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Putins Athleten lösen Chaos aus: Deutscher Verband mit klarer Ansage

Sport

Deutsche mit klarer Ansage Putins Athleten stürzen Weltsport ins Chaos Von Christoph Cöln Aktualisiert am 07.08.2026 - 09:30 UhrLesedauer: 6 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus starten bei der WM in Frankfurt am Main offenbar wieder unter neutraler Flagge. Wie umgehen mit Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus? Das fragen sich in der Sportwelt derzeit viele Funktionäre. Das jüngste Beispiel liefern die Turner. Sie stehen vor der schwierigen Entscheidung, ob Putins Sportler bei den Weltmeisterschaften der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt am Main (12. bis 16. August) mit oder ohne ihre jeweiligen Nationalflaggen und Nationalhymnen antreten dürfen. Der Deutsche Turnerbund (DTB) hat sich in der Frage nun einmal mehr klar positioniert: Demnach werden Russen und Belarussen nur neutralen Status bei den Wettbewerben erhalten. Das bestätigte der Verband am Donnerstag auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung". Zwar würden beide Delegationen in den Ergebnislisten offenbar weiter unter ihren Ländernamen geführt, sollte eine Athletin aus diesen Delegationen aber eine Medaille oder einen WM-Titel gewinnen, werde man die Flagge des Weltverbands zeigen, begleitet von neutraler Musik, schrieb der DTB laut "SZ". Dieser Status sei zwischen dem Turn-Weltverband (FIG), dem DTB, dem Deutschen Olympischen Sportbund gemeinsam mit der Bundesregierung vereinbart worden. Ukrainischer Verband reagierte auf Entscheidung Im Mai hatte die FIG die Sanktionen gegen Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus eigentlich bereits aufgehoben. Die Entscheidung gilt für Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolinturnen, Sportakrobatik und Sportaerobic. Der ukrainische Turnverband UGF reagierte bei der EM im bulgarischen Warna Ende Mai mit einer groß angelegten Protestkampagne auf die Wiederzulassung der Flagge und Hymne Russlands bei internationalen Wettkämpfen. In Bulgarien waren russische Sportler wieder unter der Flagge ihres Heimatlandes angetreten, auch die russische Hymne ertönte. Im Publikum wurden zahlreiche weiß-blau-rote Russland-Flaggen geschwenkt, alles war, als wäre nichts gewesen. Dabei läuft der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen die Ukraine, den Russlands autoritärer Machthaber Wladimir Putin vor mehr als vier Jahren begonnen hat, mit unverminderter Härte weiter. Täglich bombardiert die russische Armee das Nachbarland mit Gleitbomben und ballistischen Raketen und tötet dabei Zivilisten. IOC-Präsidentin löst Verwunderung aus Aus diesem Grund waren russische und belarussische Sportler im Februar 2022 weitgehend vom internationalen Sport ausgeschlossen worden. Zumal Machthaber Putin den Sport in seinem Land fest unter seiner Kontrolle hat. Putin nutzt die Erfolge russischer Sportler als Aushängeschild seines autoritären Regimes, er lädt sie regelmäßig in den Kreml ein, verleiht ihnen Orden und schmückt sich im Fernsehen mit russischen Athleten. Sport ist in Russland fester Bestandteil der Politik. Dennoch wurden russische und belarussische Athleten in einigen Sportarten schrittweise unter neutralem Status wieder zugelassen. Auch das ging nicht immer reibungslos ab. Beim Weltcup der Rhythmischen Sportgymnasten im März 2026 in Sofia sorgte die Russin Sofiia Ilteriakowa für einen Eklat bei der Siegerehrung. Als die Ukrainerin Taisiia Onofriichuk auf dem Podium für ihre Goldmedaille geehrt wurde, drehte Ilteriakowa der ukrainischen Flagge demonstrativ ihren Rücken zu. Der ukrainische Verband forderte daraufhin, der 15-jährigen Russin den Status politischer Neutralität abzuerkennen. Der Weltturnverband beließ es jedoch bei einer Verwarnung. Anfang Juli hob das IOC dann die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees vorläufig auf und lockerte damit einen wesentlichen Teil der Einschränkungen für russische Sportler. Diese können damit auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles hoffen. Die Entscheidung hatte in Teilen der Sportwelt große Empörung ausgelöst. Das IOC unter seiner Präsidentin Kirsty Coventry hatte den Schritt wie so häufig mit der Trennung von Sport und Politik begründet. So dürften die Athleten nicht für die Handlungen ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden, hieß es. Es war eine sportpolitische 180-Grad-Wende zu dem, was das IOC zuvor praktiziert hatte. Noch bei den Olympischen Winterspielen im Frühjahr durften russische Athleten lediglich unter neutraler Flagge starten, und auch nur solche, die keine nachweisbaren Verbindungen zum Putin-Regime unterhalten oder als Unterstützer des illegalen Kriegs gegen die Ukraine gelten. Mindestens 56 Olympioniken gelten als Putin-Unterstützer Davon gibt es in Russland jedoch eine ganze Menge, nicht nur deshalb, weil viele der russischen Leistungssportler – ebenso wie in Deutschland – Mitglieder der Streitkräfte sind. Sondern auch, weil sie sich aktiv und lautstark für den Autokraten Putin und seine Politik engagieren. Darunter etwa die ehemalige Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa, die Fechterin Jana Jegorjan oder eben die immer noch aktive Turnerin Angelina Melnikowa. Loading... Loading... Loading... Dass es das IOC schon bei den Spielen in Mailand und Cortina offenbar nicht allzu genau mit den eigenen Regeln nahm, zeigte eine Analyse der teilnehmenden Sportler aus Russland. Laut einer Studie des Molfar Intelligence Institute aus Kiew galten mindestens 56 der russischen Olympioniken als Befürworter des Kriegs in der Ukraine und loyale Anhänger von Präsident Putin. Doch unter der Ägide von IOC-Chefin Coventry sieht Putin nun offenbar gute Chancen auf eine Lockerung der sportpolitischen Sanktionen. So frohlockte der Kreml-Herrscher nach dem Ende der Spiele im Frühjahr angesichts des Medaillenregens für russische Sportler und argwöhnte: "Ich hoffe, dass die neue Führung des Internationalen Olympischen Komitees und der internationalen Sportverbände dieses schwierige und, wie ich bereits sagte, beschämende Erbe ihrer Vorgänger so bald wie möglich überwinden wird." DTB fährt seit 2022 klare Linie Den Seitenhieb gegen Coventrys deutschen Vorgänger im Amt des IOC-Präsidenten, Thomas Bach, konnte Putin sich nicht sparen. Und tatsächlich lockerte der Olympische Weltverband kurze Zeit später die Auflagen gegen russische Athleten. Die aus Simbabwe stammende ehemalige Olympia-Schwimmerin Coventry begründet den Kurswechsel mit politischer Neutralität. Allen Athleten solle dieselbe Bühne gewährt werden, heißt es vom IOC. Beim Deutschen Turnerbund und dessen Präsidenten Alfons Hölzl löste dies ein gewisses Unverständnis aus. Hölzl will die WM der Kunstturner in Frankfurt am Main "nicht als Propagandaraum für Putin oder Russland" öffnen. Das sagte der Sportfunktionär Ende Juli am Rande der Deutschen Meisterschaften in Hannover. Im Jahr 2022 hatte der DTB bereits die Entscheidung, alle Veranstaltungen in Russland abzusagen und russische und belarussische Sportler bei internationalen Wettbewerben nur noch unter neutraler Flagge starten zu lassen, ausdrücklich begrüßt. Der Verband forderte in Übereinstimmung mit der damaligen Position des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sogar "den sofortigen Ausschluss Russlands und Belarus aus der internationalen Sportfamilie". Dass er nun den Spagat zwischen Weltverbandspolitik und nationaler Sonderbehandlung wagt, ist dennoch bemerkenswert. Und er stürzt den Weltverband der Turner in ein gewisses Dilemma. Heraskewytsch kritisiert deutsche Sportfunktionäre Zwar hatte das IOC die Umsetzung der neuen Linie der Neutralität gegenüber russischen Sportlern ausdrücklich in die Hände der jeweiligen Einzelsportarten weitergegeben. Doch hatte der Turn-Weltverband (FIG) diesem Beschluss vorausgegriffen. Dessen Exekutivkomitee war schon im Mai 2026 vorgeprescht und hatte den Bann gegenüber russischen Sportlern mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Dem schloss sich der Europäische Turnverband kurz darauf an. Und so durften Putins Sportler bei der EM in Warna, Bulgarien, wieder unter russischer Flagge und mit russischer Hymne starten. Offenbar hat nun aber auch die FIG die Bedenken der Mitgliederverbände und die Brisanz des Themas erkannt. "Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, wir müssen flexible Maßnahmen ergreifen, das ist die Realität", sagt FIG-Präsident Morinari Watanabe im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch das deutet eine Art Kurswechsel an. Könnte es doch eine Rückkehr zu den Ad-hoc-Regeln von 2024 bedeuten, die jedem Verband das Recht einräumen, russische Athleten unter neutraler Flagge starten zu lassen. Das Hin und Her der Beschlüsse hat auch damit zu tun, dass die Verbände sich oft in einer behördlichen Zwickmühle befinden. Denn politisch ist Russland nach wie vor weitgehend isoliert, viele Regierungen erteilen russischen Sportlern keine Einreisegenehmigung. So beginnt am 13. August die EM der Turner in Zagreb. Die kroatische Regierung weigert sich jedoch, Visa für die russischen Athleten auszustellen. "Wir erleben hier ganz praktisch das Zusammentreffen des autonomen Sports mit der Politik", sagte DTB-Präsident Hölzl. Ukrainer: "Nicht richtig, Prinzipien zu verraten" Dass der Deutsche Turnerbund nun einen Sonderweg geht, dürfte in der Ukraine mit Wohlwollen aufgenommen werden. Dennoch übte der ukrainische Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewytsch jüngst Kritik an deutschen Sportfunktionären. Zwar wisse er, "dass sich auch einige deutsche Funktionäre gegen die Entscheidung des IOC gestellt haben", sagte der 27-Jährige im Gespräch mit der "FAZ". Aber insgesamt sei das "zu wenig". Heraskewytsch war bei den Olympischen Winterspielen im Frühjahr wegen eines Helms mit den Abbildungen von 22 getöteten ukrainischen Athleten von seinem Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Er sei "von Deutschland ein wenig enttäuscht", sagte er. Er vermisse bei deutschen Funktionären mehr Widerstand gegen den russlandfreundlichen IOC-Kurs. Der Grund ist für den Skeletonfahrer dabei offensichtlich – ausschlaggebend sei die anvisierte deutsche Bewerbung für eine Austragung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Doch es sei "nicht richtig, Prinzipien zu verraten, nur um Olympische Spiele nach Deutschland zu holen", meinte Heraskewytsch. Verwendete Quellen sueddeutsche.de: Ohne Flagge und Hymne in Frankfurt (kostenpflichtig) telegraph.co.uk: Russia’s Olympics return undermines global sanctions (englisch, kostenpflichtig) pravda.com.ua: Non-neutral competitors at the 2026 Olympics: 56 Russian athletes who support Putin regime (englisch) reuters.com: Putin criticises previous IOC leadership as 'shameful, cowardly' (englisch) faz.net: Zwischen Weltpolitik und Weltmeisterschaft (kostenpflichtig) gymnastics.sport: Official news from the Executive Committee - May 2026 (englisch) dtb.de: Situation in der Ukraine tvpworld.com: Ukraine seeks ban on Russian gymnast for turning back during anthem (englisch) Mit Material der Nachrichtenagentur SID Quellen anzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... ShoppingAnzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... 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