Putins Wirtschaft droht neues Loch
Startseite Wirtschaft Bargeld-Boom in Russland – Putins Wirtschaft droht neues Loch Von: Nils Thomas Hinsberger Uns auf Google folgen Gut für die Unternehmen, schlecht für den russischen Fiskus. Der Trend zum Bargeld könnte ein neues Loch in Russlands Wirtschaft reißen. Moskau – Russlands Abschottung vom globalen Internet soll die Sicherheit im Ukraine-Krieg erhöhen. Kritiker sprechen dagegen von Zensur, zumal die ukrainischen Drohnenangriffe offenbar ungehindert weiterlaufen. Das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) erklärt dazu: „Russlands Internetabschaltungen scheinen sich von Ausnahmefällen der Zensur zu einem routinemäßigen Instrument der Kriegsführung entwickelt zu haben.“ Medienberichten zufolge werden VPNs, also verschlüsselte Verbindungen ins Netz, in Russland immer beliebter. Doch auch hier setzt die Regierung wohl an und sperrt diese Schlupflöcher, berichtete etwa das ZDF. Im Zuge der Abkapselung vom globalen Netz soll es auch immer wieder zum Ausfall des mobilen Internets kommen. In Reddit-Foren debattieren russischstämmige Nutzer über ihre Erfahrungen. Manche sprechen von sogenannten „White Lists“, also erlaubten Webseiten. Andere berichten von völligen Internetausfällen. Die Erfahrungsberichte in Foren können natürlich nicht überprüft werden. Wie die BBC nun aber berichtet, könnte die Sperrung des Internets Putins Kriegswirtschaft teuer zu stehen kommen. Internetsperre in Russland – Nachfrage nach Bargeld explodiert Denn weil in vielen Fällen die Kartenzahlung im Zuge der Internetsperren nicht mehr funktioniert, greifen Russinnen und Russen laut dem Bericht immer öfter auf Bargeld zurück. In einer Analyse der BBC auf Grundlage von Daten der russischen Zentralbank heißt es, dass seit Jahresbeginn 1,56 Billionen Rubel (etwa 17,37 Milliarden Euro) in Umlauf gebracht worden seien. Das sei der größte Anstieg im entsprechenden Zeitraum außerhalb der Corona-Pandemie. Dieser Umstand sorge nun dafür, dass dem Staat eine Menge Steuern entgehen würden. Denn viele Unternehmen würden bei Barzahlungen die Einnahmen in den Büchern schönen, um den von der Regierung veranlassten Steuererhöhungen zu entgehen. Der Kreml hatte im Zug der gestiegenen Kriegskosten im Januar die Mehrwertsteuer angehoben und die Grenze gesenkt, ab der kleine und mittlere Unternehmen diese zahlen müssen. Auch Löhne würden am Staat vorbei „unter der Hand“ ausgezahlt, zitiert die BBC Taras Skworzow, Finanzchef der russischen Sberbank. Russlands Wirtschaft unter Druck – Ukraine-Krieg lässt Staatseinnahmen schmelzen Der finanzielle Druck auf Russland im Zuge des Ukraine-Kriegs ist enorm. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft schrieb im Juni dieses Jahres, dass die russische Kriegswirtschaft nach vier Jahren anhaltender Kämpfe an ihre Grenzen stoße. „In den ersten Jahren des Krieges gegen die Ukraine hat sich die russische Wirtschaft als robuster erwiesen als erwartet, doch nun sind die Puffer erschöpft“, erklärt Moritz Schularick, Präsident des Instituts. Die Finanzreserven Putins seien weitestgehend aufgebraucht und auch das Wachstum sei zu einem Stillstand gekommen. Außerdem wachse die Abhängigkeit von China. Das birgt seine ganz eigenen Risiken für Russland. Die im Zuge des Iran-Kriegs gestiegenen Ölpreise könnten zwar eine kurzfristige Verbesserung bringen. Doch das Kiel Institut geht hierbei nur von einem kurzfristigen Effekt aus. Ein steigender Arbeitskräftemangel verschärfe die Situation nur noch weiter. „Die Regierung kann zwar zusätzliche Finanzmittel mobilisieren, doch angesichts des rekordhohen Arbeitskräftemangels und der Sanktionen, die den Zugang zu wichtigen Importen einschränken, besteht bei höheren Ausgaben zunehmend die Gefahr, dass Inflation statt einer Steigerung der Militärproduktion entsteht“, hält Matthew C. Klein, Mitautor der Analyse, fest.