Putins Raketen für Iran?: "Russland schert sich nicht um die roten Linien"
Half Putin Teheran beim Bau von Raketen?
"Russland schert sich nicht um die roten Linien"
Von t-online, cc
Aktualisiert am 02.09.2026 - 07:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Russland soll dem Iran mit einem Geheimprogramm bei der Entwicklung von Raketen geholfen haben. Die Entwicklung ist besorgniserregend. Denn die Waffe ist hochmodern.
Es wäre eine bedeutende Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und den USA und Israel, wenn sich bestätigt, was ein Zeitungsbericht nun nahelegt: Nach Informationen der "Financial Times" (FT) hat das russische Regime unter Machthaber Wladimir Putin den terroristischen Revolutionsgarden in Teheran dabei geholfen, einen neuen Raketentyp zu entwickeln. Bei der Waffe soll es sich um einen Überschall-Marschflugkörper handeln, der über ein Ramjet-Antriebssystem verfügt. Waffen dieses Typs besaß das Regime in Teheran bislang nicht.
Bei dem Marschflugkörper handelt es sich laut Recherchen der "FT" um eine Entwicklung mit dem Codenamen "C430L". An der Entwicklung sollen einige der erfahrensten Raketenwissenschaftler Russlands beteiligt gewesen sein. Das Besondere an der Waffe ist dabei ihr Triebwerk: Es handelt sich um ein Feststoff-Staustrahltriebwerk, das ohne die bei herkömmlichen Raketen üblichen Verdichter und Turbinen auskommt.
Die Technik ist hochmodern. Die Rakete nutzt die Luft, die während ihres Flugs in den Raketenkörper eindringt. Diese einströmende Luft wird mithilfe eines festen Brennstoffblocks verdichtet. Das hat den Vorteil, dass der Aufbau der Rakete weniger komplex ist, weniger Bauteile müssen mitgeführt werden, insgesamt wird die Rakete dadurch leichter. Zudem entwickelt sie während ihres Flugs mehr Schub und ihre Reichweite ist deutlich höher als bei Raketen mit herkömmlichen Jet-Triebwerken: Die Ramjet-Überschallrakete soll eine bis zu 200 Prozent höhere Reichweite besitzen.
Expertin: "Russland versucht den Krieg auszuweiten"
Dieser Transfer strategischer Militärtechnologie zwischen Moskau und Teheran dürfte insbesondere die USA besorgen. Die Trump-Regierung befindet sich im Krieg mit dem Iran. Sollte das islamistische Regime die neuen Marschflugkörper bald einsetzen, bedeutete dies eine neue Eskalationsstufe im Krieg am Golf. US-Truppen dürften dadurch einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt sein.
Die neue Waffenklasse bedroht insbesondere US-Flugzeugträger und andere Kriegsschiffe im Nahen Osten. Hinter ihrer Entwicklung steckt laut "FT" offenbar ein mehrjähriges Geheimprogramm, eine Kooperation zwischen dem Putin-Regime und Teherans Wissenschaftlern. Wie weit Iran wirklich mit der Entwicklung der Rakete ist, konnte die Zeitung jedoch nicht letztgültig verifizieren.
"Hier handelt es sich um den Transfer einer strategisch hochsensiblen Militärtechnologie aus Russland, die die Iraner seit Jahrzehnten zu erwerben versuchen", sagte Fabian Hinz. Der Deutsche ist Experte für iranische Raketen und leitender Analyst bei Conflict Armament Research, einer in Großbritannien ansässigen Organisation zur Rückverfolgung von Waffen. "Ein Programm wie dieses würde eine politische Freigabe von ganz oben in Russland erfordern", sagte Hinz der "Financial Times".
Das geheime Ramjet-Programm zeigte, "dass Russland versucht, den Krieg in der Ukraine auszuweiten und die USA in verschiedene Konfliktgebiete hineinzuziehen", sagte Nicole Grajewski, Professorin an der Sciences Po in Paris dem Blatt. "Russland schert sich nicht sonderlich um die roten Linien in der Region."
Erst in der vergangenen Woche war CIA-Chef John Ratcliffe zu einem vierstündigen Blitzbesuch nach Moskau gereist. Trumps Geheimdienstchef soll laut Informationen von US-Medien dem russischen Machthaber dabei ins Gewissen geredet haben. Auch von einer Warnung an Wladimir Putin war die Rede.