Putins Mobilisierung in Russland „hängt von Europa ab“ - Krieg vor „entscheidender Phase“?
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Putins Mobilisierung in Russland „hängt von Europa ab“ – Krieg vor „entscheidender Phase“?
Von: Jan-Frederik Wendt
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Nach der Staatsduma-Wahl in Russland könnte Präsident Putin eine Mobilmachung anordnen. Laut Experte Reisner hängt die Entscheidung von Europa ab.
Moskau – Am kommenden Wochenende wählt die russische Bevölkerung die Staatsduma. Das Ergebnis steht faktisch fest. Für westliche Analysten ist die Wahl weniger interessant als die Zeit danach. Denn: Seit Wochen spekulieren Expertinnen und Experten, ob Russlands Präsident Wladimir Putin nach der Wahl eine Mobilmachung anordnen lassen wird.
Laut dem Militärexperten Markus Reisner wird das „reine Zuführen von Soldaten“ für Russland wenig verändern, „denn es gibt immer noch den Drohnenwall, diese Todeszone, welche die Russen durchdringen müssen“, sagte der Leiter des Institutes für Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wien der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Solange die Ukraine über genügend Ressourcen für den Drohnenwall verfüge, würde die russische Armee ihre Soldaten nur verschleißen.
Mobilmachung in Putins Russland hängt von westlicher Ukraine-Unterstützung ab
Zwar hätte Russland mit dem Verschleiß ihrer Menschen eine gewisse Tradition; dennoch erkenne der Kreml, wenn mehr Soldaten an der Front keinen wesentlichen Nutzen hätten. Das habe man bereits in der Vergangenheit gesehen, als Russland aufhörte, mit mechanisierten Angriffen Gebiete in der Ukraine zu erobern, weil die ukrainischen Streitkräfte diese Attacken erfolgreich abwehrten und Russland hohe Verluste erlitt. Daraufhin änderte Russlands militärische Führung die Taktik und griff vermehrt mit kleinen Truppen an.
„Eine Mobilmachung in Russland wird wesentlich davon abhängen, ob Europa die Ukraine weiter unterstützen wird. Wenn diese Hilfe versiegt, wird die Ukraine sich in dem Krieg gegen Russland nicht mehr verteidigen können“, sagte Reisner. Wenn europäische Regierungen – beispielsweise wegen eines hohen innenpolitischen Drucks – die Ukraine nicht mehr unterstützen, „kann es natürlich sein, dass Putin sich für eine Mobilmachung entscheidet“, meint Reisner. Das werde man im Herbst oder Winter sehen.
Es müsse klar sein, dass der Krieg in der Ukraine „in eine entscheidende Phase tritt, wenn erkennbar ist, dass die Ukraine dem russischen Druck ohne westliche Unterstützung nur sehr schwierig standhalten kann“, so der 48‑Jährige. Derweil leide Russland unter den messbaren Erfolgen der Ukraine; könne die eigenen Verluste aber durch die Hilfe anderer Staaten wie China kompensieren. Auch ohne fremde Hilfe sei Russland hinsichtlich der eigenen Ressourcen der Ukraine überlegen.
Krieg zwischen Ukraine und Putins Russland wie „mathematische Gleichung“
Trotz hoher Verluste ist Russland laut Reisner noch immer in der Lage, monatlich 30.000 bis 40.000 neue Rekruten an die Front zu schicken. Im ersten Halbjahr 2026 habe die russische Armee knapp 200.000 neue Soldaten rekrutieren können. „Damit kann Putin die Verluste ausreichend kompensieren“, so Reisner. Dennoch zeige eine mögliche Mobilmachung, dass der Krieg für Russland nicht wie geplant verlaufe, weil diese politische Maßnahme in der Bevölkerung sehr unpopulär wäre.
Grundlegend müsse man verstehen, dass man einen Krieg wie eine mathematische Gleichung betrachten müsse. Das hieße: Wenn sich Variablen verändern, dann ändere sich das Ergebnis. „Und diese Variablen befinden sich in einer permanenten Veränderung. Deswegen müssen Militärs und Politiker ihre Entscheidungen immer wieder an die Situation anpassen“, sagte der österreichische Historiker. Deswegen könne man jetzt nicht seriös voraussagen, ob sich Putin für eine Mobilmachung entscheiden wird. (Quellen: eigene Recherche/Jan-Frederik Wendt)