochen miteinander verbinden, können einen sehr starken Einfluss auf das Bewusstsein der Massen haben."

Hinzu kommt die politische Botschaft der Figur selbst. Donskoi sei kein Angreifer gewesen, sondern ein Verteidiger des Vaterlandes, so Tschapnin – und für die Staatsführung sei es wichtig zu zeigen, dass Russland nicht angreife, sondern eigenes Territorium verteidige.

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